Man nehme einen Baumstamm

DREIEN. Das Zuhause von Bruno Bächtiger in Dreien liegt etwas abseits, fast versteckt. Ein grosser Bär hält im Garten Wache, ein Adler will sich grad in die Lüfte schwingen, ein Steinbock ruht in Pose mit weiteren Figuren – und alle sind aus verschiedenen Hölzern mit der Kettensäge geschnitzt.

Fränzi Göggel
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Bruno Bächtiger inmitten seiner Sägen. Die Längste auf dem Bild misst 75 cm, die kleinste ist 25 cm lang. (Bild: Fränzi Göggel)

Bruno Bächtiger inmitten seiner Sägen. Die Längste auf dem Bild misst 75 cm, die kleinste ist 25 cm lang. (Bild: Fränzi Göggel)

Eine grosse Kerze aus Birkenholz, geschnitzt mit einer ganz normalen Kettensäge, dieser erste Versuch vor circa vier Jahren bereicherte die Freizeit von Bruno Bächtiger markant. «Ich hatte damals nicht das Gefühl, gleich mit Kettensägenschnitzen beginnen zu wollen. Es war nur eine Idee etwas Neues auszuprobieren», erzählt der 44jährige Künstler und fährt fort, «doch schon bald merkte ich, dass mich das Kettensägenschnitzen reizt. Ich besuchte einen zweitägigen Kurs, um einen Uhu zu schnitzten. Da stellte ich fest, dass mein Uhu, verglichen mit denen der andern Teilnehmern, wirklich wie ein Uhu aussah. Just zu Hause, habe ich sofort einen Adler aus einem Birkenstamm geschnitzt. Das Holz hatte ich von meinem Nachbarn, ein <Hölziger> mit eigenem Wald», erzählt er von seinem Werdegang.

Bäume sind für ihn Lebewesen

Mittlerweile weiss er, dass Birkenholz zum Schnitzen nicht optimal ist. «Am liebsten arbeite ich mit Holz, das im Winter im Nidsigänt geschlagen wurde. Also bei abnehmendem Mond. Dieses Holz ist länger haltbar und viel resistenter gegen Pilzbefall und andere Schädlinge», klärt er auf.

Extra einen Baum fällen, nur um daraus eine Skulptur zu schnitzen, lehnt er ab. Bruno Bächtiger wählt nur Stämme aus, die schon geschlagen wurden oder vom Förster gefällt werden müssen. «Ich fälle keine Bäume für mein Hobby. Bäume sind für mich auch Lebewesen.» Holz aus der Region ist ihm ein Anliegen. Weisstanne oder Pappel bevorzugt er, wünscht ein Kunde Arve, fährt er dafür ins Bündnerland. Grosse Stämme lässt er sich bringen, kleinere holt er selber mit seinem Auto mit Anhänger.

Bruno Bächtiger schnitzt hauptsächlich Kundenaufträge. Trotzdem will er sein Hobby nicht zum Beruf machen. «Müsste ich davon leben, ginge die Freude daran verloren und es wäre mir zu anstrengend», macht er klar. So arbeitet er weiter als Projektleiter bei SBB Telecom und schnitzt in der Freizeit das, was seine Kunden wünschen. Der Fülle von Ideen sind bei dieser Kunst zum Glück keine Grenzen gesetzt. «Ich musste noch nie einen Wunsch abschlagen, höchstens ein bisschen beratend zur Seite stehen», verrät der Holzkünstler. Für ein Bänkli beim Eselparadies in Gähwil, benutzte Bruno Bächtiger die Tiere, die dort wohnen, den Esel Spartacus und den Schafbock Moby Dick gleich als Model für die Stützen der Bank.

Nichts zu gross zum Schnitzen

Das acht Meter hohe Totem, welches bei American/British Bikes in Bütschwil steht, skizzierte Bruno Bächtiger zuerst auf Papier und übertrug den Entwurf danach Freihand auf den Stamm. «Dieses Projekt war eine knifflige Aufgabe, ich schnitzte den auf Kanthölzer liegenden Stamm am Boden. Um die Figuren seitlich und hinten schnitzen zu können, musste ich den Stamm drehen. Die Spannweite des Adlers beträgt ganze 4,5 Meter, ein Megading», schwärmt er von der logistischen Herausforderung. Bruno Bächtiger nimmt auch an Meisterschaften im Kunstschnitzen teil. Das erste Mal an der Schweizer Meisterschaft 2013 hiess das Thema «Schnitze ein Bänkli aus einem 4 m langen Eichenstamm». «Für mich war es der erste Wettkampf überhaupt. Dementsprechend gross war meine Freude über den erreichten 2. Rang.»

Das Totem in Bütschwil war eine grosse logistische Herausforderung. (Bilder: Fränzi Göggel)

Das Totem in Bütschwil war eine grosse logistische Herausforderung. (Bilder: Fränzi Göggel)