Mehr Sand oder Meier im Getriebe?

Als Peter ins Bett fiel, war er fix und fertig. Er hatte alles fein säuberlich aufgeschrieben. Die ganze Geschichte – auch das mit Ursula. Am Morgen kam er kaum aus den Federn. Bevor Peter das Haus verliess, legte er sein Geschreibsel unauffällig auf die Küchenablage.

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Als Peter ins Bett fiel, war er fix und fertig. Er hatte alles fein säuberlich aufgeschrieben. Die ganze Geschichte – auch das mit Ursula. Am Morgen kam er kaum aus den Federn. Bevor Peter das Haus verliess, legte er sein Geschreibsel unauffällig auf die Küchenablage.

Er wurde den ganzen Tag nicht ganz wach, und am Mittag nistete sich eine seltsame Nervosität in seiner Magengegend ein. Als Peter irgendwann um sieben zu Hause ankam, merkte er schnell, dass etwas anders war. «Hallo!?», rief er, doch es blieb still. «Anna!?», Peter Sandmeier entledigte sich unüblich rasch seines Mantels und stürmte in Richtung Küche. Anna war da – gottseidank. «Wo sind die Kinder? ...äh, hallo Schatz...» Anna schaute ihm in die Augen, stellte zwei Plättchen mit Schinkengipfeln und Rotwein auf den Tisch. «Die Kinder sind in Sicherheit, keine Sorge. Ich habe ihnen gesagt, dass wir bei Sandmeiers ein paar Probleme auf der obersten Führungsebene zu lösen haben und sie den Abend bei Forrers verbringen dürfen. Das hat allen zugesagt. Und wir zwei finden heraus, ob es bei uns mehr Sand oder mehr Meier im Betrieb hat.» Peter war sprachlos. «Anna… ich, meine Zeilen…?» – «Gelesen, Peter. Das mit Ursula ärgert mich natürlich. Frau denkt sich immer wieder, dass der Gewählte anders sei. Naja. Dann sind wir ja quitt.» – «Quitt? …quitt?, was...?» – «Naja, meine Affäre mit Höhener…» – «…Mit Höhener!!!???… Dem Höhener…?», Peter liess sich auf den Stuhl fallen, «Du… Du hast…» Anna goss Wein in die Gläser. «Keine Panik, Du hattest damals keine Zeit, Deine Weiterbildung zum Master of…, was weiss ich; Du warst ja kaum da und ich mit den drei Kindern. Es war etwas stressig.» «Stressig? Anna, Du hintergehst mich und…» Peter zitterte am ganzen Leib. «Also, lassen wir das…» – «Nein!», Peter schoss hoch, «das lassen wir nicht!» – «O.k., ich muss auf die Toilette, Du kannst dich mittlerweile beruhigen.» Peter war erschüttert. Anna, seine Anna, ein Schmerz durchzuckte ihn. Was war nur los, 22 Jahre, vergebens, vorbei, zerbrochen. «Also, hast Du Dich beruhigt?» Peter zuckte zusammen. «Damit es klar ist, Peter, die Geschichte mit Höhener ist von mir erfunden. Reine Rache. Ich will Dir damit zeigen, in welche Gefühlsregionen ein solches Verhalten führt.» Peter verstand gar nichts mehr. «Du, Du» – «Ja, ich, Anna Sandmeier, geborene Häberli, zugezogene Appenzellerin, Exportkauffrau mit dreifacher erfolgreich absolvierter Schwangerschaft. Und damit es klar ist, Peter, ich liebe Dich. Was ich jedoch gar nicht liebe, sind unappenzellerische Vorgehensweisen. Häuserkauf ohne Rücksprache mit der Frau! Wir sind hier nicht in Zürich, London oder Teufen mein Lieber. Wir sind hier im Sonder, Schattenganz, dafür mit Seesicht. Unsere Kollektivfirma verfügt über ein paar Leichen im Keller und diese werden geborgen. Ich bin wütend, enttäuscht und entschlossen. Und jetzt darfst Du mich kurz küssen, wenn Du dazu in der Lage bist. Prost.»

Heinz Mauch-Züger

Die Appenzeller Zeitung lässt Autoren aus dem Appenzellerland eine Fortsetzungsgeschichte zu Weihnachten schreiben. Die Autoren fügen jeweils ein Kapitel an und reichen den Text weiter.