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«Manche warten am Fenster oder am Briefkasten auf mich»: Schwellbrunner Pöstler hört nach 44 Jahren auf

Hans Frischknecht aus Schwellbrunn geht in Pension. Am Mittwoch ist seine letzte Tour.
Astrid Zysset
Am Mittwoch wird Hans Frischknecht zum letzten Mal mit dem gelben Auto vorfahren und Briefe zustellen. (Bild: Astrid Zysset)

Am Mittwoch wird Hans Frischknecht zum letzten Mal mit dem gelben Auto vorfahren und Briefe zustellen. (Bild: Astrid Zysset)

Ein bisschen Überwindung hat es ihn gekostet, Red’ und Antwort zu stehen. Hans Frischknecht stellt klar, dass auch andere über vier Jahrzehnte in ihrem Job tätig waren, und keine öffentliche Verabschiedung in Form eines Zeitungsberichtes erhalten hatten. «Ich bin eher bescheiden. Ein stiller Abschied würde es auch tun.» Dennoch möchte er die Gelegenheit nutzen, seinen Kundinnen und Kunden Lebewohl zu sagen. Nach 44 Jahren im Postdienst verabschiedet sich Frischknecht in den Ruhestand. Am Mittwoch ist sein letzter Arbeitstag.

Seine Tour beginnt in Schwellbrunn beim Dorfladen und führt ihn täglich Richtung Dicken, unter anderem durch die Quartiere Risi, Moosegg, Ettenberg und Engishalden. «Den Rest der Gemeinde übernimmt ein Kollege», so Frischknecht. Für jenen sortiert er die Briefe auch vor. Morgens um sechs Uhr beginnt Frischknechts Schicht in Herisau mit den Tourvorbereitungen. Anschliessend sitzt er in seinen gelben VW Caddy und fährt von Haus zu Haus. Eine Arbeit, die ihm sehr gefällt. Besonders den Kontakt zu den Kunden schätzt er.

«Manche warten am Fenster oder am Briefkasten auf mich. Das ist schön zu sehen.»

Freut sich auf ruhige Stunden in Stein

Trotzdem lockt nun die Frühpensionierung. Frischknecht sagt, dass einer der Auslöser, warum er diesen Schritt nun wagt, der Zeitdruck gewesen sei. Er sehe jeweils, wie die jüngeren Kollegen schneller von ihren Touren zurückkommen als er. Die hohen Erwartungen an sich selbst liessen ihn auch während der vielen Winter ab und an zu oft ausrücken, als dass es die Strassenverhältnisse zugelassen hätten. «Ein Bauer fand sich immer, der mich wieder aus den Schneemassen rausgezogen hat», erinnert sich Frischknecht.

Doch alles in allem: Der Druck setzte ihm zu. So sehr, dass er nun froh ist, all das hinter sich zu lassen. Er freut sich auf ruhige Stunden nach seiner Pensionierung, darauf, Gedichte zu schreiben, zu lesen und zu wandern. Ein Umzug mit seiner Partnerin nach Stein steht ebenfalls an. «Eigentlich wollten wir in Schwellbrunn bleiben. Doch hier fanden wir keine Wohnung mit Garten.»

1975 begann Frischknecht als Betriebssekretär in Zürich. «Ursprünglich wollte ich Lehrer werden, hatte die Aufnahmeprüfung an das Lehrerseminar jedoch nicht bestanden.» Eine Karriere im Postdienst lag nahe, war doch sein Vater bereits Posthalter in Schwellbrunn. In dessen Fussstapfen trat Hans Frischknecht schliesslich 1992. Er erinnert sich gut, wie er in seiner Funktion anfangs noch die Geschäftsführung der Raiffeisenbank übernahm, wie er einzelne Billette von Hand ausstellte und wie die Telegramme an den Hochzeitsmorgen zugestellt wurden.

Aufgrund des erhöhten Verkaufsdrucks wechselte Frischknecht 2006 dann jedoch freiwillig in den Zustelldienst und macht seitdem seine Touren durch Schwellbrunn. Er blickt mit einem guten Gefühl zurück.

«Ich hatte ein gutes Miteinander mit meinen Kollegen wie auch den Vorgesetzten.»

Letzteres mag erstaunen, da sich Frischknecht als Gewerkschaftsmitglied oftmals mit Nachdruck für bessere Arbeitsbedingungen eingesetzt hatte. Auch der Kontakt mit den Kundinnen und Kunden verlief reibungslos. Abgesehen von einem «Chunsch au endlich» hätte er nie negative Reaktionen erhalten. Und wie steht es mit den Hunden? «Einmal hat mich einer geschnappt. Gebissen wurde ich aber nie», so Frischknecht. «Ich hatte den Bläss’ immer gut zugeredet. Sie seien doch lieb, hatte ich ihnen gesagt. Irgendwann hatten sie es mir wohl geglaubt.»

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