Migros-Neubau polarisiert

Ist der geplante 60-Millionen-Migros-Neubau in Herisau nicht zu gross? Kann der Gemeinderat Einfluss auf den Laden-Mix nehmen? Antworten zu diesen und weiteren brennenden Fragen gab's am FDP-Podium am Mittwochabend.

David Scarano
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HERISAU. Der Neubau der Migros bewegt die Gemüter. Über 100 Besucher folgten am Mittwochabend der Einladung der FDP Herisau. Die Podiumsveranstaltung verdeutlichte zudem das breite Meinungsspektrum. Zwar begrüssten die meisten Anwesenden die 60-Mio.-Investition, Kritik gab es aber wegen der Dimensionen und der Architektur.

Gemeinderat steht nun dahinter

Im ersten Teil präsentierten die Gemeinde und die Bauherrschaft Informationen zum Projekt, anschliessend folgte die Podiumsdiskussion. Der Abend war aber nicht nur dem Bauprojekt, mit der «grössten Öffentlichkeit seit 25 Jahren» (Zitat Gemeinderat Max Eugster) gewidmet, sondern auch der allgemeinen baulichen Entwicklung. Die Diskussionen konzentrierten sich trotzdem mehrheitlich auf die Migros und ihre Absichten. Geplant ist, am jetzigen Standort ein Einkaufszentrum mit einem Vollsortiment mit 10 000 Produkten, Restaurant, Fitnesscenter, zwölf Partnergeschäften sowie 25 Wohnungen zu realisieren. Der Gemeinderat steht dem Projekt grundsätzlich wohlwollend gegenüber, dies aber erst, seit es überarbeitet wurde. Dazu bedurfte es gemäss Gemeindepräsident Paul Signer «harter Verhandlungen». Der ursprünglichen Fassung des Projekts hätte der Gemeinderat nicht zugestimmt, unter anderem weil sie zu wuchtig war.

Kein Leuchtturm-Projekt

Kritische Töne gab es beim Podiumsgespräch vor allem von Werner Frischknecht, Präsident der Stiftung Dorfbild. Für ihn ist der «Zweckbau» «eine verpasste Chance». Es gebe bessere Lösungen, die aber nicht gesucht wurden. Der Standort werde sich zum neuen Zentrum entwickeln, es hätte etwas «Raffiniertes», ein «Leuchtturm-Projekt» gebraucht. Rolf Huber, Vertreter des Gewerbes, warnte vor einer «Monokultur» bei den Partnergeschäften. Er verwies auf andere Einkaufszentren, wo drei Viertel der Läden nur Kleider verkaufen. Das würde Herisau aber nicht benötigen, es fehlten Geschäfte für die täglichen Gebrauchsartikel, sagte der Besitzer eines Kleidergeschäftes. Er rief den Gemeinderat auf, sich für einen sinnvollen Mix einzusetzen. Gemeindepräsident Paul Signer winkte jedoch ab: «Es liegt nicht in der Macht der Politik. Der Markt entscheidet», sagte er. Ähnlich parierte er den Vorwurf der Grösse. Er sei kein Experte, der entscheiden könne, ob zu viele Läden entstünden. Auch hier spiele schliesslich der Markt. Gemeinderat Max Eugster brachte das Agglomerationsprogramm ins Spiel. Gemäss den dortigen Angaben ist Herisau bezüglich Detailhandelsfläche verglichen mit der Einwohnerzahl aktuell unterdotiert.

Die Position der Migros verteidigte Martin Hitz, Leiter Bau und Immobilien. Auf die Kritik am Mix und an der Grösse antwortete er, dass sich die Migros «nicht blind ins Verderben stürze», man habe abgeklärt, welche Läden das Dorf benötige. Das Grossprojekt sei sinnvoll und wirtschaftlich. Es soll für Leben im Dorf sorgen, eine Bereicherung sein. Deshalb habe man sich entschlossen, das Restaurant am Sonntag offen zu halten.

«Brühlhof» muss weichen

Die denkmalpflegerischen Aspekte fehlten an diesem Abend ebenfalls nicht. Ein Votant störte sich am «Fait accompli»: Es sei wie selbstverständlich, dass man die geschützte Liegenschaft Brühlhof über die Klinge springen lasse. Gemeinderat Max Eugster wehrte sich gegen den Vorwurf, dass man unbedarft einen Schutz aufhebe. Es habe einen langen, ernsthaften Prozess mit vielen Diskussionen gebraucht. Ein externer Experte wurde ebenfalls zugezogen. Der Ressortleiter verdeutlichte die Problematik mit einer rhetorischen Frage: Was würde passieren, wenn der «Brühlhof» bliebe? Die angrenzenden Liegenschaften sind nicht geschützt. «Ich möchte dem <Brühlhof> nicht gönnen, von Neubauten erdrückt zu werden», sagte er.

Planauflage Ende Oktober

Die Schutzentlassung wegen übergeordneter Interessen erfolgt mit der Revision des Teilzonenplans. Über die Planauflage entscheidet der Gemeinderat am 23. Oktober. Danach haben Anstösser und der Heimatschutz 30 Tage Zeit, Einsprachen zu erheben. Über den Teilzonenplan entscheidet der Einwohnerrat. Gegen den Beschluss kann das fakultative Referendum ergriffen werden.