Man spricht Spanisch

Kürzlich verbrachte ich mit einem Freund Ferien in der Dominikanischen Republik. Unsere fehlenden Spanischkenntnisse sahen wir vor der Abreise nicht als Problem an. Im Ferienparadies sollte die Verständigung in Englisch ja eine Selbstverständlichkeit sein.

Jesko Calderara
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St. Gallen - Jesko Calderara Redaktion Appenzell (Bild: Jesko Calderara)

St. Gallen - Jesko Calderara Redaktion Appenzell (Bild: Jesko Calderara)

Kürzlich verbrachte ich mit einem Freund Ferien in der Dominikanischen Republik. Unsere fehlenden Spanischkenntnisse sahen wir vor der Abreise nicht als Problem an. Im Ferienparadies sollte die Verständigung in Englisch ja eine Selbstverständlichkeit sein. Doch schon bei der Ankunft wurden wir eines Besseren belehrt. Nach einer halsbrecherischen Taxifahrt durch den Feierabendverkehr der Drei-Millionen-Metropole Santo Domingo mit einem Einheimischen, der sich in keiner Fremdsprache verständigen konnte, empfing uns die Dame an der Hotelreception mit den Worten: «Buenas noches . . .». Alles Weitere verstand ich leider nicht. Auf unsere Bitte hin, Englisch zu sprechen, reagierte sie nur mit Schulternzucken und fuhr in der Landessprache fort. Nach einigem Hin und Her konnten wir einchecken. Die Sprachbarrieren blieben jedoch. Nach und nach stellte sich heraus, dass mit einer Ausnahme keiner der Hotelangestellten nur ein Wort Englisch sprach. Schon gar nicht die dominikanischen Schönheiten im hauseigenen Restaurant. Wortlos lächelnd streckten sie jeweils den fremdsprachigen Gästen die Speise- und Getränkekarte entgegen.

Mehr als einmal schimpfte ich insgeheim über das unprofessionelle Personal im Hotel, bedauerte aber auch, an der Kantonsschule keine Spanisch-lektionen besucht zu haben. Irgendwie erinnerten mich die Szenen an den satirischen Spielfilm «Man spricht deutsh» mit dem Schauspieler und Kabarettisten Gerhard Polt. Der Streifen handelt von einer bayrischen Familie, die sich im Italienurlaub unter anderem über die lokalen Sitten und Verständigungsprobleme ärgert. Als spiessige Touristen wollten wir aber nicht auftreten und nahmen die sprachlichen Hürden gelassen hin. Ich lernte sogar, mein Bier auf Spanisch zu bestellen. Die Bardamen wiederum wussten allmählich, welche Biermarke wir bevorzugten. In den Ferien ist mir klar geworden: Sprachbarrieren lassen sich überwinden – auch in der Dominikanischen Republik. Was es dazu braucht, ist die Bereitschaft zur Verständigung mit Händen und Füssen.