Mahnmal aus Flüchtlingsbooten

Ab heute steht auf dem Dunantplatz in Heiden die Kunstinstallation «Leuchtturm für Lampedusa». Unzählige bunte Bänder von zerschnittenen Flüchtlingsbooten hängen am Gerüst. Sekschüler haben gestern die Installation aufgebaut.

Roger Fuchs
Drucken
Teilen
Ein Leuchtturm aus Gummifetzen auf dem Dunantplatz in Heiden. Sie alle stammen von Flüchtlingsbooten. (Bild: rf)

Ein Leuchtturm aus Gummifetzen auf dem Dunantplatz in Heiden. Sie alle stammen von Flüchtlingsbooten. (Bild: rf)

HEIDEN. Die Insel Lampedusa im Mittelmeer ist seit Jahren zu einer Art Frontlinie in der Flüchtlingskatastrophe geworden. Immer wieder stranden dort Einwanderer auf ihrem Weg nach Europa. Doch nicht alle schaffen es bis nach Lampedusa. Mehrfach schon berichteten Medien von Flüchtlingsdramen vor der Insel und dem Meer, das zum Ort des Todes wurde.

Einer, der in dieser Situation ein Zeichen der Hoffnung setzen will, ist der deutsche Installationskünstler Thomas Kilpper. Schon an verschiedenen Orten – darunter Mailand, Rom oder zuletzt in Luzern – wurde sein sogenannter Leuchtturm für Lampedusa aufgestellt. Er soll ein Zeichen für mehr Humanität setzen. Gestern hat der Aufbau des Turms auf dem Dunantplatz in Heiden begonnen.

Erschreckendes Elend

Der Leuchtturm für Lampedusa ist ein Stahlgerüst, an dem zahlreiche bunte Bänder von kaputten Schlauchbooten hängen. Für die Drittsekschüler von Heiden, welche in diesem Schuljahr das Wahlpflichtfach «Aktuelles Zeitgeschehen» besuchen und die gestern die Bänder anbrachten, schien der Aufbau vorab eine schulische Abwechslung zu sein. Lehrer Dani Sieber drückte parallel dazu aber seine Hoffnung aus, dass das Bewusstsein der Schülerinnen und Schüler für das Flüchtlingselend in den nächsten Wochen noch geschärft wird. Man werde in den kommenden Lektionen das Thema Flüchtlinge behandeln, der Aufbau des Leuchtturms für Lampedusa bilde den Einstieg in die Thematik. Sieber selbst findet es erschreckend, wie unterschiedliche politische Auffassungen oder verschiedene Religionen der Auslöser für das Elend von Hunderttausenden von Menschen sein können.

Deutliche Worte findet auch Josef Büchelmeier, Mitarbeiter des Dunant-Museums. «Ich kriege Gänsehaut, wenn ich all diese Gummifetzen sehe.» Büchelmeier denkt an die grosse Verzweiflung, die Menschen haben müssen, um eine Bootsfahrt ins Ungewisse zu wagen. «Umso mehr sind wir in Ländern wie der Schweiz gefordert, die Flüchtlinge auch aufzunehmen. Dies ist ein Akt der Solidarität und Menschlichkeit», sagt Josef Büchelmeier.

Menschlichkeit ohne Grenzen

Offiziell eröffnet wird der Leuchtturm für Lampedusa am Donnerstag, 20. August, 18 Uhr. Nach Heiden gebracht haben die Installation das Dunant-Museum und die Evangelische Kirchgemeinde Wolfhalden. Zusammen wollen sie die zweite Jahreshälfte dem Thema «Menschlichkeit ohne Grenzen» widmen. Unter anderem wird es auch einen Begegnungstag mit Flüchtlingen geben.

Mehr Infos: www.dunant-museum.ch