Mein Wunschzettel

Brosmete

Martin Hüsler
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In meinen Kinderjahren habe ich an einem Abend vor Weihnachten jeweils einen Wunschzettel vors Stubenfenster gelegt. Ich vertraute darauf, dass ihn das Christkind nachts behändigen und alles veranlassen würde, damit ich meine Wünsche im trauten Kerzenschein des Lichterbaums erfüllt sehen konnte – ­sofern sie das schmale Fami­lienbudget nicht sprengten. Aber irgendwann hat sich dann halt der Glaube daran verflüchtigt, in tiefer Nacht würden auf wundersame Weise vor Stubenfenstern deponierte Zettel abgeholt.

So wähle ich denn nun den Weg über die Brosmete, um meine Wünsche anzubringen. Vielleicht ist man ja in himmlischen Gefilden auf die Appenzeller Zeitung abonniert. Wohlan denn, liebes Christkind. Viel ist es nicht, was ich mir von Dir erbete. Mir genügt beispielsweise ein Quentchen dessen, was mein leibliches Gewicht und mein seelisches Gleichgewicht in der Balance hält – wobei ich in Sachen Leiblichkeit und Gewicht an eine Dosis mehr Wille denke. Ferner wäre ich Dir dankbar, wenn Du mich weiter mit einem geziemenden Mass an gesunder Neugier am Lauf der Welt ausstatten würdest. Und wenn Du mir gelegentlich einen Lottosechser zuschanzen könntest, hätte ich nichts dagegen.

Aber das sind alles Nebensächlichkeiten. Im Grunde genommen möchte ich es bei einem Wunsch bewenden lassen. Er geht dahin, jenen Menschen Weisheit, Grossmut und Weitblick zu schenken, die über das Wohl und Wehe unseres Planeten entscheiden. Ich weiss natürlich um die Schwierigkeiten, die Du hiezu überwinden musst. Doch so wie ich seinerzeit als Kind fest an Deine Fähigkeiten geglaubt habe, so vertraue ich jetzt darauf, Du könnest Deinen günstigen Einfluss überall dort geltend machen, wo es so dringend nottut.

Martin Hüsler