«Maredlis» seit über 450 Jahren

Der Spitzname «Maredli» hat seine Anfänge Mitte des 16. Jahrhunderts. Damals bewirtschaftete ein Rudolf Koller die Liegenschaft Marbach bei Schlatt. Aus «Marbach-Ruedlis» und «Maruedi» entstand im Laufe der Zeit dann «Maredli».

Rosalie Manser-Brülisauer
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Appenzell. Johann Koller-Inauen hat sich schon vor Jahren eingehend mit seiner Familiengeschichte beschäftigt. «Meinen Vater nannten alle nur den <Maredli>, und er legte auch stets Wert darauf, dass wir Kinder den Spitznamen weiter in die nächste Generation trugen», erzählt der 60-Jährige. Als Landwirt, dem Handel mit Landesprodukten und vor allem durch seine politischen Aktivitäten kannten Johann Kollers Vater Josef Anton Koller-Brülisauer viele Menschen in Innerrhoden.

Seine visionäre Einstellung – schon 1969 wollte er mit einer Initiative das Frauenstimmrecht in Schule und Kirche einführen – stiess nicht immer auf offene Türen. «Mit der Zeit liess diese Tatsache meinen Vater ziemlich resignieren», blickt Johann Koller zurück. Deshalb habe er immer bewusst auf eine politische Tätigkeit verzichtet. «Immer mit dem Vater verglichen zu werden, das wollte ich nicht.»

Zuerst mit «Ö» – später mit «E»

Nichtsdestotrotz trug der 1977 verstorbene Josef Anton Koller-Brülisauer einen wesentlichen Teil dazu bei, dass der Spitzname «Maredli» bis heute nicht in Vergessenheit geriet. Der Urahne der «Maredlis» lebte Mitte des 16. Jahrhunderts. Es war dies Rudolf Koller, der die Liegenschaft Marbach, Gerenberg, bei Schlatt bewohnte.

Aus «Marbach-Ruedlis» entstanden mit der Zeit die Kurzformen «Mar-Ruedlis» und später dann die «Maredlis». Wobei festzuhalten ist, dass in diversen schriftlichen Zeitzeugnissen die Schreibweise «Marödlis» zu finden ist. Die heutigen Nachkommen nennen sich aber durchgehend «Maredlis». Sie alle gehören ausnahmslos der Lehner-Rhode an.

Ob die weiteren Träger des Spitznamens «Maredli» in Appenzell aus dem gleichen Stamm des Urahnen Marbach Rudolf stammen, oder wann sich dieser allenfalls aufgeteilt hat, ist nicht bekannt.

«Auf der Steig»

Johann Koller-Inauen ist auf der Liegenschaft «Auf der Steig» aufgewachsen. «1891 erwarb mein Grossvater Josef Anton Koller-Dörig die Liegenschaft aus einer konkursamtlichen Versteigerung heraus», so Koller.

1940 ging der landwirtschaftliche Betrieb auf Johann Kollers Vater über, und 1977 übernahm Johann Koller die Liegenschaft. Bereits 1968 wurde aber das Land beim Stammhaus verpachtet. «Als gelernter Maschinenmechaniker konnte ich der Landwirtschaft nicht allzu viel abgewinnen», hält Johann Koller fest. Sein elf Jahre älterer Bruder Josef war dem Bauernstand und Appenzell immer sehr verbunden, lebte aber über 40 Jahre in Arosa, wo er vor acht Jahren verstarb.

Seine beiden Söhne sind sich sehr wohl bewusst, dass auch sie «Maredli» sind, wenden den Spitznamen aber nicht aktiv an.

Ein dünner Stamm

Johann ist heute der Einzige der sechs Kinder, der mit seiner Familie noch in Innerrhoden lebt. «Unser Stamm ist mittlerweile sehr dünn geworden. Dies nicht zuletzt deshalb, weil bereits nebst meinem Vater nur noch ein Bruder von insgesamt elf Kindern den Namen <Maredli> durch Nachkommen weiter trug», hält Johann Koller fest.

Dieser Onkel wanderte aber als junger Mann nach Amerika aus. «Direkte Verwandte mit Nachnamen Koller habe ich somit in Appenzell keine mehr.» Die Verantwortung, dass der Stammeszweig nicht ausstirbt, liegt somit vor allem bei den zwei erwachsenen Söhnen Bruno und Andreas sowie der Tochter Maria. «Aber wie so viele ihrer Generation, verwenden sie ihren Spitznamen nur in Ausnahmefällen und da sie unter der Woche teils ausserhalb von Appenzell leben, benötigen sie ihn nicht zur Differenzierung.»

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