«Mehr warme Betten anbieten»

Toggenburg Tourismus möchte Ferienwohnungsbesitzer dazu gewinnen, ihre Objekte zu vermieten, um damit die Attraktivität der Destination zu steigern. Am vergangenen Freitag lud man zur Informationsveranstaltung in Wildhaus.

Martina Gradmann
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Toggenburg Tourismus möchte wenig genutzte Ferienwohnungen in seine Vertriebskanäle aufnehmen. (Bild: Martina Gradmann)

Toggenburg Tourismus möchte wenig genutzte Ferienwohnungen in seine Vertriebskanäle aufnehmen. (Bild: Martina Gradmann)

WILDHAUS. «Wer sich nicht bewegt, verliert» hat der neue Direktor des Hotels Baur au Lac in Zürich kürzlich gesagt. Und diese eiserne Regel der Hotelbranche gilt auch für Tourismus-Destinationen wie das Toggenburg. Lange hat sich nichts bewegt und die Logiernächte waren massiv rückläufig. Doch jetzt hat man ein gemeinsames Ziel in Form eines Masterplans, wie man der Misere entgegenwirken will. Und hier soll vor allem auch im Bereich Beherbergung etwas getan werden. «Es gibt 1300 Ferienwohnungen im Toggenburg und wir können nur gerade 120 davon aktiv vermieten», erläuterte Toggenburg-Tourismus-Direktor Roger Meier am vergangenen Freitag vor rund 160 Personen im Mehrzweckgebäude Chuchitobel. Die Tourismus-Organisation hatte Ferienwohnungs- und Zweitwohnungsbesitzer zum Informationsanlass geladen mit dem Ziel, mehr Ferienwohnungen aktiv vermieten zu können. «Schlecht genutzte Ferienwohnungen lassen eine Destination leblos wirken, die Attraktivität leidet», erläuterte Roger Meier. Durchschnittlich seien die Ferienwohnungen 50 bis 70 Nächte im Jahr von den Besitzern genutzt, in der übrigen Zeit würden die meisten Objekte nicht vermietet.

Potenzial Ferienwohnungen

Für das Toggenburg, das laut Berechnungen der Universität St. Gallen 600 000 Logiernächte als kritische Grösse benötigt, aber heute nur 450 000 erreicht, sind die Ferienwohnungen ein grosses Potenzial. «Die Nachfrage nach Ferienwohnungen ist steigend», weiss Roger Meier. Innerhalb der Parahotellerie seien die Ferienwohnungen das wichtigste Standbein. «Vermieten heisst investieren können, was einer Wertverminderung ihres Objektes entgegenwirkt». Habe die Wohnung oder das Haus einen gewissen Standard, könne Toggenburg Tourismus dieses in ihre Vertriebs- und Verkaufskanäle einbinden und der Vermietungsaufwand für den Eigentümer sei relativ klein. Mit Schlüsselhalterung, Reinigung oder Wäscheservice will die Tourismusorganisation potenzielle Vermieter unterstützen. Auch eine professionelle Verwaltung, wie es beispielsweise Corinne Marty, die Präsidentin von Arosa Apartments, betreibt, sei möglich. Über 30 Ferienwohnungen verwaltet Corinne Marty in Arosa und geniert damit 10 000 Logiernächte im Jahr.

Privat oder via Plattform?

Um den Vermietungsaufwand gering zu halten, sei auch eine professionelle Vermietungsplattform wie e-Domizil eine attraktive Möglichkeit, erklärte Marc Bertschinger, Geschäftsführer von e-Domizil. Der führende Vermittler von Ferienwohnungen in der Schweiz vermittelt mehr als 230 000 Wohnungen in 70 Ländern und wird in der Schweiz von Schweiz Tourismus, Hotellerie Suisse, den SBB und anderen unterstützt.

Bei der anschliessenden Fragerunde wurde deutlich, dass bei Einzelnen die eigenen Ferienwohnungen weit häufiger genutzt und häufiger vermietet werden, als von Toggenburg Tourismus ausgewiesen. «Das Toggenburg ist für viele Schweizer noch immer eine Black Box. Was tun Sie um die Destination attraktiver zu machen?», wollte eine Anwesende wissen. «Wir sind sicher nicht auf der gleichen Flughöhe wie Arosa», antwortete Roger Meier, doch es seien grosse Anstrengungen im Gange, die Destination wieder fit zu machen.

Das Toggenburg sei eine gefragte Destination, bestätigte auch Sibylle Vetsch vom Reka-Dorf in Wildhaus: «Wir haben eine Auslastung von 60 Prozent im Jahr und sind mit unseren 57 Wohnungen über die Hauptsaison am Limit.» Das Interesse bei den anwesenden Ferienwohnungsbesitzern war da und es sei gut, dass diese Initiative jetzt angestossen werde, sagten einige. Und Hilfe bei der Vermittlung könne man auf jeden Fall brauchen.

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