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«Mehr Beschäftigung als Geschäft»

Die «Schüür» in Brunnadern beschäftigt in ihrem Restaurant Menschen mit Beeinträchtigungen. Dabei wird viel Wert auf Selbständigkeit und Integration in den Arbeitsalltag gelegt. Morgen Freitag wird das 10-Jahr-Jubiläum gefeiert.
Urs M. Hemm
Die Ruhe vor dem Jubiläumsfest der «Schüür»: Ernst Grob (Vorstand), Conny Abderhalden (Geschäftsleiterin) und Präsident Ruedi Näf (von links). (Bild: Urs M. Hemm)

Die Ruhe vor dem Jubiläumsfest der «Schüür»: Ernst Grob (Vorstand), Conny Abderhalden (Geschäftsleiterin) und Präsident Ruedi Näf (von links). (Bild: Urs M. Hemm)

BRUNNADERN. Einen langen Atem, Initiative und vor allem viel Herzblut haben die «Schüür» in Brunnadern zu einer Institution gemacht, die heute nicht mehr aus dem Dorfleben wegzudenken ist. «Am Anfang wurden wir noch ein wenig belächelt, und es gab Berührungsängste, obwohl es auch in Brunnadern schon immer Menschen mit Beeinträchtigungen gegeben hat», sagt Conny Abderhalden, Initiantin und Geschäftsleiterin der «Schüür». Heute jedoch sei die Akzeptanz im Dorf sehr gross, und die Leute kämen gerne zum Essen oder auch nur auf einen Kaffee hierher, fügt sie an. Darum hoffen Conny Abderhalden, Vereinspräsident Ruedi Näf und Vorstandsmitglied Ernst Grob auf ein volles Haus, wenn sie morgen Freitag das zehnjährige Bestehen der «Schüür Brunnadern» feiern.

Aus dem Alltag herausholen

Die Idee, für Menschen mit Beeinträchtigung etwas auf die Beine zu stellen, sei ihr auf einer Carfahrt mit ebensolchen Menschen nach Wien gekommen. «Ich sah bei ihnen so viel Potenzial. Es gab aber damals keine Möglichkeit, diese Fähigkeiten auch irgendwo unter Beweis stellen zu können», erinnert sich Conny Abderhalden. Sie selbst ist mit einem Schwerstbehinderten aufgewachsen und weiss daher wie wichtig es ist, Menschen mit Beeinträchtigungen aus ihrem Alltag herauszuholen und möglichst in die Gesellschaft zu integrieren. Die «Schüür» stand derzeit bereits während zwei Jahren leer. Da kam es dem damaligen Gemeindepräsidenten von Brunnadern, Dölf Fäh, gelegen, als ihm Conny Abderhalden ein Betriebskonzept für ein Restaurant mit einem Laden für die «Schüür» vorlegte, die bis heute im Besitz der Gemeinde ist (früher Brunnadern, heute Neckertal).

«Ziele haben wir uns von Anfang an keine gesetzt, dann kommt man auch nicht unter Druck, wenn es einmal nicht so läuft», sagt Abderhalden. Gerade in der Anfangszeit sei es mehr Beschäftigung als Geschäft gewesen, machten sie doch in der Startphase manchmal keine 100 Franken Umsatz pro Tag. «Das hat sich Gott sei Dank geändert», sagt Vereinspräsident Ruedi Näf. So betrug der Umsatz 2014 rund 100 000 Franken. «Gewinn machen wir damit nicht – das ist auch nicht das Ziel des Vereins. Es reicht aber zumindest, die Kosten zu decken.»

Breite Unterstützung

Dass der Verein kostendeckend arbeiten kann, verdankt er auch den vielen Freiwilligen, die sich für die «Schüür» einsetzen. «Heute helfen 18 Mitarbeitende mit, die im vergangenen Jahr 2565 unbezahlte Arbeitsstunden geleistet haben», weiss Ernst Grob, Mitglied des Vorstandes. Dazu kommen noch die Arbeitsstunden, die für Umbauarbeiten aufgewendet wurden. Insgesamt wurden in den vergangenen zehn Jahren rund 100 000 Franken in den Aus- und Umbau der «Schüür» investiert. «Dieser Betrag steht aber nur für die Arbeiten, für die auch eine Rechnung ausgestellt wurde. Nicht mitgerechnet sind die Arbeiten und das Material, die uns unentgeltlich zur Verfügung gestellt wurden», sagt Ruedi Näf.

Finanziert wird der Verein einerseits durch die Einnahmen aus dem Gastro- und Cateringbetrieb. Anderseits unterstützen mittlerweile 107 Einzel- und Kollektivmitglieder die «Schüür» mit ihren Beiträgen. Zudem würden dem Verein Spenden zufliessen. «Was uns besonders gefreut hat, war, als uns eine Grossbank für das Restaurant sechs grosse Ausziehtische und 80 Stühle geschenkt hat», sagt Ernst Grob.

Weitgehend selbständig

Zurzeit sind sieben Menschen mit Beeinträchtigung in der «Schüür» beschäftigt. Dabei beschränkt sich ihre Herkunft nicht nur auf das Thur- und das Neckertal. «Sie kommen auch aus Herisau oder gar aus Goldach zu uns. Das mag zum einen daran liegen, dass es nur wenige Angebote dieser Art gibt. Zum anderen liegt es aber auch daran, weil es für diese Menschen einfach passt», ist Conny Abderhalden überzeugt. Denn in der «Schüür» können diese Menschen Arbeiten – ihren Fähigkeiten entsprechend – weitgehend selbständig erledigen. «Am Mittwochnachmittag beispielsweise leiten sie zu dritt das Restaurant – und das ohne Betreuung. Zwar hat jede Person eine Einschränkung, aber sie ergänzen sich so gut, dass der Betrieb reibungslos funktioniert.»

Damit das auch weiterhin so bleibt, sind Ruedi Näf und seine Vorstandskollegen weiterhin daran, die Vereinsstrukturen zu optimieren, um mit einem professionellen Auftritt den guten Ruf der «Schüür Brunnadern» in der Öffentlichkeit zu festigen.

10 Jahre «Schüür Brunnadern», Freitag, 11. März. Türöffnung: 19 Uhr, Beginn: 19.30 Uhr. Jubiläumsakt mit Grusswort der Gemeindepräsidentin Vreni Wild. Apéro mit dem Landfrauenchörli Brunnadern. www.schuurbrunnadern.ch

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