Mauretter – der letzte Aussteller

Urs Mauretters Bilder rund um die Tradition der Silvesterchläuse hätten eigentlich bis ins neue Jahr im Haus für Kultur «kuk» in Schwellbrunn gezeigt werden sollen. Nun stellt er nur einen Sonntag lang aus, und trotzdem freut er sich darauf.

Chris Gilb
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Urs Mauretter hat ein erstes seiner Bilder im Obergeschoss des «Kuk» aufgehängt. Es ist das Bild, von dem er sagt, dass es noch immer roste. (Bild: cg)

Urs Mauretter hat ein erstes seiner Bilder im Obergeschoss des «Kuk» aufgehängt. Es ist das Bild, von dem er sagt, dass es noch immer roste. (Bild: cg)

SCHWELLBRUNN Es wird mit Sicherheit die kürzeste Ausstellung in Urs Mauretters Karriere. Doch der Künstler aus Niederteufen gibt sich optimistisch: «Meistens muss ich keines meiner Bilder wieder mit nach Hause nehmen.» Schon seit längerem hatte er mit Elisabeth Beeli vom «kuk» vereinbart, dort irgendwann auszustellen. Mauretter war dann für den Ausstellungszeitraum von November diesen Jahres bis Januar 2016 vorgesehen. Doch dann kam der kurzfristige Verkauf des Gebäudes dazwischen. Die Liegenschaft wurde an den Appenzeller-Verlag verkauft, der schon seit Anfang des Jahres, Räumlichkeiten darin gemietet hat. Nächsten Samstag hat das Restaurant letztmals geöffnet und am Sonntag schliesst mit der Ausstellung Mauretters auch die Galerie. «Ich kann Bilder zu einem solch lokalen Thema schlecht in St. Gallen oder Innerrhoden ausstellen, Schwellbrunn mit seiner grossen Silvesterchlaus-Tradition ist einfach der richtige Standort», sagt Mauretter. Deswegen nutze er die Chance, auch wenn es nur für einen Tag sei.

Tradition als Gegengewicht

Hauptberuflich arbeitet Mauretter als Berater für TVO. Er habe gleich zwei Handys im Einsatz, dazu iPad und Laptop – alles was die rasante moderne Welt eben verlange, doch die Bilder würden ihn erden, und die Auseinandersetzung mit der Tradition werde sowieso immer wichtiger für ihn. Die elf Bilder, die er im «kuk» ausstellt, handeln somit indirekt auch von ihm selbst und von der Suche nach der Verbindung von Tradition und Moderne. Die Bilder sind unterteilt in zwei Bereiche. Den einen hat Mauretter in Schwarzweiss gehalten, darauf zu sehen sind Szenen aus der Welt der Silvesterchläuse, der andere ist farbig. «Der schwarzweisse Teil ist bewusst grösser, denn die Tradition – das Brauchtum, wird nach meiner Wahrnehmung, in unserer Gesellschaft immer wichtiger. Ich bin immer wieder überrascht, wie viel junge Leute ich an Konzerten mit Appenzellermusik antreffe.» Er habe für den Bereich mit den Bildern von Chläusen, Kühen und Rollenweibern bewusst schwarzweiss gewählt, wegen der Beständigkeit und dem Winter, die Zeit der mystischen Traditionen. Die Motive entstammen seinem Gedächtnis oder von Fotos in Zeitungen und dem Internet. «Ich habe viele Bekannte, die chlausen, ich selbst kann fürs Chlausen leider bei weitem nicht gut genug jodeln», sagt er. Eineinhalb Jahre hat Mauretter an der Serie mit dem Titel: «Silvesterchläuse und mehr» gearbeitet. «Manchmal wenn es lief, arbeitete ich eine ganze Nacht, wenn die Inspiration aber fehlte, hörte ich nach zehn Minuten auf.»

Bilder die vor sich hin rosten

Mauretter malt mit einer Acryl-Öl-Mischtechnik und wendet zusätzlich eine spezielle Technik an: Er lässt seine Bilder rosten. «Rost ist etwas, das man nicht einfach in einem Farben-Regal findet.» Mit Salz und Essig muss er die Bilder unter anderem behandeln, damit der Rost-Effekt eintritt. «Eigentlich sind jetzt alle Bilder fertig, nur eins rostet, glaube ich, noch weiter», Er zeigt lächelnd, auf eines der Bilder. Dem Thema Appenzeller Tradition will Mauretter sich auch zukünftig in seiner künstlerischen Arbeit widmen. «Früher hatte ich von Jodelkonzerten schnell genug, heute können sie mir nicht lang genug gehen.»

«Silvesterchläuse und mehr aus dem Appenzellerland», Haus für Kultur «kuk», Sonntag, 1. November, 11 bis 17 Uhr.