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Manfred Rüesch (1930–2017)

Im Gedenken
Eugen Auer
Manfred Rüesch (1930-2017). (Bild: APZ)

Manfred Rüesch (1930-2017). (Bild: APZ)

Welch eindrückliches Zeichen der Wertschätzung eines Menschen, wenn eine grosse Dorfkirche zu seinem Abschied bis auf den letzten Platz gefüllt ist. Dass Manfred Rüesch diese Wertschätzung zuteilwurde, ist nicht weiter erstaunlich. Mit ihm ist ein ausserordentlich liebenswerter Mensch im 88. Altersjahr aus einem grossen Kreis von guten Freunden und dankbaren Mitmenschen ausgeschieden.

Manfred (Mani) Rüesch hat seine Jugendjahre in Urnäsch verbracht, bis die Familie nach Herisau zog, wo sein Vater an der Sekundarschule unterrichtete. Nachdem er schon in Urnäsch eine Pfadfindergruppe gegründet hatte, fand er auch bei den Herisauer Pfadfindern bald gute Freunde, die ihm während seines ganzen Lebens treue Weggefährten waren. Nach den Lehrjahren als Maschinenzeichner bei Bühler Uzwil und einigen Jahren im Beruf, entschloss er sich mit 25 Jahren, in die Kantonsschule St. Gallen einzutreten, um mit acht Jahre jüngeren Klassenkameraden eine weitere Schulzeit durchzustehen. Seine Maturafeier war ein denkwürdiges Ereignis, dessen Teilnehmer sich bis zu Manis Tod und darüber hinaus unter der Bezeichnung Jugendlust immer wieder trafen und noch treffen.

Die Matura war die Voraussetzung für die Ausbildung zum Sekundarlehrer und damit zu einem Beruf, für den Mani Rüesch wahrhaft geschaffen, ja wohl berufen war. Er begegnete seinen Jugendlichen erst an der Sekundarschule in Rheineck und später als Lehrer an der Gewerbeschule in Herisau mit väterlicher Zuneigung, was seine Schüler spürten und besonders an ihm schätzten. Den Stoff, vor allem Geschichte und Staatskunde, vermittelte er mit Begeisterung. Für die Schwächen und Nöte der jungen Menschen zeigte er trotz zeitweiligem und für einen Lehrer unvermeidlichem Ärger viel Verständnis. Die Gewerbeschule führte er lange Zeit als Schulleiter. Zu einem guten Teil war es ihm zu verdanken, dass sie nach Herisau und nicht ins Mittelland zu stehen kam. Ihm oblag auch die Begleitung des Bauvorhabens, was einen enormen und natürlich unentgeltlichen Einsatz erforderte. Seine Gabe, die Schüler ernst zu nehmen und ihnen zuzuhören, hat ihm auch im Umgang mit andern Mitmenschen aus allen Gesellschaftsschichten viel Respekt und Zuneigung verschafft.

Initiant des Einwohnerrates Herisau

Einen grossen Stellenwert im Leben von Manfred Rüesch hatte der Sport. Als Offizier leitete er militärische Gebirgskurse, führte Skipatroullien und absolvierte mehrmals den Frauenfelder Waffenlauf, teils sogar mit seinem Vater. Mit seinen Militärkameraden blieb er zeitlebens verbunden. Das gilt auch für die Kameraden aus der Sektion Säntis des SAC, der Mani als Tourenleiter und einige Jahre als Präsident angehörte, denn er war ein begeisterter Alpinist. Kaum lag der erste Schnee, zog er mit den Langlaufskis seine Runden über die benachbarten Hänge zum Training für den Engadiner Marathon und weitere Wettkämpfe. Seine Skitouren führten ihn bis auf den Elbrus und seine Bergtouren bis auf den Kilimandscharo.

Vielfältig sind die Vereine und nebenberuflichen Aktivitäten, denen sich Mani annahm. Er leitete einen Chor und war während 44 Jahren einer der sieben Sänger der Vereinigung zur Pflege des sentimentalen Volksgesanges. Der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft, dem Hilfsverein für psychisch Kranke und dem Wohnheim Kreuzstrasse im Kreckel diente er als Mitglied des Vorstands. Er rief den Verein zur Renovation der Dorfkirche Herisau ins Leben, um der Realisierung dieses dringenden Vorhabens einen Schub zu geben. Bei all diesen Aktivitäten leistete er uneigennützige Basisarbeit und drängte sich nie in den Vordergrund. Politische Ämter suchte er nicht. Als es aber darum ging, in der Gemeinde Herisau endlich ein Parlament, also den Einwohnerrat zu schaffen, war er es, der elf Mitstreiter um sich scharte und als sogenannte Zwölfergruppe den ersten Anstoss dazugab. Auch als es darum ging, den überbordenden Deponieablagerungen im Rohren ein Ende zu bereiten, ergriff er die Initiative und gründete zu diesem Zweck den Quartierverein Egg. Während 30 Jahren war er zudem begeisterter Imker. Dass er trotz all dieser Aktivitäten das Tagesgeschehen verfolgte, verstand sich für ihn von selbst. Wissensbegierig begegnete er allem Neuen und war bis in die letzten Tage seines Lebens ein engagierter Leser von Sach- und Geschichtsbüchern.

Die Grundfeste all dieses erfüllten Lebens waren für Mani Rüesch aber seine Frau und seine Kinder. Seinen Jugendfreunden erklärte er einmal, er heirate nur eine Frau, die sich am Seil bewährt habe. Die reizvolle Glarnerin Margrit Streiff bestand diesen Test. Sie war Mani während 57 Jahren eine liebevolle Gattin mit viel Rücksicht auf seine zahllosen Unternehmungen. Eine Quelle der Freude waren ihm natürlich sein Sohn, seine beiden Töchter und seine beiden Enkel.

Kein Wunder also, dass in der vollen Dorfkirche Herisau zahllose Jugendfreunde, Militär- und Bergkameraden, ehemalige Schüler, ja überhaupt eine Vielzahl dankbarer Mitmenschen traurig von Mani Abschied nahm.

Eugen Auer

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