Männer-Schreck mit Schläger

Tischtennis-Schweizer-Meisterin Rahel Aschwanden hat am Obersee-Cup in Jona ihre spielerischen und taktischen Fortschritte bestätigt. Sie pendelt weiterhin als studierende Profisportlerin zwischen Bütschwil und Wien hin und her.

Urs Huwyler
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Rahel Aschwanden forderte ihre Gegner am Obersee-Cup in Jona heraus und konnte spielerische und taktische Fortschritte bestätigen. (Bild: Urs Huwyler)

Rahel Aschwanden forderte ihre Gegner am Obersee-Cup in Jona heraus und konnte spielerische und taktische Fortschritte bestätigen. (Bild: Urs Huwyler)

TISCHTENNIS. Der italienische Profi-Tischtennisspieler Simone Spinicchia studierte im Foyer der Grünfeld-Halle die Autogrammkarte der Bütschwilerin Rahel Aschwanden. Beim ersten Obersee-Cup in Jona bildete Luganos Spielertrainer mit der Einzel-/Doppel-Schweizer-Meisterin ein Paar. «Wir können um den Titel mitspielen», wagte er eine Prognose.

Um allfällige Gerüchte im Keim zu ersticken: Privat zieht es seine Partnerin zum bei Wil spielenden Filippo Nick, seines Zeichens OK-Vizepräsident des Cups. Die internen Beziehungen dürften dazu beigetragen haben, dass Simone Spinicchia der viel beachteten Rahel Aschwanden zugeteilt wurde. Sie bestätigte die Vermutung mit einem vielsagenden Schmunzeln.

Grosse Herausforderung

Wer nun allerdings im Tischtennis einen direkten Kampfrichter-Einfluss wie bei den Schwingern vermutet, liegt falsch, denn «Sie+Er» trafen durchwegs auf «Er+Er»-Duos. Was für Aschwanden eine ziemliche Herausforderung darstellte. Von sechs Vorrunden-Duellen gingen denn auch fünf (teilweise knapp) verloren. Trost brauchte die Kämpferin trotzdem nicht. «Sie macht das Richtige. Die Partien gegen Männer, die ihrerseits gegen eine Frau nicht verlieren wollen, bringen sie weiter. Sie wird in jedem Match gefordert. Und sie spielt stark», lobte der frühere schwedische Internationale Christian Ohlsson die Aussenseiterin.

Out im Viertelfinal

«Rahel national» wusste die verlorenen Partien in Jona richtig einzuschätzen. «Gegen Männer verlaufen die Spiele anders, sie sind intensiver, lassen sich kaum mit jenen gegen Frauen vergleichen», zog die in Wien trainierende Psychologie-Studentin (Fernstudium in Bern) eine positive Bilanz. Ohne Respekt forderte der Männer-Schreck mit ihrem Schläger das mehrmals angezählte halbstarke Geschlecht, smashte ohne Rücksicht auf Verluste was das Zeug hielt. «Ich hatte mit ihrem Aufschlag Mühe», gestand Denis Bernhard nach seinem 3:1-Sieg.

Das Profi-Leben fern der Heimat mit täglich fünf Stunden Training in der Walter Schlager-Akademie wirkte sich auch gegen die Männer-Bastion positiv aus. «Vor einem Jahr», betonte die Wahl-Österreicherin, «hätte ich hier keinen Satz gewonnen. Fortschritte sind erkennbar.» Vor allem die Leistungskonstanz bewege sich auf einem höheren Niveau als während der Kantonsschulzeit. Leicht irritiert den Kopf schüttelnde Gegner bestätigten die Erkenntnis.

Dank der Siegesserie des überragenden Simone Spinicchia (er gewann alle Gruppenspiele) und Rahel Aschwandens Erfolg im letzten Vorrunden-Einzel qualifizierte sich das gemischte Doppel für die Viertelfinals. Dort war gegen die späteren Sieger Csaba Molnar (Un) und Petr Blazek (Tsch) mit dem 2.7 Gramm leichten Zelluloidball allerdings Schluss.

Obwohl die 1993 in Wattwil geborene Toggenburgerin gegen Rapperswils Spielertrainer Blazek zwei Sätze gewinnen konnte. Aber Molnar (Lugano) liess auch ihrem Partner keine Chance.

Kein Heimweh

So jetete die dynamische Angriffsspielerin primär mit weiteren Erfahrungen in die österreichische Hauptstadt zurück. Am Donnerstag folgt für die «gnädige Spitzensportlerin» wieder der Heimflug, weil es am Wochenende in der deutschen Regionalliga mit Weil am Rhein wettkampfmässig weitergeht. «Heimweh habe ich überhaupt nicht. Ich bin ja fast jedes Wochenende zu Hause», erklärte die dorfintern von B-Sport und Egli AG unterstützte Rahel Aschwanden.

Bis Ende 2014 wird sie eine Churfirsten-Wienerin bleiben, dann muss sie die Situation neu beurteilen. Am 2. Obersee-Cup dürfte es demnach für die Männer gegen die Athletin an der Platte noch schwieriger werden. Und auf der Autogrammkarte sollten weitere Erfolge aufgelistet sein.

Simone Spinicchia wird wohl (wissend) vor allem das Bild auf der Vorderseite betrachten und sie auch zwischen den Partien mit technischen Tips und taktischen Ratschlägen coachen.

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