Für die Sanierung der Mehrzweckanlage: Gemeinde Schwellbrunn greift tiefer in die Tasche, um Volkswillen zu erfüllen

Trotz nochmals gestiegener Kosten will Schwellbrunn die Sanierung des angejahrten Gebäudes realisieren.

Karin Erni
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Die Mehrzweckanlage Schwellbrunn kann nun wie geplant saniert und erweitert werden.

Die Mehrzweckanlage Schwellbrunn kann nun wie geplant saniert und erweitert werden.

Bild: PD

Die Sanierungskosten für die Mehrzweckanlage (MZA) Sommertal in Schwellbrunn liegen höher als erwartet. Gegenüber dem vom Souverän genehmigten Verpflichtungskredit von 6,2 Millionen Franken liegen die Bruttokosten um 1,1 Millionen Franken höher. Dies wurde an der Orientierungsversammlung am Freitag bekannt.

Ein Rückblick: Die Schwellbrunner Stimmbürger hatten sich im Oktober 2019 mit einem 80 Prozent Ja-Anteil für das Projekt ausgesprochen, das eine Sanierung und Erweiterung der bald 40-jährigen Anlage vorsah. An der damaligen Orientierungsversammlung wurde kommuniziert, dass es bei diesen Kosten bleiben werde. Allfällige Mehrkosten sollten durch Einsparungen bei der Materialisierung aufgefangen werden. Schon damals war aber darauf hingewiesen worden, dass die Kostengenauigkeit bei plus/minus 15 Prozent liege.

Viel Unvorhergesehenes verteuert den Bau

Bei den darauffolgenden Detailplanungen seien immer neue Erkenntnisse zu Tage getreten, mit denen zuvor niemand gerechnet habe, sagte der zuständige Gemeinderat Markus Schmidli an der Versammlung. «Es muss zwingend eine Dachertüchtigung durchgeführt werden, da das Tragwerk der Halle nicht mehr heutigen Normen entspricht. Weiter muss unter anderem eine Retentionsanlage für das Meteorwasser gebaut sowie die Holzschnitzel- und die Ölheizung ersetzt werden.» Diese Kosten würden aber sowieso anfallen, auch wenn die Anlage nicht saniert würde, gab Schmidli zu bedenken.

Markus Schmidli, Gemeinderat von Schwellbrunn und Präsident der Baukommission.

Markus Schmidli, Gemeinderat von Schwellbrunn und Präsident der Baukommission.

PD

Die Baukommission habe daraufhin mehrere Varianten, inklusive eines Abbruchs geprüft. Als realistisch hätten sich aber nur die Versionen «Minor» und «Optima» erwiesen. Bei ersterer wäre der Vereinssaal suboptimal in die Baute integriert worden und die sanitären Anlagen hätten redimensioniert werden müssen. Damit hätten zwar Kosten in der Höhe von 256'000 Franken eingespart werden können, aber im Gegenzug hätte die Anlage nicht mehr allen Ansprüchen genügt, so Schmidli.

«Das wäre ein Schildbürgerstreich geworden.»

Das am Freitag präsentierte Projekt entspricht im Wesentlichen den Ursprungsplänen mit drei Anbauten, die unter anderem eine Trennung von ziviler und militärischer Nutzung gewährleistet. Aktuell liegen Spendenzusagen von mehr als 300'000 Franken vor. Mit dieser Summe und weiteren Sponsoringgeldern rechne der Gemeinderat mit Nettokosten von 6,7 Millionen Franken und damit einer Kreditüberschreitung von 518'000 Franken, so Gemeindepräsident Ueli Frischknecht. «Dieser Entscheid liegt in der Kompetenz des Gemeinderates. An der Sitzung vom 16. September haben wir daher entschieden, diesen Betrag als gebundene Kosten in die Rechnung aufzunehmen.»

Schulden sollen im Rahmen bleiben

Die Abweichung der Baukosten vom Edikt betrage noch 8,35 Prozent und könne verantwortet werden, so Frischknecht weiter. Zu den Auswirkungen der Investition rechnete er vor, dass der Nettoverschuldungsquotient bis 2023 auf 182 Prozent steigen und danach wieder absinken wird. Er soll die kritische Marke von 200 Prozent nicht überschreiten. Frischknecht konnte auch darlegen, dass die Investitionssumme in den kommenden Jahren die anderen Vorhaben der Gemeinde nicht beeinträchtigt. Zudem habe man mit der Steuererhöhung um 0,2 Einheiten im Jahr 2015 zur Finanzierung der MZA bereits Geld in einen zweckgebundenen Fonds einbezahlt, der voraussichtlich per Ende 2023 1,5 Millionen Franken enthält. Diese Reserve soll über 30 Jahre aufgelöst und die Rechnung damit pro Jahr um 50'000 Franken entlastet werden.

Gemeinde hofft auf Neuzuzüger

Ueli Frischknecht zeigte sich optimistisch bezüglich der Finanzlage der Gemeinde, auch wenn mit der Renovation und Erweiterung der Anlage die Verschuldung ansteigen wird. Er rechnet damit, dass nach der abgeschlossenen Ortsplanungsrevision wieder gebaut werden kann, und neue Einwohner nach Schwellbrunn ziehen werden.

Die Baueingabe für die Sanierung der Mehrzweckanlage soll im Oktober erfolgen. Der Baubeginn wird auf das Frühjahr 2022 verschoben.

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