«Megatrends» und die Folgen

Der soziale Wandel verändert die Situation der reformierten Kirche: Welche Impulse können gesetzt werden? An der landeskirchlichen Tagung zeigten am Samstag ein Referat, eine Diskussion und Workshops Möglichkeiten auf.

Lukas Pfiffner
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Pfarrerin Sigrun Holz (rechts) berichtet in einem Workshop von den Erfahrungen in Speicher. (Bild: pf)

Pfarrerin Sigrun Holz (rechts) berichtet in einem Workshop von den Erfahrungen in Speicher. (Bild: pf)

HERISAU. «Es tut gut, in andere Gärten zu schauen», wurde gesagt. «Mich beschäftigt es, wie wir es schaffen, unsere Kirche auch bei den Jungen wieder besser zu positionieren.» Unter dem Stichwort «Generationenkirche» hatte Pfarrerin Sigrun Holz eine Gruppe Erwachsener zu einem Workshop um sich versammelt. Sie berichtete von den Erfahrungen in der Kirchgemeinde Speicher, tauschte sich mit den Leuten im Halbkreis aus. Es waren andere Pfarrleute darunter, Religionslehrerinnen, Synodale, Kirchenräte, Mitglieder von Gemeinden und Kirchenvorsteherschaften. «Wir müssen rausgehen und auch den Mut haben, Altes loszulassen», stellte Sigrun Holz fest.

Einige Dutzend Personen hatten sich am Samstag im Berufsbildungszentrum Herisau zur landeskirchlichen Tagung eingefunden. Der Workshop mit der Pfarrerin aus Speicher bildete eines von drei Nachmittagsangeboten zum Thema «Gemeindeaufbau». Die beiden anderen beschäftigten sich mit «Fresh Expressions» (Pfarrer Lars Syring, Bühler) und mit dem Inhalt «Von der Betreuungskirche zur Beteiligungskirche» (Pfarrer Martin Jud, Uznach). Die Kirche werde älter, kleiner und ärmer, hatte es in der Ausschreibung geheissen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung gingen unter anderem der Frage nach, welche positiven Impulse die Kirche in dieser Situation geben könne und welche Auswirkungen «Megatrends» für die Verbreitung der christlichen Botschaft haben können.

Reaktionen und Chancen

Zum Auftakt der Tagung war Jörg Stolz (Professor an der Universität Lausanne) zu Gast gewesen. Er hat ein Buch herausgegeben: «Die Zukunft der Reformierten». In seinem Impulsreferat ging er unter anderem auf «Megatrends der Gesellschaft» und kirchliche Reaktionen ein. Beispiele von Megatrends sind: die Entflechtung der Kirchen vom Staat, die Individualisierung, neue Lebensformen und -stile, der Wertewandel, der Aufschwung säkularer Konkurrenz der Kirchen, die religiöse Pluralisierung und die Konfessionslosigkeit, das Angebot neuer Technologien.

Zu den Chancen respektive Reaktionen der Gemeinden und Kirchen könnte nach Ansicht von Jörg Stolz gehören, sich klarer zu profilieren, ein kirchliches Marketing zu betreiben, die Öffentlichkeitsarbeit zu modernisieren, die Strukturen zu reorganisieren.

Dem vielbeachteten Referat folgte ein Podiumsgespräch mit Jörg Stolz, Koni Bruderer (Kirchenratspräsident), Uschi Hofmänner (Präsidentin Kirchenvorsteherschaft Herisau) sowie Sigrun Holz.

In die Praxis umsetzen

Sie sei sehr zufrieden mit dem Verlauf der Tagung, blickte Christine Culic am Samstagnachmittag zurück. Sie steht im Kirchenrat der Evangelisch-reformierten Landeskirche beider Appenzell dem Ressort Seelsorge und Öffentlichkeitsarbeit vor. «Es macht Hoffnung, was während des Tages angesprochen wurde», meinte sie. «Es gilt jetzt, die eine oder andere Idee aufzunehmen und in die Praxis umzusetzen.»

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