«MAZ»-Chefin ehrt den Chef

BAZENHEID. Micarna-Unternehmensleiter Albert Baumann hat in Heerbrugg den Anerkennungspreis der Hans-Huber-Stiftung durch deren Präsidenten Christian Fiechter überreicht erhalten.

Urs Huwyler
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«MAZ»-Verwaltungsratspräsidentin Noemi Andres (Wil), Kauffrau im 3. Lehrjahr, sprach die Laudatio für Unternehmensleiter Albert Baumann. (Bild: Urs Huwyler)

«MAZ»-Verwaltungsratspräsidentin Noemi Andres (Wil), Kauffrau im 3. Lehrjahr, sprach die Laudatio für Unternehmensleiter Albert Baumann. (Bild: Urs Huwyler)

Seit Unternehmensleiter Albert Baumann bei der SFS in Heerbrugg in einer beeindruckenden Feier den Anerkennungspreis der Hans-Huber-Stiftung überreicht erhalten hat, wissen Berufsleute, Wirtschaftsvertreter, Politiker, Bildungs- und andere Wissenschafter, dass bei der Micarna (Bazenheid/Courtepin) Lernenden verschiedene Ausbildungswege offenstehen.

113 Lehrlinge

Zu den Hauptaufgaben gehört weiterhin die Fleischverarbeitung, doch angeboten werden den Schulabgängern im Betrieb mit rund 2300 Mitarbeitenden Lehrstellen in unterschiedlichen Sparten. Fleischfachmann, Polymechaniker, Anlagenführer, Logistiker, Elektroinstallateur, Mediamatiker, Detailhandelsfachmann, Fachmann Hauswirtschaft, Informatiker, Koch, Gebäudereiniger, Lebensmittel-technologe oder Kaufmann (alle Berufe für Frauen und Männer offen) können erlernt werden. «Die Fleischverarbeitung steht im Zentrum, doch wir sind ein Unternehmen mit den verschiedensten Berufszweigen», betont Albert Baumann. Im Beisein von Ehrenpräsident und Gründer Hans Huber (Appenzell), dem Innerrhoder Trio Ständerat Ivo Bischofberger, Nationalrat Daniel Fässler und Landammann Roland Inauen, dem St. Galler Regierungsrat Martin Klöti, vielen ehemaligen Preisträgern und der sich mitfreuenden Delegation aus der Micarna wurde Albert Baumann für die konsequente Förderung des Berufsnachwuchses ausgezeichnet. «Noch nie habe ich so viele aufrichtige Komplimente erhalten», freute sich der Geehrte.

Stiftungsratspräsident Christian Fiechter wies in seiner Laudatio darauf hin, dass der gelernte Metzger schon vor Jahren das Berufsbild der gesellschaftlichen Entwicklung anzupassen versuchte. Inzwischen haben sich seine Ideen auf breiter Basis durchgesetzt. In der Micarna hat der Fleischfachmann (Metzger) beispielsweise nichts mit dem Schlachten zu tun, sondern verarbeitet das Fleisch. Zudem setzte sich der in Wil lebende gebürtige Bischofszeller das Ziel, bis 2015 100 Lernenden eine Ausbildung anbieten zu können. Am Tag seiner Ehrung beschäftigte die Micarna bereits 113 Lehrlinge. Bis 2020 sollen es 150 werden.

Laudatio durch Mazubi

Über die Landesgrenzen hinaus wird das Mazubi-Projekt bewundert. Dabei führen die Lernenden ein virtuelles Unternehmen (mit Fleischverkauf), um die Auszubildenden auf die berufliche Zukunft vorzubereiten. Christian Fiechter verzichtete darauf, theoretisch zu erklären, was die Mazubis praktisch erledigen. Deren Verwaltungsratspräsidentin Noemi Andres (Wil), Kauffrau im 3. Lehrjahr, führte deshalb die Laudatio als «MAZ»- Chefin weiter. Praxisbezogener und sympathischer hätte die Ehrung des «MIC»-Chefs kaum sein können. «Für mich», so Albert Baumann, «war die Überreichung des Mazubi-Geschenks mit dem neuen, mir zuvor unbekannten Logo das Highlight des Abends.» Baumann/Andres überzeugten auch den 1927 geborenen Gründer Hans Huber. «Was Albert Baumann den Lernenden ermöglicht, ist beeindruckend», kommentierte der Ehrenpräsident die Auszeichnung. 1997 hatte er die Stiftung zur Förderung der beruflichen Ausbildung gegründet. Der Fokus liegt auf dem dualen Bildungssystem, also der Vernetzung von theoretischer und praktischer Ausbildung und damit der Lehre als Einstieg in die Berufswelt.

20 000 Franken für Projekt

Referent Lino Guzzella, ab 1. Januar 2015 ETH-Präsident, wies in seinen Ausführungen ebenfalls mehrfach darauf hin, der akademische und praktische Bildungsweg dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden. Für Guzzella müssen die einzelnen Bereiche und Berufe für eine gesunde Wirtschaft wie Zahnräder ineinandergreifen.

Albert Baumann nahm den mit 20 000 Franken dotierten Preis als «Zahnrad» des gesamten Unternehmens entgegen. «Ich stand vorne, habe dies aber stellvertretend für alle unsere Mitarbeitenden, die sich täglich mit Herzblut um unsere Lernenden kümmern, getan.»

Der Micarna-Chef wird das Geld in ein mit dem Lernenden abgestimmtes Projekt investieren und sich dabei mit der Mazubi-Chefin Noemi Andres und deren Geschäftsleitung absprechen. Vielleicht erhält auch sie irgendwann den Preis der Hans-Huber-Stiftung.