Mehr Akzeptanz für Behinderte

Roland Böhler verlässt heute nach zwanzig Jahren Heimleitung die Stiftung Waldheim. Für die Zukunft wünscht er sich noch weniger Berührungsängste gegenüber Menschen mit einer Behinderung.

Isabelle Kürsteiner
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Teufen. Um es vorwegzunehmen, Roland Böhler lobte Teufen und stellte auf die Fragen nach seinen Anliegen und Wünschen fest: «Ich wünschte mir, dass die Anliegen der Menschen mit Behinderung von der Bevölkerung noch mehr wahrgenommen, dass Berührungsängste noch mehr abgebaut würden und die Menschen mit Behinderung noch mehr Akzeptanz erfahren dürften. Es hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan und in der Gemeinde Teufen spüre ich ein grosses Wohlwollen.»

Vom Familien zum Grossbetrieb

Das Leben des beinahe Fünfzigjährigen verlief bisher reichhaltig. Der Familienvater übernahm nach der Lehre als Bäcker-Konditor, einem Ausflug in die Grenzwacht und als militärischer Krankenpfleger vor zwanzig Jahren die Leitung des Gründerhauses der Stiftung Waldheim in Rehetobel.

«Durch den Umstand, dass ich im Gründerhaus mit meiner Familie auch wohnte und nur elf Bewohner zu betreuen hatte, war ich fest in die Basisarbeit integriert. Ich pflegte, kochte, brachte die Frauen und Männer zu Bett.

Die Übernahme des ehemaligen Wohnheims Eben-Ezer in Teufen als bedeutend grösseres Heim innerhalb der Stiftung war für mich ein persönlicher Höhepunkt und gleichzeitig eine Herausforderung. Ein zweiter Höhepunkt war das Mitgestalten am Neubau Schönenbüel, dem Ersatz des Eben-Ezer. Mit 42 Bewohnern, dem anfänglichen Aufwand für den Ausbau des Neubaus und der zunehmenden konzeptionellen Arbeit auf der Stufe Stiftung mit Standortleitern, die in der Geschäftsleitung Einsitz nahmen, war die Mitarbeit an der Basis nicht mehr möglich.

Ich konnte den Kontakt zu den Bewohnern zu wenig wahrnehmen, wusste aber immer, dass die Wohngruppen von den Gruppenleitungen kompetent organisiert und geleitet werden. Auch das Mitarbeiterteam setzte sich täglich mit den Bedürfnissen der Bewohner auseinander und hat ihnen einen angenehmen Lebensstandard geboten.»

Angebote laufend erweitern

«Der Umgang mit Menschen mit einer Behinderung hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren entwickelt. Bei der Stiftung Waldheim standen die Bewohner schon immer im Zentrum der täglichen Arbeit.

In der Anfangszeit wurde die Arbeit mit mehr Herzblut verrichtet. Heute kommt noch das professionellere Arbeiten hinzu. Die Angebote für die Bewohner werden laufend erweitert. Ausserdem wird die Qualität der Arbeit verbessert und überprüft.» Auf die Frage, wie er denn die künftige Entwicklung sehe, antwortet Roland Böhler: «Heime für Menschen mit Behinderung werden auch weiterhin benötigt.

Im Zuge des NFA wird sicher in Zukunft noch mehr auf Qualität und Wirtschaftlichkeit geachtet werden müssen. Hier hat die Stiftung die Zeichen der Zeit frühzeitig erkannte und bereits schon vor einigen Jahren mit grossem Engagement die Weichen für die Zukunft gestellt.»

Beratung oder Ausbildung

Seine eigenen Zukunftspläne sind im Moment weniger konkret.

Roland Böhler sucht nach zwanzig Jahren und bald fünfzig Jahre alt eine neue berufliche Herausforderung im Bereich Beratung und/oder Ausbildung. Ein Wunsch wäre auch wieder vermehrt Zeit für sich und seine Familie zu haben. Ausserdem ist da noch die Leidenschaft Samariterverein. Roland Böhler ist Instruktor und damit in der Ausbildung tätig. Seine Augen beginnen zu leuchten, wenn er von der Entwicklung im Samariterwesen, das sich zunehmend profiliert hat, erzählt. Die Ausbildung sei heute einer Führungsausbildung gleichzusetzen.

Er freue sich, wieder vermehrt Zeit dafür zu finden. Zudem arbeitet Böhler als Prüfungsexperte für Fachfrauen/-männer Betreuung, wo er verschiedene Mandate hat. «Eine spannende Sache», erklärt er.

Doch noch einmal zurück zur Stiftung. Der Speicherer hofft, dass seinem Nachfolger, den er schon kennenlernen durfte, das gleiche Vertrauen geschenkt werden wird, wie ihm in all den Jahren. «Ich habe mich für das Schönenbüel engagiert, dass alles gut funktioniert. Jetzt ist es, wie wenn das Baby eine Amme erhält, die es gut pflegen wird.

» Roland Böhler verlässt heute die Stiftung Waldheim und tritt seinen wohlverdienten Jubiläumsurlaub an.

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