Mehr Rohmaterial und tiefere Preise

Die TMF Extraktionswerk in Bazenheid erzielte letztes Jahr einen Umsatz von 9,4 Millionen Franken und einen Gewinn von 425 000 Franken. Letztes Jahr wurde mehr Rohmaterial angeliefert als 2013. Im vierten Quartal brach der Fettpreis ein.

Martin Knoepfel
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Harald Lüling (Bilder: Martin Knoepfel)

Harald Lüling (Bilder: Martin Knoepfel)

KIRCHBERG. Letztes Jahr bekam die TMF Extraktionswerk AG in Bazenheid ihr Fett weg, buchstäblich und im übertragenen Sinn. Buchstäblich, indem sie 5773 Tonnen Extraktionsfett produzierte und verkaufte. (Daneben produzierte sie 9308 Tonnen Tiermehl.) Übertragen, da die Fettpreise im vierten Quartal einbrachen und sich auch im ersten Quartal dieses Jahres nicht erholten. Das konnte man dem Jahresbericht 2014 und der Ansprache von Verwaltungsratspräsident Philipp Stähelin an der Generalversammlung gestern in Kirchberg entnehmen. TMF steht für den früheren Namen Tiermehlfabrik Ostschweiz. Als Gründe für den tieferen Fettpreis nannte Philipp Stähelin die tieferen Öl- und Kohlepreise, die den Preis für Biodiesel drücken. Als weitere Gründe sind im Geschäftsbericht die wirtschaftliche Unsicherheit und das Embargo der EU gegen Russland aufgeführt. Geschäftsführer Harald Lüling wies darauf hin, dass der Fettpreis 2013 zwischen 600 und 650 Franken pro Tonne betrug. Jetzt sind es rund 330 Franken. «Das spürt man.» Philipp Stähelin sagte, Preisschwankungen habe man schon erlebt.

Kosten für Anlieferung steigen

Auf die Einbusse bei den Erlösen reagierte die TMF, indem sie die Kosten für die Anlieferung um 15 Franken pro Tonne erhöhte. Harald Lüling wies darauf hin, dass die Anlieferung 2003 noch 180 Franken pro Tonne gekostet hatte. Dieses Jahr kommt die TMF von der Währungsseite unter Druck, denn sie exportiert 60 Prozent der Produkte in die EU.

Die TMF erwirtschaftete 2014 auf einen Umsatz von 9,4 Millionen Franken einen Gewinn von 0,4 Millionen Franken, der grösstenteils auf die neue Rechnung vorgetragen wird. Zudem schrieb sie eine Million Franken auf den Anlagen ab und zahlte den Kunden 1,1 Millionen Franken zurück. 100 000 Franken gingen an die Gemeinde Kirchberg. Investiert wurden 1,25 Millionen Franken, unter anderem in einen neuen Lastwagen, eine Kühlmaschine und in Autoklaven. Eine noch funktionstüchtige Kühlmaschine habe ersetzt werden müssen, weil das Kühlmittel nicht mehr erlaubt sei, sagte der Geschäftsführer.

«Grössere Sorge beseitigt»

Die TMF kann tierische Nebenprodukte der Risikoklasse K1 entgegennehmen. K1-Produkte werden zu Brennstoff verarbeitet, weil die Gefahr besteht, dass sie die Hirnkrankheit BSE auslösen, wenn sie als Futtermittel dienen. K3-Produkte sind Schlachtabfälle, die aus kommerziellen Gründen nicht zu Lebensmitteln, sondern zu Heimtierfutter verarbeitet werden.

2014 wurden 44 253 Tonnen Rohmaterial angeliefert, drei Prozent mehr als 2013. Die Zahl der direkt beim Halter abgeholten Tierkadaver sank um 6,7 Prozent auf 9188. Philipp Stähelin zeigte sich erfreut, dass damit der Rückgang beim Rohmaterial habe aufgehalten werden können. Damit sei eine grössere Sorge beseitigt. 2015 erwartet die Firma Anlieferungen im gleichen oder leicht höheren Umfang. Die Lastwagen der TMF legten 2014 rund 750 000 Kilometer zurück.

38 Prozent der Kosten entfielen auf das Personal, sagte Harald Lülin. Gut 40 Prozent machten die eigentlichen Betriebskosten aus. Der Rest der Kosten entfalle vor allem auf die Abschreibungen und auf die Administration, sagte Harald Lüling. Letztes Jahr machten die Einnahmen aus dem Produkteverkauf 81 Franken pro Tonne oder 61 Prozent der Kosten aus. Der Rest wurde mit Gebühren gedeckt.

Zwei neue Verwaltungsräte

Die Aktionäre, die 85 Prozent des Kapitals vertraten, genehmigten den Jahresbericht und die Rechnung 2014. Ferner erteilten sie der Geschäftsleitung und dem Verwaltungsrat Décharge. Zudem wählten sie Robert Jaquet (Chef Technik und Logistik Micarna) und Rainer Betken (CEO Centravo) in den Verwaltungsrat. Sie ersetzen Albert Baumann (Micarna) und Markus Oehrli (Finanzchef Centravo). Alle Abstimmungen und Wahlen erfolgten einstimmig.

Die TMF verarbeitet in Bazenheid tierische Nebenprodukte zu Extraktionsfett und Tiermehl. Extraktionsfett dient als Energieträger in der Industrie oder als Ausgangsmaterial für die Produktion von Biodiesel. Zementwerke verwenden Tiermehl als Ersatz für Braunkohle. Die TMF beschäftigt 36 Personen. Sie gehört je zur Hälfte der öffentlichen Hand und privaten Besitzern aus der Fleischbranche.

Der Umweltingenieur Martin Kilga hat eine Ökobilanz der TMF erstellt. Er attestierte der Firma geringe Umweltbelastungen während des Betriebs.

Philipp Stähelin

Philipp Stähelin

Ein Autoklav in der TMF in Bazenheid. Autoklaven dienen unter anderem zur Sterilisation. (Bild: pd)

Ein Autoklav in der TMF in Bazenheid. Autoklaven dienen unter anderem zur Sterilisation. (Bild: pd)

Die Linden auf dem Winzenberg ob Tufertschwil zeichnen sich wie Scherenschnitte in der Abenddämmerung ab. (Bild: Liska Meier)

Die Linden auf dem Winzenberg ob Tufertschwil zeichnen sich wie Scherenschnitte in der Abenddämmerung ab. (Bild: Liska Meier)

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