«Menschenansammlungen sind unbedingt zu vermeiden»: Trotzdem publiziert die Innerrhoder Tourismusorganisation die Termine der Alpabfahrten

In diesen Tagen sind die Appenzeller Alpabfahrten in vollem Gange. Die Landwirtschaftsämter von Ausser- und Innerrhoden sowie die Tourismusorganisationen sind sich einig: Dieses Jahr wird wegen des Coronavirus nicht aktiv dafür geworben. Trotzdem publiziert Appenzellerland Tourismus AI die Daten online. Warum?

Smilla Bühler
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Die farbenprächtigen Alpabzüge ziehen viele an den Strassenrand.

Die farbenprächtigen Alpabzüge ziehen viele an den Strassenrand.

Bild: Raphael Rohner

Seit Mitte August finden im Appenzellerland die traditionellen Alpabfahrten statt. Die Sennen verlassen ihre Alpen, wo sie mit dem Vieh die Sommerwochen verbracht haben, und kehren bis Mitte September ins Tal zurück.

Hierzulande herrscht bei den Alpabfahrten buntes Treiben und sie sind meist gut besucht. Schon von weitem sind die Schellen der Kühe zu hören und spätestens die Festtrachten der Sennen locken Schaulustige an den Strassenrand. Das gelebte Brauchtum ist ein Publikumsmagnet und weckt oft auch überregionales Interesse.

Abfahrten ohne Aufsehen erregen

Normalerweise sind die Besucher gern gesehen, in diesem Jahr ist aber Zurückhaltung angebracht. Durch die Coronapandemie sahen sich die Landwirtschaftsämter beider Appenzell gezwungen, einen Appell an die Bauern zu richten: Dieses Jahr sollten sie unauffälliger als sonst auffahren. So gingen die Alpauffahrten im Mai über die Bühne, ohne grosses Aufsehen zu erregen.

Und auch jetzt, wo die Alpabfahrten in vollem Gange sind, gilt immer noch: Ansammlungen von Menschen, die dicht gedrängt in einer Gasse stehen, sind nicht ratsam. Gabriel Grünenfelder vom Ausserrhoder Amt für Landwirtschaft sagt:

«Wir verzichten dieses Jahr auf aktive Werbung. So sind beispielsweise keine Flyer gedruckt worden und die externe Kommunikation nicht gross gewesen.»

Grünenfelder fährt fort: «Wir wollen nicht, dass ein Alpabzug zu einem Volksfest ausartet.»

Ähnlich klingt es beim Land- und Forstwirtschaftsdepartement in Appenzell Innerrhoden. Rahel Mettler bestätigt: «Es gab von unserer Seite her keine öffentliche Kommunikation.» Viele Bauern seien bereits abgefahren und das ohne viel Aufmerksamkeit zu erregen.

Entsprechend verkündet die Ausserrhoder Tourismusorganisation auf der eigenen Website, dass aufgrund des Coronavirus die Daten der Alpabfahrten nicht publiziert werden.

Nicht so bei den Innerrhodern: Auf der Webseite von Appenzellerland Tourismus AI führt ein Mausklick direkt zu den aktuellen Daten und Zeiten der Alpabfahrten. Im Detail stehen da Namen der Landwirte, Zeiten der Abfahrt und genaue Routen. Sieht so nicht-aktives Werben aus? Auf Nachfrage erklärt Geschäftsführer Guido Buob, es gebe drei Gründe für das Veröffentlichen der Alpabfahrten. Buob sagt:

«Die Informationen sind in erster Linie für die Einheimischen gedacht, die unsere Seite besuchen.»

Für die lokalen Läden sei es notwendig zu wissen, wann die Landwirte mit ihrem Vieh vorbeiziehen. Dann ist es Zeit, die draussen positionierten Gestelle hereinzuräumen. Des Weiteren würden besonders Autofahrer Interesse an den genauen Zeiten bekunden. Buob sagt: «Aufgrund der Abfahrten gibt es immer wieder Strassensperren und es kann so zu Wartezeiten kommen. Verkehrsteilnehmer sind darüber gerne informiert.»

Kein Ansturm erwartet

Zuletzt erwähnt Buob die Anwohner, besonders die Besitzer von Gärten. Sobald die Kühe vorbeikommen, spannen die meisten Bewohner eine Schnur vor die Gartentürchen, das Garagentor oder die Einfahrten. Buob ist nicht sonderlich besorgt, so befürchtet er keine grossen Menschenansammlungen. «Ehrlich gesagt herrscht bei uns nie ein riesiger Auflauf, anders als beispielsweise in Urnäsch», sagt der Geschäftsführer von Appenzellerland Tourismus AI.

Auch so kann eine Alpabfahrt aussehen: hier in Entlebuch.

Auch so kann eine Alpabfahrt aussehen: hier in Entlebuch.

Quelle: Boris Bürgisser

In Urnäsch ist allerdings heuer alles abgesagt. Die Alpabzüge finden normalerweise zeitgleich mit dem Bauernmarkt statt, was in den vergangenen Jahren jeweils viele auch auswärtige Zuschauer anlockte.

In Appenzell Innerrhoden gibt es mehrere Tage und vor allem verschiedene Zeitpunkte, an denen die Sennen zurück ins Dorf kommen. Buob sagt dazu: «Besonders auf dem Land, ausserhalb der Dörfer, ist der Sicherheitsabstand locker einzuhalten. Schliesslich liegt die Verantwortung immer noch bei den Zuschauern selbst.»