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Manchmal gräbt er auch Rasen um

Wie die Ostschweiz am Sonntag berichtete, erobern nach den Füchsen nun auch Dachse allmählich die Städte. Wildhüter Urs Büchler sagt, warum diese schönen Tiere zwar Schädlingsbekämpfer sind, aber im Toggenburg auch Schaden anrichten – nicht nur in der Landwirtschaft.
Hansruedi Kugler
Urs Büchler Wildhüter Kreis 6 – Neckertal, mittleres und oberes Toggenburg (Bild: Katharina Rutz)

Urs Büchler Wildhüter Kreis 6 – Neckertal, mittleres und oberes Toggenburg (Bild: Katharina Rutz)

Den Dachs zieht's offenbar vermehrt in die Städte. Im Toggenburg hingegen ärgert der Dachs doch bisher vor allem die Bauern.

Urs Büchler: Zunächst möchte ich sagen, dass ich den Dachs ein herrliches Tier finde. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich eine Dachsfamilie sehe. Es sind wunderschöne Tiere. Aber es stimmt: Sie richten auch Schäden an. Ich würde diese aber nicht auf die Landwirtschaft einschränken. Klagen erreichen mich auch von Einfamilienhaus-Besitzern. Gerade diese Woche war ich in Wattwil, wo ein Dachs mehrere Dutzend Löcher in einen Rasen gehauen hat.

Was hat er dort gesucht?

Büchler: Er riecht zum Beispiel Engerlinge vom Junikäfer, die in den geschädigten Flächen oft massenweise vorkommen. Die sind für den Dachs ein Leckerbissen. Er hat einen hervorragenden Geruchsinn, riecht die Engerlinge sogar durch die Erdoberfläche und reisst dann den Rasen auf. Die Löcher sind nicht tief, aber etwa 5 bis 10 Zentimeter im Durchmesser.

Urs Büchler Wildhüter Kreis 6 – Neckertal, mittleres und oberes Toggenburg (Bild: Katharina Rutz)

Urs Büchler Wildhüter Kreis 6 – Neckertal, mittleres und oberes Toggenburg (Bild: Katharina Rutz)

Engerlinge machen doch die Pflanzen kaputt.

Büchler: Genau. Engerlinge fressen die Wurzeln der Gräser. Wenn zu viele Engerlinge in der Erde sind, stirbt der Rasen sogar ganz ab. Der Dachs ist also ein natürlicher Schädlingsbekämpfer. Aber klar: Die Löcher im Rasen sehen nicht schön aus.

Werden Sie als Wildhüter in solchen Fällen oft um Hilfe gebeten?

Büchler: Die Leute rufen erst an, wenn sie einen grösseren Schaden bemerken. Die meisten Klagen treffen im Herbst ein. Sobald der Boden nachts einfriert, stoppt das auch die Dachse. Er hält dann Winterruhe und kommt nur noch gelegentlich für die Futtersuche aus seinem Bau heraus.

Von Mitte Januar bis Mitte Juni ist Schonzeit. Schiessen darf man den Dachs in dieser Zeit nicht. Was raten Sie dem Rasenbesitzer?

Büchler: Wegen ein paar Löchern in einem Rasen bietet man keinen Jäger auf, den Dachs zu schiessen. Zunächst sage ich dem Rasenbesitzer, dass Dachse die Flächen nur vorübergehend aufsuchen. Die Engerlinge verpuppen sich im Frühjahr und schlüpfen bald, dann kommt auch der Dachs nicht mehr. Zudem empfehle ich Abwehrmassnahmen: Die wirkungsvollste Massnahme, um den Rasen zu schützen, ist, ihn mit einem Elektrodraht zu umgeben. Dieser wird auf rund zehn Zentimeter über Erdboden gespannt. So, wie man es bei Viehzäunen macht. Das ist zwar aufwendig, aber der Dachs wird dann nicht mehr kommen.

Wozu dient diese lange Schonzeit?

Büchler: Es geht darum, dass die Jäger im Frühling nicht Muttertiere schiessen. Sonst droht dem Nachwuchs ein qualvoller Hungertod im Dachsbau.

In Städten werden Dachse immer häufiger heimisch. Bauen Dachse ihre Höhlen auch im Zentrum von Toggenburger Dörfern?

