LUTZENBERG: Das Haus aus dem Lagerraum

Akten werden gelagert oder eingemachte Früchte. Dass ein ganzes Haus eingelagert wird, kommt aber selten vor. In Teufen geschah dies vor zehn Jahren mit einer Villa. Jetzt steht sie wieder – im Vorderland.

Bruno Eisenhut
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Der Rohbau der einstigen «Villa Tobler» ist fertig. Die Fassade ist einer Betonmauer vorgehängt und dient der Zierde. (Bild: PD)

Der Rohbau der einstigen «Villa Tobler» ist fertig. Die Fassade ist einer Betonmauer vorgehängt und dient der Zierde. (Bild: PD)

Bruno Eisenhut

bruno.eisenhut

@appenzellerzeitung.ch

Einst sollte in Niederteufen ein altehrwürdiges Haus abgerissen werden. Die Retter eilten aber in letzter Sekunde herbei und sichern das Objekt als Zeitzeuge für die Nachwelt. Dann aber wurde es ruhig um das Haus, welches alteingesessenen Teufnern als «Villa Tobler» bekannt sein dürfte.

Der Stickereiindustrielle Fritz Tob­ler liess die nach ihm benannte Villa 1904 auf dem Eggli erbauen. Der Bauherr leitete die Teufner Stickereifirma Gebrüder Tobler. Über dem Sockel war die «Villa Tobler» grösstenteils in Strickbauweise ausgeführt. 1944 verkaufte die Familie Tobler die Villa an die Familie Rohner-Schawalder, welche zeitweilig als «Villa Höhenblick» Feriengäste aufnahm. 1983 wechselte die Villa abermals den Besitzer, ehe die Gemeinde 2002 die Abbruchbewilligung erteilte. Als letzter Akt in dieser Geschichte wurde nun das Haus in Lutzenberg wieder aufgebaut.

Hinter dieser Geschichte steht Daniel Brandenberger. Einst wohnhaft in Stein, fand er täglich Gefallen an der Villa beim Eggli in Niederteufen. «Allein schon in der Fassade steckt eine heute in Vergessenheit geratene Zimmermannskunst», sagt er. Als sich anstelle des Hauses eine Überbauung abzeichnete, meldete Daniel Brandenberger bei den damaligen Besitzern sein Interesse am Haus an – oder zumindest an Teilen davon. «Lange passierte nichts, plötzlich musste es aber schnell gehen», blickt Brandenberger zurück. «Innerhalb dreier Wochen konnte ich abholen, was mir gefiel.» Brandenberger entschied sich für die Fassaden der beiden oberen Stöcke, das Dach und die markanten Türmli. «Der Rest war marode und nicht mehr wieder zu verwenden.» Mit der vorübergehenden Einlagerung des Hauses begann eine Odyssee durch die Amtsstuben. Der vorgesehene neue Standort in Lutzenberg befindet sich laut Daniel Brandenberger ausserhalb der Bauzone. Die Baubewilligung wurde erteilt, jedoch mit Auflagen. Diese führten immer wieder zu Baustopps. Das Haus entspreche nicht einem typischen Appenzeller Baustil. Vom Bund sei das Objekt aber als «Zeitzeuge» taxiert worden. Dies hätte letztlich zur Vollendung geführt – nach zehn Jahren, so Brandenberger.

Kein Happy End in der Geschichte

Die lange Wartezeit bis zur Aufrichtung an neuer Stätte sei weder an ihm noch an der «Villa Tobler» nicht ohne Folgen geblieben. Die Holzelemente hätten durch die mehrmalige Verschiebung des Lagerplatzes gelitten. Der grosse finanzielle Aufwand für die Lagerung, den Transport und die Sanierung hat Daniel Brandenberger zusätzlich zu schaffen gemacht. So fest, dass er und seine Familie wohl nie in diesem Haus wohnen werden können. «Wenn es fertig ist, werden wir das Objekt aller Voraussicht nach verkaufen müssen», blickt der Mann mit Affinität zur Zimmermannskunst voraus.