Mengmol bruch i en Schnaps

Brosmete

Emanuel Steiner
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Es gibt Momente im Leben, da muss man vom normalen Rhythmus abweichen und ein wenig ausscheren. Gerade unter Freunden bringt zwischendurch eine Funkstille später wieder Funklärm. Das habe ich mir zu Herzen genommen und mit einem französischen Abgang meinen Freund Beaujolais in der Stille der Kommunikation zurückgelassen. Dafür kurbelte ich meinen anderen Kollegen wieder auf die Rolle. Sein Name ist Gingg. Er gehört zu jenen Menschen, welche nicht viel können, aber das dann gekonnt und ausdauernd. So sassen wir dann wie abgemacht am Holzfass im Havana Club und er erzählte mir mit Wermut von seinen Ferien in Malibu. Stundenlang lag er im Sand rum und blickte auf das aperitifblaue Meer hinaus und hörte Ramazotti über den Johnnie Walkman. Bei klarem Wetter konnte er sogar vom Badetuch aus, in der Fernet, Branca sehen. Jeden Morgen um neun tuckerte Captain Morgan mit seiner sherry Lady an ihm vorbei und winkte ihm mit einem Cocktail in der Hand zu.

Wie Gingg vom Barkeeper Jim Beam erfahren hatte, schifft Captain Morgan jeden Tag grüne Bananen von der Insel Calvados über Long Island nach Malibu. Der Wellengang war zum Teil sehr stark, sodass das kleine Schifflein viele Absinth Downs hatte. Nicht nur die Hitze der Sonne liess ihm den Orangensaft über die Stirn laufen, auch die vielen cognacten Touristen erfreuten sein Herz. Er vergass sich sogar einzuschmieren und seine Haut war vor lauter Sonnenbrandy kirschrot, so dass seine Freundin nur noch Röteli zu ihm sagte. Er erwiderte nur, dass er, wenn er den von ihr eingepackten weissen Sonnenhut anziehen würde, wie ein Schümli-Pflümli aussehen würde.

Zufälligerweise traf er im Hotel auf ein Paar aus Luzern. Ganz gesprächig waren diese jedoch nicht, da sie auf einer Künstlerreise waren. Während er die ganze Zeit den Säntis malte, sang seine Gemahlin eine Arie von Verdi’s Sambuco. Sie traf aber nicht jeden Tonic und seit jenem Zeitpunkt war Gingg nicht mehr so scharf auf die Willisauer. Er bestellte einen Kübel Eiswürfel und ging mit seinem Seitenwagen-Frölein aufs Zimmer und trank einen Heeweh-Alpenbitter. Daraufhin schweifte ich gedanklich ab zu Beaujolais und schwur, nie mehr wieder auszuscheren.

Emanuel Steiner