Lütisburger brauchen zu viel Energie

LÜTISBURG. Im Rahmen der Informationsreihe «Nachhaltige Energie – für uns und unsere Kinder» lud auch die Energiekommission Lütisburg am Mittwoch zum öffentlichen Informationsabend ein. Gemeinderat Walter Meile informierte auf kommunaler Ebene über Energiekommission und -konzept.

Martina Signer
Merken
Drucken
Teilen
Thomas Grob, Präsident des Fördervereins «energietal toggenburg» (links), und Walter Meile, Gemeinderat und Präsident der Energiekommission in Lütisburg, gaben den Anwesenden Auskunft auf ihre Fragen. (Bild: Martina Signer)

Thomas Grob, Präsident des Fördervereins «energietal toggenburg» (links), und Walter Meile, Gemeinderat und Präsident der Energiekommission in Lütisburg, gaben den Anwesenden Auskunft auf ihre Fragen. (Bild: Martina Signer)

Das Energiekonzept von Lütisburg ist in Zusammenarbeit mit dem Förderverein energietal toggenburg entstanden, dessen Präsident Thomas Grob am Mittwoch auch in der Mehrzweckhalle anwesend war. «Der Gemeinderat wollte damit aufzeigen, wo man mit der Energiepolitik derzeit steht, wo allenfalls Potenzial oder Schwachpunkte bestehen», informierte Gemeinderat und Präsident der Energiekommission Walter Meile die interessierten Zuhörer. Vor allem wollte man aber wissen: «Wie machen wir weiter?»

Atomausstieg bis 2050

Der Gemeinderat hat die Vision einer 2000-Watt-Gesellschaft. Kein leichtes Unterfangen, wie sich anhand der Zahlen zeigte, die Walter Meile präsentierte: Lütisburg ist momentan nämlich noch eine 6300-Watt-Gesellschaft. Um dies etwas zu veranschaulichen, führte Meile aus: «Pro Person brennen 63 Glühbirnen à 100 Watt rund um die Uhr – und das während 24 Stunden am Tag und 356 Tagen im Jahr.» Der CO2-Ausstoss pro Person betrage 8,5 Tonnen im Jahr. Auch hier die Vision: Eine Tonne pro Person und Jahr muss reichen. Doch die Wunschliste geht noch weiter: «Wir wollen die Energieeffizienz und erneuerbare Energiequellen fördern, nachhaltig mit den Ressourcen umgehen und einen Atomausstieg bis 2050. Doch um dies zu realisieren, haben wir einiges zu tun.» Das wurde nochmals deutlich, als Meile die Ausgangslage mit konkreten Zahlen verdeutlichte. Im Bereich Wärme verbraucht Lütisburg pro Jahr 21 700 Kilowattstunden und liegt damit zwei Prozent über dem Schweizer Durchschnitt. Bei der Mobilität fällt der Vergleich noch schlechter aus. Die 17 370 Kilowattstunden bedeuten 37 Prozent des Gesamtverbrauchs von Lütisburg und ganze vier Prozent mehr als der Schweizer Durchschnitt. «Ich gehe davon aus, dass dies damit zusammenhängt, dass wir eine ländliche Gemeinde sind und weite Wege zurücklegen müssen», so Meile. Im Bereich Strom liegt Lütisburg mit 18 Prozent im Vergleich zu 24 Prozent dafür deutlich unter dem Durchschnitt der Schweiz. «Das könnte daran liegen, dass wir nicht allzu viel Industrie in Lütisburg haben.» Der Energiebedarf pro Einwohner liegt in Lütisburg dennoch ganze zehn Prozent über dem Durchschnitt.

Gebäude energetisch sanieren

Im Energiekonzept sind Massnahmen festgehalten, die dafür sorgen sollen, dass sich diese Zahlen künftig positiv entwickeln. Zum einen sieht Meile den Absenkpfad (siehe Kasten) für die Gemeinde Lütisburg als mögliche Zielsetzung. Energieverbrauch und Umweltbelastungen sollen einem vereinbarten Absenkpfad unterstehen. «Wir müssen uns verschiedene Fragen stellen», sagte der Gemeinderat weiter. «Wie können wir den Energiebedarf reduzieren, wo können wir einsparen oder sogar selbst Energie produzieren?» Als aktuelles Projekt nannte Meile in diesem Zusammenhang die erst kürzlich durchgeführten Windkraftmessungen durch eine Privatperson, um allenfalls durch Wind Energie zu produzieren. Die Zahlen dazu seien aber noch nicht bekannt. Als weiteres Projekt nannte er das Kraftwerk Mühlau in Bazenheid, das ein gutes Beispiel zur Produktion erneuerbarer Energie darstelle. Das grösste Potenzial, um Energie einzusparen, sieht er bei den Gebäuden, und er gab den Rat an Hausbesitzer, ihre Immobilien laufend zu erneuern und nach energetischen Standards zu sanieren, denn: «Ein Grossteil der Gebäude in unserer Gemeinde ist in einem schlechten energetischen Zustand.» Und dies sei vor allem auch bei grossen, öffentlichen Gebäuden der Fall. Ein weiterer Schwerpunkt in Sachen Energiepolitik ist es, dass die Energieversorgung die Versorgungssicherheit berücksichtigt, dies aber immer auch in Zusammenhang mit Wirtschaftlichkeit und Finanzierbarkeit. «Bei all den Herausforderungen, die uns bevorstehen, nimmt die Gemeinde eine Vorbildfunktion ein. Aber wir freuen uns natürlich, wenn innovative Bürger sich ebenfalls Überlegungen machen», betonte Meile.