Mehr Züge, längere Wartezeiten

APPENZELLERLAND. Der neue Fahrplan gilt ab 15. Dezember, doch er löst jetzt schon Diskussionen aus. Die einen bemängeln eklatante Verschlechterungen der Zugverbindungen und längere Wartezeiten, andere loben deutliche Verbesserungen im Anschlusstakt.

Julia Nehmiz
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Ab Dezember soll die S-Bahn öfter von Herisau nach St. Gallen fahren. Lücken im Fahrplan bleiben trotzdem. (Bild: miz)

Ab Dezember soll die S-Bahn öfter von Herisau nach St. Gallen fahren. Lücken im Fahrplan bleiben trotzdem. (Bild: miz)

«Die Zukunft des öV beginnt am 15. Dezember 2013», so wirbt die Südostbahn für den kommenden Fahrplanwechsel. Benedikt Würth freut sich darauf: «Mit der neuen S-Bahn St. Gallen sind wir besser miteinander verbunden», schreibt der St. Galler Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartements in seinem Grusswort.

Doch die Freude herrscht nicht überall. Die Herisauer Kantonsrätin Johanna Federer (SP) hat den neuen S-Bahn-Fahrplan intensiv studiert. «Auf das Appenzeller Hinterland kommen einige Verschlechterungen zu.» Die augenfälligste: Im Hauptverkehr am Morgen fällt ein Zug von Herisau nach St. Gallen weg. «Zwischen 7.54 und 8.24 Uhr fährt kein Zug nach St. Gallen.»

Auch sonst könne von dem angekündigten Viertelstundentakt keine Rede sein: «Obwohl ab Dezember jede Stunde vier statt bisher drei Züge fahren, gibt es stündlich eine Lücke von 30 Minuten», sagt Federer. Zur Hauptverkehrszeit würden zwar neu fünf statt vier Züge verkehren, trotzdem müsse teilweise 19 Minuten auf den nächsten Zug von Herisau nach St. Gallen gewartet werden.

«Später Besenwagen»

Neu fahre ein «später Besenwagen» von St. Gallen nach Herisau bis nachts um halb zwei mit Halt auf allen Stationen. «Eine schöne Verbesserung», findet Johanna Federer. Doch Pech haben Fahrgäste, die in Schachen bei Herisau wohnen: «Für die geht die letzte Verbindung von St. Gallen um 23.27 Uhr nach Hause.» Der letzte Voralpen-Express hält ab Dezember nicht mehr in Schachen, da er neu als «schnelles und attraktives Produkt» positioniert werden soll.

«Erfahrene Bähnler sagen, dass ein Halt auf Verlangen zu so später Stunde ohne Fahrzeitverlängerung möglich wäre», sagt Federer, die per Zufall Fahrplankritikerin wurde. Die Gemeindepräsidenten von Urnäsch, Waldstatt und Herisau hatten sich mit einem Brief an die Kantonsrätinnen und -räte der drei Gemeinden gewandt und um Unterstützung gebeten. Daraufhin beschäftigte sich Federer eingehend mit dem neuen Fahrplan. «Ich selber bin für meinen Bedarf zwar zufrieden mit dem Angebot», sagt sie. «Aber es müssen doch Anreize geschaffen werden, die zum Umsteigen auf Bus und Bahn motivieren.» Der neue Fahrplan tue dies genau nicht.

Die Priorität der Verantwortlichen liege auf der Verbindung Herisau–St. Gallen, da auf dieser Strecke mehr Fahrgäste unterwegs seien als auf der Strecke Herisau–Gossau. Die Situation für Pendler Richtung Zürich verschlechtere sich mit dem neuen Fahrplan.

Länger warten in Gossau

Das bedauert auch Robert Bisig vom Innerrhoder Volkswirtschaftsdepartement. «Unser Problem sind die unattraktiven Wartezeiten in Gossau», sagt der Leiter des Amts für öffentlichen Verkehr. Für Appenzell sei Gossau das Tor zur übrigen Schweiz. Mussten bisher dort vier bis elf Minuten auf Anschlusszüge gewartet werden, verlängert sich die Wartezeit ab Dezember auf neun bis 20 Minuten.

«Wir haben mit den Appenzeller Bahnen alle Möglichkeiten ausgelotet», sagt Bisig. Doch trotz allem guten Willen seitens der Appenzeller Bahnen sei dieser Konflikt nicht lösbar gewesen. Die Ankunfts- und Abfahrtszeiten der Fernzüge in Gossau seien nicht richtig getaktet. «Wenn wir uns auf die einlassen, missachten wir diverse andere Anschlüsse.» Doch man sei im Gespräch mit den SBB, um ab 2015 schlanke Anschlusszeiten in Gossau anzustreben.

Bisig betont, dass der jetzige Fahrplanwechsel auch Verbesserungen mit sich bringe. «Ein echter Fortschritt ist der Halbstundentakt, in dem die Züge nun zwischen Appenzell und Gossau verkehren.»

Viele Vorteile ab Dezember

Viele Vorteile sieht auch Lukas Gunzenreiner im Fahrplanwechsel. Der Departementssekretär des Ausserrhoder Volks- und Landwirtschaftsdepartements hatte gestern zwischen zwei Sitzungen nur Zeit für eine kurze Stellungnahme. «Bei so einem riesigen Fahrplanwechsel sind Verschlechterungen nicht zu vermeiden, so leid einem das tut», sagt er. Die Anschlusszeiten in Gossau bedauert auch er. Aber insgesamt sehe der neue Fahrplan etliche Verbesserungen vor. Gunzenreiner zählt einige auf: Der verbesserte Takt mit mehr Zügen zwischen Herisau und St. Gallen, der schnellere Voralpen-Express über Herisau in die Innerschweiz, der Halbstundentakt auf der Strecke Gossau–Appenzell, ein besseres Angebot zwischen Urnäsch und der Schwägalp, der Zusatzkurs zwischen Schwellbrunn und Herisau, die Verbesserungen in der Nacht auf der Strecke St. Gallen–Eggersriet–Heiden.

Gunzenreiner ist in Zeitnot, die vielen Verbesserungen kann er auf die Schnelle nicht alle darlegen. Aber: «Es ist wichtig, dass der neue Fahrplan für die grosse Mehrheit stimmt.»