Mehr Arbeit fürs Veterinäramt

Morgen tritt das totalrevidierte Hundegesetz des Kantons Appenzell Ausserrhoden in Kraft. Rabatte für Hofhunde sind damit Geschichte. Durch die Neuregelung der Zuständigkeiten hat das Veterinäramt künftig mehr zu tun.

Marcel Jud
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Für einen Hofhund müssen Frauchen und Herrchen künftig tiefer in die Tasche greifen. (Bild: Urs Bucher)

Für einen Hofhund müssen Frauchen und Herrchen künftig tiefer in die Tasche greifen. (Bild: Urs Bucher)

AUSSERRHODEN. Bei der zweiten Lesung des totalrevidierten Hundegesetzes im Ausserrhoder Kantonsrat Ende März gab unter anderem die Aufteilung der Hundesteuer zu reden. Die Regierung beantragte, dass künftig 75 Prozent der Erträge dem Kanton und 25 Prozent den Gemeinden zugute kommen sollten. Am Ende entschied sich der Kantonsrat für die Aufteilung 50:50. Dadurch erhält der Kanton deutliche Mehreinnahmen; zuvor belief sich sein Anteil an den Erträgen aus der Hundesteuer auf einen Drittel. Mit den Einnahmen schafft der Kanton eine neue 100-Prozent-Stelle in der Administration des Veterinäramts.

Erst Anmeldung, dann Chip

«Die zusätzliche Stelle brauchen wir, um die für den Kanton neu entstandenen Aufgaben bewältigen zu können», sagt Sascha Quaile, Kantonstierarzt beider Appenzell. Mit der Totalrevision des Hundegesetzes wurden nämlich die Zuständigkeiten neu geregelt. Die Gemeinden sind ab kommendem Jahr primär für die Einrichtung von Robidogs und die Unterbringung von streunenden und herrenlosen Hunden zuständig. Alles andere wie die Hunderegistrierung und -kontrolle wird zentral beim Kanton angesiedelt und vor allem dem Veterinäramt übertragen. «Ab dem 1. Januar müssen sich Hundehalter nicht mehr auf der Gemeinde, sondern bei uns melden, wenn sie beispielsweise einen neuen Hund angeschafft haben», sagt Sascha Quaile. Erst nach der Anmeldung auf dem Veterinäramt kann ein Halter unter seinem Namen einen Hund registrieren lassen. Das Veterinäramt ist neu auch für die Verwaltung der Hundedaten zuständig. Änderungen dieser Daten – beispielsweise Umzug – müssen Hundehalter in Ausserrhoden künftig ebenfalls dem Veterinäramt mitteilen.

Das Veterinäramt wird künftig auf die Daten der neuen nationalen Hundedatenbank Amicus angewiesen sein. Die Daten der Heimtierdatenbank Anis und der Polizeidatenbank werden dabei übernommen. Aufgrund der mässigen Datenqualität müssen diese aber überprüft werden. «Wir werden daher im Laufe des Jahres eine Datenbereinigung durchführen und die Hundehalter dazu schriftlich einladen», sagt Quaile.

Doppelspurigkeiten vermeiden

Nebst neuer administrativer Aufgaben erhält das Veterinäramt auch mehr Befugnisse im Massnahmenbereich. «Bisher konnte das Veterinäramt nur Aspekte des Tierschutzes vollziehen, während die Gemeinden für die öffentliche Sicherheit zuständig waren», sagt Sascha Quaile.

Das Veterinäramt werde in Zukunft im Einzelfall Verfügungen erlassen und etwa Hundehalter zum Besuch von Ausbildungskursen verpflichten oder Verhaltensbeurteilungen anordnen, wenn ein Hund negativ auffällt oder sich eine Halterin oder ein Halter nicht an die allgemeinen Pflichten hält. Diese sind jetzt klar im Hundegesetz festgeschrieben und allgemein verbindlich. «So können Vorfälle mit Hunden effizient durch eine Stelle beurteilt werden und Doppelspurigkeiten vermieden werden», sagt Quaile.

Kein Rabatt mehr für Hofhunde

«Die Totalrevision war wichtig. Das bisher gültige Hundegesetz stammt von 1969 und war primär ein Steuergesetz. Es enthielt nur wenig zum Umgang mit Hunden an sich», sagt Sascha Quaile. Im Bereich der Steuern ändert sich denn auch für einige Hundehalter am meisten. Die Pauschalbesteuerung für Hundezuchten entfällt und auch der bisherige fünfzigprozentige Rabatt für Hofhunde wurde vom Kantonsrat ersatzlos gestrichen. Künftig zahlen alle Halter für einen Hund ab drei Jahren jährlich 100 Franken Hundesteuer. Für jeden weiteren Hund fallen 200 Franken Steuern pro Jahr an. Einzig Blindenhunde oder andere Nutzhunde, welche im öffentlichen Interesse eingesetzt werden – beispielsweise Diensthunde der Polizei – sind mit den entsprechenden Nachweisen von der Steuer befreit.

Auch die Erhebung der Hundesteuer wird in die Verantwortung des Veterinäramts übergehen, jedoch erst im Verlaufe des kommenden Jahres. Zunächst wird auch 2016 noch die Kantonspolizei dafür zuständig sein und die Hundehalterinnen und Hundehalter zur Entrichtung der Steuer auf den Polizeiposten aufrufen.

Sascha Quaile Leitet das Veterinäramt beider Appenzell seit 2011 (Bild: Michel Canonica)

Sascha Quaile Leitet das Veterinäramt beider Appenzell seit 2011 (Bild: Michel Canonica)

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