Büchler: Mir sind keine bekannt. Wenn Dachse in Städten heimisch werden, dann in Parkanlagen. In aller Regel bauen sie ihre Höhlen aber am Waldrand und verursachen auf ihren Streifzügen, die mehrere hundert Meter lang sein können, vor allem Schäden bei Liegenschaften in Waldnähe.

Sind Dachse für Katzen und Hunde gefährlich?

Büchler: Mir ist kein Fall bekannt, bei dem ein Dachs eine Katze angegriffen hätte. Sie greifen auch keine Hunde an, es sei denn, sie müssten sich verteidigen. Dachse sind sehr wehrhafte Tiere mit einem ausserordentlich starken Gebiss. Ein solches brauchen sie auch, weil sie relativ langsam sind und deshalb schlecht fliehen können. Wenn Dachse von Hunden angegriffen werden, verlieren in der Regel die Hunde. Ich sah schon übel zugerichtete Hunde. Weil stärkere Raubtiere fehlen, haben Dachse hier im Toggenburg kaum natürliche Feinde.

Sind Dachse für den Menschen gefährlich?

Büchler: Absolut nicht. Dachse riechen sehr gut und gehen Menschen aus dem Weg. Man sollte aber beachten, dass man Dachse nicht in die Enge treiben darf. Dann wehren sie sich und wie gesagt: Dachse haben ein starkes Gebiss.

Im Kanton St.Gallen werden jedes Jahr rund 200 Dachse geschossen. Letztes Jahr waren es 211. In welchen Fällen werden Dachse geschossen?

Büchler: Hauptsächlich dann, wenn sie starke Schäden in der Landwirtschaft anrichten, zum Beispiel in Maisfeldern oder Rebbergen und wenn die Abwehrmassnahmen zu teuer wären. Stehen diese Felder oder Rebhänge in Waldnähe, wirken sie wie Magnete auf die Dachse. Die Ernteausfälle wegen Dachsen sind aber kaum zu vergleichen mit den viel gravierenderen Schäden, die Wildschweine gelegentlich anrichten. Man muss zudem berücksichtigen: Dachse sind keine gefährdete oder bedrohte Tierart und dürfen wie Füchse auch gejagt werden. Auch wenn man sie kaum je zu Gesicht bekommt, sind sie keineswegs selten. Sie sind in ganz Europa verbreitet und bis in Höhenlagen von 1800 Meter über Meer heimisch.

Man hört gelegentlich von der Angst der Landwirte, dass die Dachshöhlen einstürzen.

Urs Büchler: Dachse graben umfangreiche Höhlensysteme. Neben dem störenden, relativ grossen Aushub, der die Bewirtschaftung des Bodens behindert, gibt es tatsächlich die Gefahr, dass sie durch Belastung einstürzen, wenn eine Mauer darübersteht oder wenn ein Traktor darüberfährt.

Gejagt wurden Dachse auch früher. Mehr als Schädlinge oder auch wegen ihrem Pelz?

Büchler: In erster Linie wegen ihres Pelzes, der früher wertvoll war. Gelegentlich wurde auch das Fleisch des Dachses gegessen.

Wie tötet man heute Dachse? Wohl nicht mehr durch Vergasen?

Büchler: Das Einleiten von Giftgas in ihre Höhlen wurde nur zur Bekämpfung der Tollwut eingesetzt und ist seit Jahrzehnten verboten. Heute schiesst man sie meist in der Nähe ihrer Höhlen, was nicht einfach ist, denn die Dachse sind nachtaktiv. Man verzichtet heute auch weitgehend darauf, Hunde in die Höhlen zu schicken, um Dachse herauszutreiben. Denn allzu oft griffen die Dachse die Hunde an.

Von Dachsen aufgerissene Wiese in einem Toggenburger Garten. (Bild: Matthias Pfändler)

Von Dachsen aufgerissene Wiese in einem Toggenburger Garten. (Bild: Matthias Pfändler)

Dieser Toggenburger Dachs tappte auf seinen nächtlichen Streifzügen in eine Fotofalle. (Bild: pd)

Dieser Toggenburger Dachs tappte auf seinen nächtlichen Streifzügen in eine Fotofalle. (Bild: pd)

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