Meister fallen nicht vom Himmel

Als Kind habe ich mich immer auf den Jahrmarkt gefreut. Obwohl ich eher ein Hasenfuss bin, der einen weiten Bogen um diese gemeingefährlichen Bahnen macht. Nur schon wenn ich hochblicke und die Leute durch die Luft wirbeln sehe, gefriert mir das Blut in den Adern.

Drucken
Teilen

Als Kind habe ich mich immer auf den Jahrmarkt gefreut. Obwohl ich eher ein Hasenfuss bin, der einen weiten Bogen um diese gemeingefährlichen Bahnen macht. Nur schon wenn ich hochblicke und die Leute durch die Luft wirbeln sehe, gefriert mir das Blut in den Adern. Ich bete innerlich jedesmal, dass niemand herausfallen möge. Gegen aussen simuliere ich natürlich den coolen Haudegen, für den diese Bahnen Langeweile pur bedeuten. Man ist sich schliesslich Härteres gewöhnt.

Die Wahrheit aber ist: Die krasseste Bahn, die ich je bestiegen habe, ist die Bergundtalbahn. Selbstverständlich habe ich mich vor dem Start des rassigen Raufundrunters hundertmal versichert, dass der Sicherheitsbügel korrekt verschlossen ist und mit dem Sackmesser eigenhändig die Schrauben nachgezogen. Zusätzlich krallte ich mich erst in die Polster und dann in die Oberschenkel meiner Begleiterin. Es war mein letzter Ausflug ins Fach des Actionhelden. Seither gehöre ich zum Bodenpersonal.

Während ich nun abseits Marroni schäle, gelobe ich manchmal Besserung. Warum nicht mutig vorwärtsschreiten und mit den Teenagern an der Kasse anstehen? Schliesslich sind die gemeingefährlichen Bahnen gar nicht so wild. Oder ist in jüngster Vergangenheit jemand aufs Ebnet geplumpst? Allerhöchstens regnete es Münzen und Schuhe und Handys und Schlüssel und Mageninhalt vom Himmel. Alles halb so schlimm also. Und überhaupt – heisst es nicht: «Es ist noch nie ein Meister vom Himmel gefallen?»

Patrik Kobler

Aktuelle Nachrichten