«Mein zweiter erster Schultag»

REUTE. Valentina Flütsch hat gestern an der Schule Reute noch einmal einen ersten Schultag erlebt – als Lehrerin. Die 27jährige Bündnerin wollte einst Skirennfahrerin werden. Nun ist sie der Landschaft wegen im Appenzeller Vorderland gelandet.

Johannes Wey
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Die erste Englisch-Lektion – sowohl für die Lehrerin als auch für einige Schülerinnen und Schüler. (Bild: jw)

Die erste Englisch-Lektion – sowohl für die Lehrerin als auch für einige Schülerinnen und Schüler. (Bild: jw)

Mit dem gestrigen Start des Schuljahres hat für zahlreiche Erstklässlerinnen und Erstklässler ein neuer Lebensabschnitt begonnen. Nicht nur sie werden dabei eine gehörige Nervosität verspürt haben, denn auch viele Lehrpersonen haben gestern ihre ersten Lektionen erteilt. Zu ihnen gehört auch Valentina Flütsch, die in der Mittelstufe der altersdurchmischten Schule Reute unterrichtet. Die 27jährige Bündnerin brachte ihre Gemütslage gegenüber ihrer Klasse auf den Punkt: «Heute ist mein zweiter erster Schultag.»

Von der Piste ins Klassenzimmer

Den Weg nach Reute hat Flütsch über Umwege gefunden: Ursprünglich wollte sie Skirennfahrerin werden und besuchte dazu die Sporthandelsschule in Davos. Als es mit der Sport-Karriere nicht klappen wollte, arbeitete sie erst zwei Jahre im kaufmännischen Bereich und trat danach die Ausbildung zur Lehrerin an der Pädagogischen Hochschule Graubünden an. Der schönen Gegend wegen hat es Valentina Flütsch von St. Antönien nun ins Appenzeller Vorderland verschlagen. «Viele meiner Bündner Bekannten haben mich ob dieser Entscheidung schräg angeguckt», sagt sie mit einem Lächeln.

In Reute unterrichtet die junge Lehrerin nun zusammen mit David Mühlbacher, der dort bereits seit zwölf Jahren arbeitet, die 29köpfige Mittelstufenklasse. Unterstützt werden sie dabei von der Praktikantin Stéphanie Frei.

Nachdem sich die neue Lehrerin den Schulkindern vorgestellt hat und nach einem spielerischen Kennenlernen beginnt für sie die «Schonfrist». Kollege David Mühlbacher übernimmt das Zepter und rüstet die Schülerinnen und Schüler mit Heften und Stiften aus, während Flütsch den jüngeren Kindern ihr Schulzimmer zeigt.

Alltag beginnt mit «Ufzgi»

Mit den Englisch-Lektionen nach der Pause steht die «Feuertaufe» für die frischgebackene Lehrerin an. Da am ersten Schultag allerdings alles etwas anders läuft, unterrichtet sie die Lerngruppen A und B (3.- und 4.-Klässler) sowie C und D (5.- und 6.-Klässler) jeweils lediglich eine halbe Stunde. «Now we make a little game», sagt Flütsch, um gleich auf Deutsch nachzuschieben, dass ein Spiel ansteht. Für die Jüngeren unter den Kindern ist es ebenfalls die erste Englisch-Lektion. Ihnen ist anzumerken, dass sich die fremden Worte im Mund noch ungewohnt anfühlen. Um sie besser zu verinnerlichen, versieht die Lehrerin die Einrichtungsgegenstände im Schulzimmer mit Kärtchen, auf denen die entsprechenden englischen Begriffe stehen. Dann teilt Valentina Flütsch den Kindern ihre Englisch-Bücher aus, womit nach einem spielerischen Einstieg der Schulalltag definitiv beginnt: Denn auch die ersten Hausaufgaben werden vergeben.