Marius Bear: Der Schweizer Joe Cocker

In einer kleinen Serie porträtiert die «Appenzeller Zeitung» Menschen, die im Jahr 2018  etwas Besonderes geleistet oder erlebt haben. 

Claudio Weder
Drucken
Teilen
Tief, rau und kratzig: Marius Bear aus Appenzell hat eine unverkennbare Stimme. (Bild: Michael Hug)

Tief, rau und kratzig: Marius Bear aus Appenzell hat eine unverkennbare Stimme. (Bild: Michael Hug)

«Ein Appenzeller, ein Bär von einem Mann, der am liebsten barfuss auf der Bühne steht und mit seiner Stimme und seinem Charisma alles hat, um richtig durchzustarten», so begründet SRF-Moderatorin Judith Wernli die Wahl von Marius Bear zum «SRF Best Talent» des Monats Juni. «Für mich war das ein absolutes Highlight im 2018», sagt der 25-jährige Appenzeller, der mit bürgerlichem Namen Marius Hügli heisst.

Doch damit nicht genug: Marius Bear konnte im vergangenen Jahr auch sein erstes Mini-Album «Sanity» veröffentlichen. Dies, nachdem er bereits zuvor in New York ein Album aufgenommen hatte, viel Geld in die Aufnahmen investierte, doch am Schluss nicht damit zufrieden war. Auch zahlreiche erfolgreiche Auftritte prägten das vergangene Jahr: Neben ausverkauften Clubshows stand Marius Bear unter anderem als Support-Act für die US-amerikanische Sängerin Lauryn Hill an der Baloise Session auf der Bühne.

Dabei wollte er doch gar nie Musiker werden. Seine Stimme – die aufgrund ihres rauchig-kratzigen Timbres gerne mit derjenigen von Joe Cocker verglichen wird – entdeckte er erst vor rund fünf Jahren. Und zwar im Militär. Dort sagte ihm ein Rekrut, er solle es doch lieber mit dem Singen versuchen, statt auf dem Kasernenplatz rumzuschreien. Diesen Ratschlag nahm sich Marius Hügli zu Herzen und begann seine Karriere als Musiker.

In seinem Heimatort aufzutreten, kam für ihn allerdings nicht in Frage. Er schämte sich, vor Leuten zu singen, die er kannte: «Ich dachte, ich muss so weit weg wie möglich, wo mich niemand kennt», sagte Bear gegenüber dieser Zeitung. Also zog er in die weite Welt hinaus: Nachdem er acht Monate als Strassenmusiker in Freiburg verbrachte, zog es ihn nach New York und später nach London, wo er seither lebt und musiziert. Seine eigentliche Heimat, das Appenzellerland, liegt ihm aber dennoch am Herzen: «Ich komme viel in die Schweiz zurück, verbringe Zeit mit meiner Freundin und spiele Konzerte», sagt er.

In London studierte Marius Bear an der renommierten British and Irish Modern Music School, die bereits Grössen wie James Bay, Tom Odell oder George Ezra hervorbrachte. Laut Experten hätte der Appenzeller mit der bärenstarken Stimme das Potenzial, in deren Fussstapfen zu treten. Auf jeden Fall werde man auch in Zukunft von ihm hören. Was genau das neue Jahr alles mit sich bringen wird, will Marius Bear allerdings nicht verraten. Doch eins vorweg: Ende Januar wird eine neue Single erscheinen.