Mach dich langsam auf den Weg

Sonntagsgedanken

Philippe Müller
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Ein Blick über die Thur und Lütisburgs Brücken. (Bild: PD)

Ein Blick über die Thur und Lütisburgs Brücken. (Bild: PD)

«Ich glaube, ich sollte langsam aufbrechen.» Mit diesen Worten signalisiert ein Gast, dass er sich auf den Heimweg machen will. Er gibt dem Gastgeber und sich selbst Zeit, den Aufbruch sanft zu gestalten. Für mich ist dieser Satz oft das sichere Indiz, dass der Besuch sich noch eine ganze Weile hinziehen kann. Vielleicht darum sagte mir eine Frau einmal, sie möge diesen Satz überhaupt nicht. Entweder man geht jetzt oder man geht nicht. Die Adventszeit beinhaltet beides. «Advent» heisst «Ankunft» und meint die Ankunft des Gottessohnes. Und diese Ankunft feiern wir mit seinem Geburtstag am Heiligen Abend. Eigentlich müsste darum der Heilige Abend «Advent» heissen, Ankunft Christi. Entweder er kommt an oder nicht. Mit der Adventszeit ist bei uns aber die ganze Zeit zwischen den vier Sonntagen vor Weihnachten gemeint. Wie wenn Christus sagen würde: «Ich glaube, ich sollte jetzt langsam zu euch kommen.» Wir bekommen eine Zeit der sanften Vorbereitung.

Wir sind gewohnt, dass alles schnell geht. Ich hatte eine neue Fotokamera bestellt. Man sagte mir, sie sei in vier Tagen abholbereit, und ich freute mich sehr drauf. Nach einer Woche habe ich nachgefragt. Die Bestellung war untergegangen. Sie würden das sofort nachholen, in einer Woche sei sie hier. Ich wurde sehr ungeduldig. Schliesslich hat es doch geklappt.

Es geht auf Weihnachten zu. Ja, ist es jetzt so weit oder doch nicht? Vielleicht will die Adventszeit uns das lehren: dass wir nicht alles sofort haben können. Dass wir uns immer wieder auf den Weg machen müssen. Auf den Weg zu Weihnachten. Auf den Weg zu Gott. Und vielleicht üben Sie gerade in dieser Zeit die Langsamkeit. Gehen Sie in jeder Adventswoche eine Strecke zu Fuss statt mit dem Auto. Oder nehmen Sie das Velo. Gestalten Sie die Übergänge langsam. Es muss nicht alles sofort sein. Die Adventszeit ist eine Zeitdauer. Machen Sie sich langsam auf den Weg. Aber machen Sie’s!

Philippe Müller