Mal ist sie Kim, mal ist sie Peggy

Vor vier Jahren stand Kim Lemmenmeier für ihr Matura-Musical in Trogen auf der Bühne. Nun lebt sie in Hamburg, wo sie ihre Musicalausbildung abgeschlossen hat. Was nach einem Traum klingt, fordert körperliche und mentale Stärke.

Stephanie Sonderegger
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Kim Lemmenmeier Musicaldarstellerin Hamburg

Kim Lemmenmeier Musicaldarstellerin Hamburg

TEUFEN/HAMBURG. An Montagen hat Kim Lemmenmeier Zeit. Es ist der einzige Tag in der Wochen, an dem die Teufnerin nicht auf der Bühne steht und die Hauptrolle der Peggy Sawyer im Hamburger Musical «42nd Street» spielt. Doch ausruhen, das liegt für die frisch ausgebildete Musicaldarstellerin nicht drin. Nach erfolgreich abgeschlossener Prüfung steht die 22-Jährige aktuell achtmal pro Woche für das Abschlussmusical auf der Bühne. Anfang August präsentiert sie dann ihr Prüfungsprogramm in «Best Of 2016» im gleichen Theater. Weitere Arrangements hat sie zurzeit noch keine. Resignieren will die Wahlhamburgerin dennoch nicht – ihr Traum ist zu gross.

Als Kind auf der Bühne

Singen, tanzen und schauspielern – drei Leidenschaften, denen Kim Lemmenmeier seit vielen Jahren nachgeht. «Ich habe früher im Kinderchor in St. Gallen gesungen», erzählt die ambitionierte Musicaldarstellerin. Dort sei sie bereits mit neun Jahren zum ersten Mal auf der Bühne des St. Galler Theaters gestanden. Ihre erste solistische Rolle hatte sie als «Kleine Cosette» in «Les Misérables». Fortan nahm sie Gesangs-, Tanz- und Schauspielunterricht. Sie absolvierte die Kantonsschule in Trogen und beendete ihre offizielle Schulzeit 2012 mit der Aufführung eines eigenen Musicals. «Ich komponierte, schrieb und choreographierte alles selber.»

Ein Jahr später besuchte sie einen Musical-Workshop in Zürich – organisiert von der Hamburger Stage School. «Nach drei Tagen habe ich das Angebot für die Musicalschule in Hamburg bekommen», erzählt Kim Lemmenmeier. Die Teufnerin zögerte nicht lange und sagte zu. Mit einer Freundin suchte sie sich eine passende Wohnung und zog in die Hansestadt. «Ein Woche später begann meine Ausbildung.»

Von 120 auf 30

Trotz zweier Vorstellungen am Vortag wirkt Kim Lemmenmeier keineswegs müde am Telefon. Sie wirkt frisch und auch das Schweizerdeutsch hat sie im Norden Deutschlands noch nicht verlernt – im Gegenteil. «Wenn ich mich selber sprechen höre, fällt mir immer wieder auf, dass ich an meinem Hochdeutsch arbeiten muss», sagt sie. «So hat jeder seine Baustelle.»

An Ehrgeiz fehlt es der Mittelländerin nicht. Obwohl sie kürzlich ihre dreijährige Musicalausbildung an der Hamburger Stage School abgeschlossen hat, will Kim Lemmenmeier weiter an sich arbeiten. «Man muss dran bleiben. Singen, tanzen und schauspielern ist nicht wie Mathe lernen. Der Körper macht nicht immer alles von Anfang an mit.» Die Auseinandersetzung mit sich selber, sie gehöre zum Lernprozess, so die Teufnerin. «Besonders in der Ausbildung wird man sowohl körperlich als auch mental gefordert.» Das liege nicht jedem. So begann Kim Lemmenmeier die Schule mit rund 120 Kommilitonen, mit 30 beendete sie diese. «Viele haben während der Ausbildung aufgehört», so die Musicaldarstellerin. «Einige Dozenten raten einem aufzuhören, sobald man eine andere Option in Betracht zieht.»

Schwierige Arbeitssituation

Für Kim Lemmenmeier kam das Aufhören nicht in Frage. Dennoch weiss sie um die schwierige Arbeitssituation in ihrem kreativen Berufsfeld. «Ich hatte bereits mehrere Castings, bei denen ich nicht genommen wurde», sagt die Jungdarstellerin. Sie sei nach Zürich, Wien und Berlin gereist – vergebens. Entmutigen lässt sie sich davon aber nicht. «Das ist normal am Anfang, wenn du noch keine Erfahrung vorweisen kannst.» Mit den bisherigen Hauptrollen in den zwei Stücken der Hamburger Stage School – im letzten Jahr spielte sie Alice im Stück «Wonderland» – hofft die Teufnerin auf grössere Chancen bei den kommenden Castings. Wählerisch betreffend der Rolle ist die Musicaldarstellerin nicht. «Ich bin offen für alles.»

Montag – ein freier Tag und doch keiner für Kim Lemmenmeier. Sie hat mehr als genug zu tun: Sich bewerben für künftige Castings zum Beispiel. Oder den Körper im Fitness auf Vordermann bringen. Denn einen Plan B neben den Musicals hat sie nicht. «Ich will Gas geben und mein Glück jetzt versuchen», sagt Kim Lemmenmeier am Telefon. «Damit ich als professionelle Musicaldarstellerin auf den Bühnen stehen kann.» In Hamburg, Zürich oder Wien. Vielleicht auch in St. Gallen.

Bis zum 22. Juli steht Kim Lemmenmeier in Hamburg als Peggy Sawyer im Stück «42nd Street» auf der Hamburger Bühne. (Bilder: Dennis Mundkowski)

Bis zum 22. Juli steht Kim Lemmenmeier in Hamburg als Peggy Sawyer im Stück «42nd Street» auf der Hamburger Bühne. (Bilder: Dennis Mundkowski)