Marroni-Charly geht, Bobi kommt

OBEREGG. Karl Bürki zieht sich aus dem Marroni-Geschäft zurück. Nach 36 Jahren als Marroni-Brötler übergibt der Oberegger sein Geschäft seinem Mitarbeiter. An der Chilbi in Berneck waren die beiden gemeinsam am Marroni-Stand.

Karin Steffen
Drucken
Teilen
Karl Bürki (Mitte) mit seinen Mitarbeitern Bobi (links) und Duli. Bobi übernimmt das Geschäft in der laufenden Saison. (Bild: kst)

Karl Bürki (Mitte) mit seinen Mitarbeitern Bobi (links) und Duli. Bobi übernimmt das Geschäft in der laufenden Saison. (Bild: kst)

Karl Bürkis grösster Stolz sind geschmacklich vollmundige Marroni, perfekt gebraten und einfach zu schälen. «Unsere Marroni sind alle handgeschnitten», erklärt Marroni-Charly den Unterschied. Diese hohen Qualitätsansprüche hat auch sein langjähriger Mitarbeiter und rechte Hand Kadri, der nur Bobi aus Oberegg genannt werden will. Er übernimmt das Geschäft in der laufenden Saison von seinem Chef.

Qualitätsmarroni

Mit 79 Jahren dürfe er sich wohl aus dem Geschäft zurückziehen, begründet Bürki seinen Entscheid. Man nimmt ihm die beinahe 80 Jahre kaum ab. Jugendlich, frisch und vital steht er hinter seinem Stand und ist jederzeit zu einem Spässchen mit seinen Kunden bereit. Die Bernecker Chilbibesucher kennen ihn und erfreuen sich an der hohen Qualität seiner Marroni. Nur einmal habe eine Frau behauptet: «Dini Marroni hend alli Würm!» Nach genauerem Nachfragen und Öffnen einer Edelkastanie zeigte sich, dass die Dame den Keimling an der Spitze als Wurm bezeichnet habe, erzählt Bürki lachend.

Stand in Klosters

Begonnen hat seine 36jährige Karriere als Marroni-Brötler aus einer Unzufriedenheit heraus. In der Färberei einer Textil-Firma hatte er sich jahrelang bis zum Meister emporgearbeitet, bis ihm ein «Gstudierter» vor die Nase gesetzt wurde. Das wollte sich Karl Bürki nicht bieten lassen und hat sich kurzerhand selbständig gemacht. Fortan verkaufte er von Weihnachten bis Ende März im bündnerischen Klosters Marroni. Mit der Zeit sind Standplätze an den verschiedensten Märkten dazugekommen. Mittlerweile besitzt er drei Stände mit mehreren Mitarbeitern und verkauft auch samstags in Rebstein, Oberriet und Trübbach und sonntags in Heiden Marroni. Seit 1988 geht ihm sein Nachfolger Bobi zur Hand.

Unerkannter Adel

Für Marroni-Charly wird die Saison in Klosters seine letzte sein. Gerne erinnert er sich an die gelegentliche Prominenz, die er im mondänen Wintersportort bedienen durfte. Einmal habe er König Carl Gustaf von Schweden persönlich Marroni überreicht, ihn jedoch erst erkannt, als er darauf hingewiesen wurde. Und natürlich haben auch die Royals aus England, damals noch Charles und Diana mit Kindern und Entourage, Charlys Marroni zu schätzen gewusst.

Im Sommer hat Bürki jeweils einem Transportunternehmen bei Umzugsarbeiten geholfen und seinem Bruder Bruno bei Bedarf unter die Arme gegriffen. Auch Bruno Bürki besucht Märkte, jedoch mit der Kindereisenbahn Santa Fe. Konkrete Zukunftspläne hat Karl Bürki keine. Langeweile kommt beim umtriebigen Senior aber bestimmt nicht auf. Er wird die ruhigeren Winter geniessen und seinem Nachfolger beratend zur Seite stehen.