Lutzenberg: Neues Pflegeheim geplant ++ Politischer Druck wegen Landegg soll erhöht werden

Die Vorderländer Gemeinde plant mit einem Investor ein neues Alters- und Pflegeheim. Die Idee stösst auf Kritik. Ein Thema an der öffentlichen Versammlung war auch das Asylzentrum Landegg.

Jesko Calderara
Drucken
Teilen
An der Versammlung gab es Kritik an den Neubauplänen für ein Pflegeheim.

An der Versammlung gab es Kritik an den Neubauplänen für ein Pflegeheim.

Bild: David Scarano

Thal, Wolfhalden und zuletzt Walzenhausen: In den letzten 13 Jahren strebte Lutzenberg mit verschiedenen Nachbargemeinden ein gemeinsames neues Pflegeheim an. Aus unterschiedlichen Gründen kam keine dieser Varianten zustande. Nun drängt die Zeit, denn die Betriebsbewilligung für das Seniorenwohnheim Brenden läuft 2025 aus. Ab diesem Zeitpunkt sind schweizweit nur noch Heime zugelassen, welche Dienstleistungen über alle Pflegestufen anbieten können.

Nun strebt Lutzenberg eine eigenständige Lösung an. Die entsprechenden Pläne stellte die neue Gemeindepräsidentin Maria Heine Zellweger am Dienstagabend an einer öffentlichen Versammlung in der Turnhalle Gitzbüchel vor. Demnach soll am bestehenden Standort ein Neubau realisiert werden. Investorin und Betreiberin des neuen Alters- und Pflegeheims wäre das St.Galler Immobilienunternehmen Forti­mo AG. Geplant ist eine Überbauung mit 19 Pflegeplätzen, darunter auch solche für Menschen mit Demenz, Tages- und Nachtstrukturen sowie 18 behindertengerechte Wohneinheiten samt Serviceleistungen. Letzteres Angebot fehle zurzeit in Lutzenberg und entspreche einem steigenden Bedürfnis, sagte Heine Zellweger. Die Zusammenarbeit mit dem privaten Investor würde man in einer Leistungsvereinbarung regeln. Noch ist aber nichts entschieden. Der Überbauungsplan befindet sich im Augenblick zur Vorprüfung beim Kanton.

Unter den Anwesenden fielen die Reaktionen auf die Neubaupläne höchst unterschiedlich und teilweise ziemlich emotional aus. Mehrere Angestellte des Seniorenwohnheims wiesen auf die dortigen prekären baulichen Verhältnisse hin. Die Arbeitsbedingungen seien eine Zumutung, sagte etwa Heimleiterin Silvia Lüthi. Sie sieht grossen Handlungsbedarf. Es gab jedoch auch kritische Stimmen. Die Gemeinde müsse die harten Fakten auf den Tisch legen, verlangte ein Bürger. Als Beispiel nannte er die Details des Baurechtsvertrags. Erst dann könne man sich eine Meinung bilden. Ein Redner fand, dass die Gemeinde eine soziale Aufgabe nicht an Private übertragen sollte. Auch Befürchtungen über eine drohende Immobilienblase waren zu hören.

Gantenbein kandidiert als Gemeinderat

Ruedi Gantenbein, Gemeinderatskandidat.

Ruedi Gantenbein, Gemeinderatskandidat.

Bild: David Scarano

Zum Schluss des Abends waren die Ersatzwahlen vom 27. September ein Thema. Nach der Wahl von Maria Heine Zellweger an die Spitze des Gemeinderates besteht im Gremium eine Vakanz. Seit Dienstag gibt es mit Ruedi Gantenbein einen ersten Kandidaten. Der 67-Jährige wohnt seit 1995 in Wienacht. Gantenbein arbeitet als selbstständiger Architekt und Bauleiter. Ihn reizt vor allem das freie Ressort Finanzen. Er habe sein Leben lang mit Zahlen zu tun gehabt, sagte Gantenbein. So gehörte er mehrere Jahre der GPK an. Nun wolle er sich nochmals für seine Wohngemeinde einsetzen, so der Kandidat.


Bundesrätin Karin Keller-Sutter soll bei Landegg helfen

Nicht weniger emotional als das neue Pflegeheim war das Thema Asylzen­trum Landegg. Dort will der Trägerverein Integrationsprojekte St. Gallen (TISG) 2021 ein Zen­trum für minderjährige Asylsuchende einrichten. Der abgeschlossene Mietvertrag läuft bis Ende 2026. Sollte es bis dahin keine Lösung geben, könnte es mit der Gruppenunterkunft sogar noch über diesen Zeitpunkt weitergehen, drohte der Eggersrieter Gemeindepräsident Roger Hochreutener kürzlich an einer öffentlichen Versammlung. In Lutzenberg ist man derweil noch immer verärgert über die TISG-Pläne. Das Vorgehen sei politisch eine Katastrophe, sagte Gemeindepräsidentin Maria Heine Zellweger. Rechtlich habe die Gemeinde aber keine Möglichkeit, sich zu wehren. Der Gemeinderat hat dem St. Galler Regierungsrat Fredy Fässler einen Brief mit einigen Forderungen geschickt. Eine Antwort steht noch aus. Der TISG hält jedoch an seinem Vorhaben fest, in der Landegg minderjährige Asylsuchende unterzubringen. Aus diesem Grund will Lutzenberg nun den politischen Druck erhöhen. Zur Diskussion steht ein offener Brief an Bundesrätin Karin Keller-Sutter. (cal)