Marihuana, um Schulden zu tilgen

Ein Mann musste sich vor dem Kreisgericht Toggenburg verantworten, weil er Hanf angebaut und das Marihuana verkauft hat. Zudem war er verantwortlich für einen Brand in seinem Wohnhaus, bei dem hoher Sachschaden entstand.

Sabine Schmid
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Am Kreisgericht Toggenburg wurden eine Frau und ein Mann wegen Anbau von Hanf verurteilt. (Bild: kapo)

Am Kreisgericht Toggenburg wurden eine Frau und ein Mann wegen Anbau von Hanf verurteilt. (Bild: kapo)

LICHTENSTEIG. Zwei Personen – ein Mann und eine Frau – haben zusammen während rund 20 Monaten in einer Liegenschaft im unteren Toggenburg eine Hanfplantage betrieben. Dabei konnten sie rund sechsmal je rund ein Kilogramm Hanfblüten mit einem THC-Gehalt von 1,3 Prozent ernten. Ein Drittel davon brauchte der Mann zum Eigenkonsum, ein zweites Drittel verschenkten die beiden an Bekannte. Das restliche Marihuana hat der Mann in Absprache mit der Frau verkauft. So haben sie rund 10 000 Franken eingenommen. Das Geld haben die beiden untereinander aufgeteilt.

Nun mussten sich die beiden vor dem Kreisgericht Toggenburg verantworten. (Prozess gegen die Frau, siehe Zweittext) Geldsorgen seien es gewesen, die ihn dazu brachten, selber Hanf anzubauen und zu verkaufen, führte er im abgekürzten Verfahren vor Gericht aus. Er habe damals zwar nur wenig Schulden gehabt, die finanzielle Lage habe aber nicht gut ausgesehen. Rund ein halbes Gramm Marihuana hat er zu dieser Zeit pro Woche konsumiert.

Pfanne ist in Brand geraten

Dem Angeschuldigten wurde zudem fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst zur Last gelegt. Diese Anklage bezieht sich auf einen Vorfall, wo der Mann während des Kochens eingeschlafen ist und Öl in einer Pfanne auf dem eingeschalteten Herd in Brand geraten ist. Dadurch entstand am damaligen Wohnhaus des Angeschuldigten ein Sachschaden von über 183 000 Franken. Zudem musste das Wohnhaus evakuiert werden. Einige Bewohner wurden mit Verdacht auf Rauchvergiftung ins Spital gebracht. Der Angeschuldigte führte aus, dass er während dieser Zeit arbeitslos war und «in ein Loch» gefallen sei. Er habe an diesem Tag bereits früh Alkohol getrunken. Zur Tatzeit wies er einen Atemalkoholwert von 1,8 Promille auf.

Wieder Fuss gefasst

Während der Untersuchung und des Gerichtsverfahrens zeigte sich der Mann kooperativ und geständig. Er hat wieder eine feste Stelle. Die finanzielle Situation hat sich aber insofern nicht normalisiert, als er Schulden abbezahlt und deshalb trotz normalem Verdienst am Existenzminimum lebt. Heute konsumiere er nur noch selten Marihuana und habe auch mit Alkohol kein Problem.

Die Staatsanwältin trug bei der Strafzumessung dem Umstand Rechnung, dass die Hanfplantage nicht sehr professionell gepflegt wurde. Sie habe nicht so viel Ertrag abgeworfen und es seien mehrere Ernten buchstäblich ins Wasser gefallen, sagte die Staatsanwältin. Sie beantragte, den Mann schuldig zu sprechen und zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten zu verurteilen. Aufgrund der günstigen Prognose und weil er sein Leben im Griff habe, sei ein bedingter Vollzug bei einer Probezeit von zwei Jahren möglich. Da der Gewinn aus dem Verkauf des Marihuanas für den Unterhalt der Plantage und für die Lebenshaltungskosten aufgebraucht wurde, muss der Angeschuldigte eine Ersatzforderung von 5000 Franken an den Staat leisten. Zudem fällt Schadensersatz in der Höhe von 183 000 Franken an.

Der Verteidiger führte aus, dass hier ein verkürztes Verfahren angebracht und die Strafe angemessen sei. Das Gericht bestätigte den Urteilsvorschlag, es könne die Ausführungen und Anträge nachvollziehen. Der Vorsitzende Richter gab der Hoffnung Ausdruck, dass der Angeschuldigte nun Fuss gefasst hat und auf dieser Linie bleibt.