Meister der Flexibilität

Brosmete

Felix Merz
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Mein Vorgänger geht Ende Monat in Pension. Der Reifere macht Platz für den Jüngeren – in der Arbeitswelt ein ganz normaler Vorgang. Der Jüngere freut sich normalerweise, wenn er endlich das Zepter übernehmen kann. Bei mir ist es anders. Wir bilden ein kongeniales Team und «rocken» den Alltag gemeinsam. Vor allem ein Verdienst seiner unglaublichen Flexibilität. Es beeindruckt mich, zu sehen, wie man auch im reifen Alter einen grossen Horizont haben und flexibel sein kann. Immer wieder höre ich den Satz: «Die Welt wird im Alter kleiner.» Meine Erfahrung ist noch schlimmer: Die Welt wird bereits ab 40 schleichend kleiner. Die Welt meines Vorgängers bleibt irgendwie immer gleich gross. Ändert sich nach Jahrzehnten etwas, schaut er es sich an, lässt sofort los und arbeitet mit dem Neuen weiter. Wie macht er das bloss? «Loslassen, neugierig bleiben und in der Freizeit rich­tig erholen», sind seine bisherigen Erklärungen. Das reicht mir nicht. Ein Synonym für Flexibilität ist die Anpassungsfähigkeit. Ist sie angeboren, oder kann man sie erlernen? Ich bin überzeugt: Je grösser der Horizont und je offener das Weltbild, desto positiver die Einstellung gegenüber dem Leben. Ausnahmen bestätigen immer die Regel. Also beobachte und forsche ich weiter, damit ich in 20 Jahren keine Ausnahme bin.

Felix Merz