Medicel bereitet Umzug vor

Die Medicel AG hat in Altenrhein mit den Bauarbeiten für ihren neuen Firmensitz begonnen. Im Frühjahr 2016 wird die Medizinaltechnik-Firma Wolfhalden verlassen. Für die bestehenden Gebäude gibt es bereits eine Nachfolgerin.

Michael Genova
Drucken
Teilen
Umsiedlung nach Altenrhein: Wegen Einsprachen aus der Nachbarschaft begrub die Medicel AG ihr Neubauprojekt im Luchten in Wolfhalden. (Bild: rh)

Umsiedlung nach Altenrhein: Wegen Einsprachen aus der Nachbarschaft begrub die Medicel AG ihr Neubauprojekt im Luchten in Wolfhalden. (Bild: rh)

WOLFHALDEN. Die Enttäuschung in Wolfhalden war gross, als die aufstrebende Medizinaltechnik-Firma Medicel AG vor genau einem Jahr ankündigte, ihren Standort an den Bodensee zu verlegen. Mittlerweile ist bekannt, dass Medicel in Altenrhein einen Neubau mit Büro-, Lager- und Produktionsräumen realisieren wird. Am Mittwoch war auf einem ehemaligen Grundstück der Bafluag AG die Grundsteinlegung. «Der Neubau ist voraussichtlich im ersten Quartal 2016 bezugsbereit», sagt Volker Dockhorn, Geschäftsführer der Medicel AG.

Keine Blockade am neuen Ort

Ursprünglich plante Medicel am heutigen Standort im Luchten in Wolfhalden einen Neubau. Im November 2013 stimmten die Wolfhäldler einer Umzonung mit grosser Mehrheit zu. Weil drei Einwohner ihre Einsprachen gegen das Projekt an den Regierungsrat weiterzogen, begrub Medicel seine Ausbaupläne. Unternehmensgründer Emil Hohl befürchtete lange Verzögerungen. Auch am neuen Standort seien Einsprachen gegen den Neubau eingegangen, sagt Volker Dockhorn. «Den Einsprechern ging es jedoch nicht darum, das Projekt zu blockieren.» Vielen habe es genügt, Einblick in das Bauprojekt zu erhalten. Nach Gesprächen konnte das Unternehmen schliesslich alle Probleme lösen.

Schnittstelle Altenrhein

Zurzeit beschäftigt die Medicel AG 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der grösste Teil davon, rund ein Drittel, wohnt in Heiden. Weitere Angestellte leben in Wolfhalden und im Rheintal. Es sei deshalb wichtig, dass der neue Standort für alle innerhalb von 20 Minuten erreichbar ist, so Volker Dockhorn. «Altenrhein ist die Schnittstelle.» Der Geschäftsführer bedauert, dass einige Mitarbeiter neu pendeln müssen, zeigt sich aber überzeugt, eine «verträgliche Lösung» gefunden zu haben.

Zusammen mit der Medicel AG werden auch die beiden Tochterfirmen Robutec GmbH und Plasticspritzerei AG nach Altenrhein umziehen. Für die Gebäude in Wolfhalden gibt es bereits eine Nachfolgerin. Die Silcoplast AG wird sämtliche Räumlichkeiten übernehmen. Das Unternehmen entstand 2014 aus der Vereinigung der alteingesessenen Silwo Silikon-Spritzerei AG mit Teilen der Plasticspritzerei AG. Auch sein Unternehmen habe in der Vergangenheit unter Platzmangel gelitten und könne sich nun wieder auf das wachsende Geschäft konzentrieren, sagt Raphael Froidevaux, Geschäftsführer der Silcoplast AG.

Wichtigste Steuerzahlerin

Die Gemeinde Wolfhalden wird den Wegzug der Medicel AG ab 2016 finanziell zu spüren bekommen. Die Medizinaltechnik-Firma sei mit Abstand die grösste Steuerzahlerin, bestätigt Gemeindepräsident Gino Pauletti. Zum erwarteten Steuerausfall wollte sich er nicht näher äussern. Die Gemeinde sei gegenwärtig schuldenfrei, womöglich werde man künftig bei den Investitionen etwas zurückhaltender sein. Im Jahr 2013 nahm Wolfhalden über Unternehmenssteuern rund 760 000 Franken ein. Natürliche Personen bezahlten rund 5,1 Millionen Franken Steuern.

Gino Pauletti spricht von einer leidigen Geschichte. «Der Fall ist abgeschlossen – wir müssen nach vorne schauen.» Er erhalte pro Woche zwei bis drei Anfragen von Betrieben aus dem Appenzellerland, die einen neuen Standort suchen. Damit eine Gemeinde eine Firma von einer Ansiedlung überzeugen könne, brauche es jedoch eine intensive und aufwendige Betreuung.

Aktuelle Nachrichten