Meister, NHL-Star, Erfolgstrainer

Forster, Hiller, Moggi, Kull: Klingende Namen im Spitzeneishockey. Sie stehen für aktuell erfolgreiche Spieler und Trainer. Gemeinsam ist ihre Vergangenheit beim SC Herisau – und der steht am Karrierebeginn weiterer Talente.

Mea Mc Ghee
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Beat Forsters Geste zeigt: Der Herisauer Verteidiger im Dienste des HC Davos feiert seinen sechsten Meistertitel. (Bild: Keystone/Patrick B. Kraemer)

Beat Forsters Geste zeigt: Der Herisauer Verteidiger im Dienste des HC Davos feiert seinen sechsten Meistertitel. (Bild: Keystone/Patrick B. Kraemer)

EISHOCKEY. Der SC Herisau zählt zu den besten Talentschmieden im Schweizer Eishockey – gemessen an aktuellen Top-Spielern, die beim SCH-Nachwuchs ihre Karriere begannen.

Zum sechstenmal durfte Beat Forster am vergangenen Samstag den Pokal für den Schweizer Meister im Eishockey in die Höhe stemmen. Der Verteidiger aus Herisau gewann den Titel zum fünftenmal mit dem HCD, einmal gelang ihm dies mit den ZSC Lions. Bereits seinen sechsten Meistertitel im Dienste des HC Davos feiert Marcel Kull, der seit 15 Jahren als Goalietrainer bei den Bündnern arbeitet. Er sagt: «Beat Forster ist ein Leader. Er hat in den Playoffs eine gute Rolle gespielt und war in der Finalserie gegen seinen ehemaligen Verein wohl besonders beflügelt.» Als Goalietrainer ist Kull massgeblich am jüngsten Erfolg der Bündner beteiligt und freut sich über die starke Leistung seines Schützlings Leonardo Genoni. In den TV-Übertragungen war jeweils zu sehen, wie Kull den Torhüter vor jedem Drittel einschwörte, Kopf an Kopf. «Ein eingespieltes Ritual, mit dem Ziel, auf die wichtigsten Punkte zu fokussieren und Energie auszutauschen.» Angesprochen werden jeweils Szenen aus dem Videostudium, und es gehe darum, das Technische und das Mentale zusammenzubringen.

Von der Feier nach Kanada

Heute feiern die Mannschaft und der Staff sowie die Fans des HC Davos den Gewinn der Meisterschaft. Am Montag reist Marcel Kull dann Richtung Nordamerika, wo er die Auftritte von Jonas Hiller vor Ort erleben will. Hiller, Urnäscher in Diensten des NHL-Teams Calgary Flames, spielte in der Nacht auf heute die zweite Partie in der Playoff-Serie gegen die Vancouver Canucks. Beim Auftaktsieg wurde er als bester Spieler ausgezeichnet. Marcel Kull hat Hiller viele Jahre trainiert und verfolgt die Auftritte des Top-Goalies sowohl als Freund als auch als kritischer Beobachter. «Ein guter Goalie ist in den Playoffs zentral. Wer keinen guten Torhüter hat, verliert», ist Kull überzeugt.

Weitere Spieler mit Herisauer Vergangenheit blicken auf eine erfolgreiche Saison. Die Zwillinge Sandro und Claudio Moggi sowie Thomas Nüssli haben mit dem SC Langnau den Aufstieg in die NLA geschafft. Emanuel Peter wechselt auf die kommende Saison hin vom EHC Biel zum EV Zug. Und im Kader des NLB-Neulings Winterthur stehen mit Philipp Aerni und Luca Homberger zwei Herisauer.

Verschiedene Wege zum Profi

Unterschiedliche Wege, mit dem Ziel Eishockeyprofi zu werden, beschritten Jens Nater (bald 20 Jahre alt) und der ein Jahr jüngere Timo Meier. Die beiden sind in Herisau als Nachbarn aufgewachsen und spielten bis zu den Novizen Top bei Herisau. Während Verteidiger Nater, Sohn von SCH-Urgestein Roger Nater, als Oberstufenschüler nach Davos zog, brach Meier via Pikes und Rapperswil-Jona zum Abenteuer Nordamerika auf. Jens Nater hat für die kommende Saison beim HC Davos seinen ersten Profivertrag erhalten. «Er ist stark und hat einen guten Schuss, kann aber noch an vielen Attributen arbeiten», sagt Marcel Kull.

Timo Meier, der rechte Flügelstürmer, spielt seine zweite Saison bei den Halifax Mooseheads («Elchköpfe») in der kanadischen Juniorenliga. Er steht fast täglich in Kontakt mit seiner Familie – auch während der Playoffs, die zurzeit im Gang sind. In der Serie gegen die Moncton Wildcats wurde in der Nacht auf heute die fünfte Partie gespielt. «Timo hat diese Saison schon weit über 80 Partien absolviert», sagt sein Vater Charly Meier. Unter anderem hat der 18-Jährige im «Top Prospects Game» der besten 40 Junioren in Nordamerika ein Tor und zwei Assists erzielt. In den Playoffs war er bis gestern der viertbeste Skorer.

Draft im Juli

Wenig überraschend steht das Talent unter Beobachtung von Scouts. Timo Meier wird im NHL Entry Draft 2015 unter den Top Ten geführt. Dieser findet am 26. und 27. Juni in Florida statt. Meiers Familie wird zu diesem Event in die Staaten reisen. Sein Sohn sei von verschiedenen Clubs kontaktiert worden und er habe einige Teammanager kennengelernt, sagt Charly Meier. «Timos Ziel ist es, zwischen der Nummer 10 und 20 geführt zu werden, damit er von einem guten Club gedraftet werden kann.»

Die Chancen stehen gut, dass nach Jonas Hiller ein zweiter Spieler mit Herisauer Wurzeln im NHL-Draft gezogen wird. Dies dürfte Ansporn sein für die rund 150 Jungen, die Herisaus Nachwuchs angehören.