MIKROREINIGUNG: Grossbau für sauberes Wasser

Bei der ARA Altenrhein läuft der Bau der zusätzlichen Stufe an. Sie wird das Abwasser auch von Mikropartikeln befreien. Bis Mitte 2018 investiert der Verband von 15 Gemeinden dafür 22 Millionen Franken.

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Die Kälte legte etliche Baustellen lahm. Östlich der regionalen Abwasserreinigungsanlage am Alten Rhein kann hingegen nach dem Einrammen von Spundwänden auch bei diesem Wetter Erdreich ausgehoben werden. In den nächsten Tagen soll die Grube die projektierte Grösse erreichen. Das ist dem Abwasserverband Altenrhein (AVA) für das Gebiet von Untereggen und Goldach bis St.Margrethen und Speicher bis Walzenhausen wichtig. Denn er hat für den Bau der Grossanlage zur Elimination von Mikroverunreinigungen (EMV) aus dem Abwasser einen engen Terminplan.

Nach Auskunft von Geschäftsführer Christoph Egli soll der 22 mal 18 Meter grosse Neubau Ende dieses Jahres fertig sein. Dann kann bis zum Sommer 2018 die Technik eingebaut und im Freien ein Sauerstofftank errichtet werden. So wird die ARA Altenrhein als erste im Kanton St.Gallen und eine der ersten in der Schweiz die Vorschriften des Bundes für die EMV erfüllen. Damit bekommt der Verband rasch Geld vom Bund und wird befreit von der Abgabe von jährlich neun Franken je Einwohner oder Einwohnergleichwert bei Betrieben. Aus dieser finanziert der Bund Beiträge an Anlagen für die Mikroreinigung. Diese schreibt er Reinigungsanlagen für viele Einwohner oder nahe an einem See vor. Das verhindert, dass Rückstände von Chemikalien, Medikamenten oder Schwermetallen ins Trinkwasser gelangen. Für den Vollzug sind die Kantone zuständig. St.Gallen unterstellte vorerst acht Anlagen, unter ihnen die ARA Altenrhein, der Pflicht zur EMV. Der Verband Altenrhein plante die Anlage über drei Jahre in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Umwelt und dem kantonalen Amt für Umwelt und Energie. Aufgrund der Zusammensetzung des Abwassers entschied er sich für ein Verfahren, das nun in der Schweiz erstmals angewendet wird: In Ozonreaktoren mit Sauerstoff behandeln und über granulierte Aktivkohle filtern. Das ist beim Bau teuer, dafür im Betrieb und für Ausbauten sicherer und günstiger. Die Delegierten der Gemeinden bewilligten fast 22 Mio. Franken. Das Detailprojekt der Ingenieurgemeinschaft Holinger und Kuster + Hager bestand die Prüfung durch Bund und Kanton. Zum Bau, zur Umzonung auf dem ARA-Areal, zur Rodung von Bäumen und Gebüsch auf gegen 500 Quadratmetern und zur Pflanzung von Ersatz an anderer Stelle gab es keine Einsprachen. Der Verwaltungsrat unter Leitung von Robert Raths als Präsident der Standortgemeinde Thal konnte darauf die Arbeiten ausschreiben. Den Aushub und die Baumeisterarbeiten vergab er an die Gerschwiler AG in Goldach. Die technischen Anlagen für die EMV hatte er bereits bei der Projektierung ausgeschrieben, damit die Kosten genau berechnet werden konnten. Lieferanten werden hier die französische Ozonia und die schweizerische Wabag.

Aufgrund der Prüfungen wird der Bund drei Viertel der zur Erfüllung der EMV-Vorschriften nötigen Investitionskosten zurückerstatten. Die weiteren Baukosten und die Betriebskosten übernimmt der Verband ohne höheren Preis für die Einwohner und die Betriebe. Ebenso überwälzt er ihnen die seit 2016 fällige jährliche Abgabe nicht. Das sei möglich, weil der AVA in den vergangenen Jahren Einsparungen erzielt und daraus Reserven angelegt habe, erläutert Geschäftsführer Christoph Egli. Von der Abgabe wird der Verband befreit, wenn die EMV in Betrieb ist, frühestens ab 2019. Der AVA will ab diesem ersten Zeitpunkt bereit sein. Dafür muss er die Anlagen so erstellen, dass er via Kanton dem Bund die Bauabrechnung bis Ende September 2018 einreichen kann.

Fritz Bichsel

redaktionot

@tagblatt.ch