Marlis Widmer, Herisau

Am 12. Februar wurde auf dem Friedhof Herisau eine Person zu Grabe getragen, welche in ihrem Leben viel geleistet und vor allem der Öffentlichkeit gedient hat. Marlis Widmer, geboren am 15. Juli 1927, ist als Einzelkind zusammen mit ihrer Pflegekind-Schwester in der Burghalde aufgewachsen.

Walter Bach
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Marlis Widmer 15. 7. 1927 – 8. 2. 2015 (Bild: pd)

Marlis Widmer 15. 7. 1927 – 8. 2. 2015 (Bild: pd)

Am 12. Februar wurde auf dem Friedhof Herisau eine Person zu Grabe getragen, welche in ihrem Leben viel geleistet und vor allem der Öffentlichkeit gedient hat. Marlis Widmer, geboren am 15. Juli 1927, ist als Einzelkind zusammen mit ihrer Pflegekind-Schwester in der Burghalde aufgewachsen. Ihre Primarschulzeit verbrachte sie in Herisau, die Sekundarschule in St. Gallen. Es folgte ein Institutsaufenthalt im Jura und Sprachaufenthalte in Frankreich und England, weiter die Ausbildung zur Sekundarlehrerin an der Lehramtsschule St. Gallen. Die Warnung, dass sie als Frau keine Sekundarlehrerstelle finde, hielt sie vom Studium nicht ab. Die erste Anstellung für zwei Jahre erhielt sie an der Mädchensekundarschule St. Katharina in Wil. Die Berufung an die katholische Sekundarschule nach St. Gallen (Meitleflade) – wo sie bereits ihre drei Jahre Sekundarschule verbrachte – war ihre Lebensstelle, an welcher sie ihr Talent als Pädagogin voll entfalten konnte. Ab 1955 unterrichtete sie als erste Laienlehrerin an dieser Schule und von 1973 bis 1989 war sie als Schulleiterin für die Meitleflade verantwortlich. Ihr umsichtiger und äusserst kompetenter Umgang mit Lehrerschaft und Schülerinnen war allgemein anerkannt. Sie war auch Mitbegründerin des Ehemaligen-Vereins der Schule.

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Wohnhaft war sie während diesen Jahren im Elternhaus an der Burghalde in Herisau, wo sie auch ihren Vater betreute, welcher über 90 Jahre alt wurde. Marlis Widmer war über Jahre auch aktiv tätig in der katholischen Pfarrei Peter + Paul. Als junges Mädchen war sie Leiterin im Blauring, später in der Marianischen Kongregation als Präsidentin und schliesslich langjährige Präsidentin des Kirchenverwaltungsrates. In dieser Funktion war sie auch Mitglied des Verbandes der Katholischen Kirchgemeinden unseres Kantons. Das Bistum hat sie für ihre verschiedenen kirchlichen Tätigkeiten mit einem Orden ausgezeichnet. Neben ihrer starken beruflichen Beanspruchung engagierte sie sich bei der schweizerischen Pressestelle der Katholischen Kirche Schweiz, wo sie sich einbrachte und ihr Talent erkannt wurde.

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Als gläubige, willensstarke und immer positiv denkende Persönlichkeit hatte sie eine natürliche Autorität, mit welcher sie ihre Mitmenschen fesseln konnte. Trotzdem zeichnete sie ihre Bescheidenheit aus. Nach ihrer Pensionierung schlug sie die Anfrage für die Nomination für den Einwohnerrat Herisau nicht aus und wurde prompt als CVP-Mandantin gewählt. Ihr soziales Engagement konnte sie auch in der Gemeinde einbringen, wo sie am Aufbau des Mittagstisches für Schüler beteiligt war. Marlis Widmer liebte die Natur und die Berge sehr, und nach ihrer Pensionierung leistete sie sich eine dreimonatige Weltreise um den Erdball.

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Sie war glücklich, ihre letzten Jahre im Altersheim Ebnet Herisau zu verbringen. Doch in den letzten Jahren verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand sehr stark, und ihre Spontanität hat infolge Demenz immer mehr abgenommen. Am Sonntag, den 8. Februar, wurde sie von ihren Leiden erlöst. Ihr Leben war geprägt vom Ausbilden junger Menschen und vor allem vom Dienen am Nächsten. Danke und vergelt's Gott, Marlis.

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