Menschenrechtspreis für «Turi»

GLARUS/TOGGENBURG. Zum dritten Mal vergibt die Anna-Göldi-Stiftung einen Menschenrechtspreis. Am Samstag erhält ihn Arthur Honegger für seinen Einsatz für Verdingkinder.

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Arthur Honegger in seinem Arbeitszimmer in Krummenau. (Bild: Ralph Ribi)

Arthur Honegger in seinem Arbeitszimmer in Krummenau. (Bild: Ralph Ribi)

Den Anna-Göldi-Preis gibt es seit 2009. Der Preis in Erinnerung an die 1782 als letzte in der Schweiz und in ganz Europa hingerichtete «Hexe» Anna Göldi setzt ein Zeichen für die Menschenrechte, vor allem gegen behördliche Willkür, und für den Mut jener, die sich engagiert wehren. Zwei Mal wurde der Preis bisher verliehen: 2009 an Luzius Wildhaber, den ehemaligen Präsidenten des Europäischen Gerichtshofs in Strassburg, der sich für die juristische Durchsetzung der Menschenrechte stark macht, und 2011 an Amira Hafner-Al-Jabaji, die sich für den Dialog der Religionen einsetzt.

Gegen Behördenwillkür

Am kommenden Samstag nun steht die Preisverleihung unter dem Titel «Verdingkinder». Der seit vielen Jahren in Krummenau lebende Schriftsteller und Journalist Arthur Honegger erhält den Preis zusammen mit der als jugendliche Mutter administrativ Versorgten Ursula Biondi den Anna-Göldi-Preis. Arthur Honegger, der selbst das Schicksal eines Verdingkindes am eigenen Leib erlebt hat, veröffentlichte 1974 das Buch «Die Fertigmacher», in dem er seine Erlebnisse in der Kindheit und Jugend als beklemmender Erlebnisbericht niederschrieb. Es folgten 25 engagierte Bücher, unzählige Vorträge und Interviews zum Thema Verdingkinder.

Mit Mörderinnen zusammen

Ursula Biondi, die als 17-Jährige mit Mörderinnen zusammen versorgt worden war, engagiert sich heute für die Wahrung der Menschenrechte. Sie bekam 2013 von der Universität Freiburg den Ehrendoktortitel. Biondi hat ihr Schicksal im Buch «Geboren in Zürich – Ursula Biondi» verarbeitet. 2008 hat sich zudem die Anlaufstelle «Administrativ-Versorgte 1942 bis 1981» gegründet.

Die Verleihung findet im künftigen Anna-Göldi-Museum im glarnerischen Ennenda statt. Dort werden zum Thema Verdingkinder zudem eine Fotoausstellung wie auch der Kurzfilm «Verdingkinder sprechen» gezeigt. (hak)

Öffentliche Verleihung des Anna-Göldi-Preises, Hänggiturm, Ennenda/Glarus, 10 Uhr