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Meine Abmachung mit der Kenianerin

Benis Olympia-Tagebuch
Beni Giger
Beni Giger mit der kenianischen Skirennfahrerin Sabrina Simader und ihrem Trainer. (Bild: PD)

Beni Giger mit der kenianischen Skirennfahrerin Sabrina Simader und ihrem Trainer. (Bild: PD)

Ich bin froh, dass die Trainings fertig sind und es mit den Rennen losgeht. Mein Team und ich probieren aus, was wir noch besser machen können. Bei der Kontrolle der Grafiken haben wir gemerkt, dass bei der Kurslänge etwas nicht stimmt. Kurz vor dem Start mussten wir das anpassen und es hat knapp pünktlich gereicht. Bei der Kamerafahrt von Bruno Kernen gab es ein Problem mit der Technik. 30 Sekunden, bevor sie gesendet werden sollte, entschieden wir, dass wir die Fahrt vom zweiten Training nehmen. Aber stimmte das Wetter? Wir meinen: ja. Und weil auf der Tribüne etwa gleich viele Zuschauer sind, können wir diesen Trick anwenden.

Direkt nach dem Trainingslauf fahre ich noch einmal zur Abfahrtsstrecke. Karin Nussbaumer, Projektleiterin unserer Auftragsproduktion, begleitet mich. Sie hat zum ersten Mal nach zehn Tagen Zeit, auf den Berg zu fahren. In der Gondel treffen wir auf eine Athletin aus Kenia. Ich versuche, sie auf Englisch anzusprechen, doch Karin meinte, dass ich es mit Deutsch versuchen kann. Und siehe – oder besser höre – da, sie antwortet in breitem Österreicher Dialekt. Sabrina Simader ist in Kenia geboren und aufgewachsen, aber früh nach Österreich gekommen. Sie erzählt mir mit funkelnden Augen, dass sie bei der Eröffnungsfeier die Fahne ihres Landes getragen hat. Ihr Trainer erzählte, wie schwierig das Training für sie sei. Ihre Unterkunft liegt weit abseits und es gebe weder Frühstück noch Abendessen. Aber beide sind top motiviert für den Riesenslalom und den Super-G. Mir sind ihre Fingernägel aufgefallen, die mit dem Wappen von Kenia und den Olympischen Ringen dekoriert sind. Wir haben abgemacht, dass sie nach ihrer Zieleinfahrt die Handschuhe auszieht und ihre Finger in die Kamera streckt. Ich hoffe, unser Kameramann Philipp kann dies den Zuschauern zu Hause zeigen. Genau solche Begegnungen und Erlebnisse machen für mich die Faszination Olympia aus.

Skikanten schleifen statt Rennen übertragen

Der Sonntag war der wichtigste Tag für uns, denn die Abfahrt der Herren stand an. Diese wurde bereits sehr früh wegen des Windes abgesagt. Für uns war dies nicht allzu schlimm. Ich persönlich starte lieber mit einem einfacheren Rennen. Bruno Kernen, Weltmeister und «Olympia Medalist» zeigte unserem Team, wie er seine Ski präpariert. Wir lernten: Scharfe Kanten sind das A und O auf diesen eisigen Pisten.

Die FIS hat den Riesenslalom ausgeflaggt. Ich hoffe, die Tore trotzen dem starken Wind und stehen morgen auch noch. Auf diesem Hang ist es extrem wichtig, immer einen Blick nach oben zu werfen, denn oft rutscht einer unfreiwillig auf dem Hosenboden herunter. Heute erwischte es einen koreanischen Pistenarbeiter. Er ist über 100 Meter abgerutscht, direkt in die Fangnetze. Zum Glück konnte er selber wieder aufstehen. Leider hat sich einer von unserem Team das Knie verdreht. Wir werden morgen sehen, wie es weiter geht. Mehr Ausfälle darf es nicht mehr geben, denn wir brauchen jeden.

Ich mache mir Sorgen wegen dem extremen Wind am Berg, denn das könnte ein Problem geben. Es gibt nur einen Reservetag, und weil die Speed- und die Technik-Rennen an zwei verschiedenen Hängen durchgeführt werden, wäre es möglich, beides an einem Tag zu fahren. Das wäre für uns, die wir alles Rennen produzieren, aber ein grosser Kraftakt. Wie wir diesen leisten würden, weiss ich jetzt noch nicht. Ich hoffe, dass mich mir diese Denksport-Aufgabe sparen kann.

Beni Giger

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