LÜTISBURG: Ein Stück Weg zusammen gehen

Auf Einladung der beiden Untertoggenburger Kirchen berichteten die Ganterschwiler Enzo Fuschini und Balz Wielatt über ihre freiwilligen Einsätze in einem Spital in Somaliland. Bald ist die fünfte Reise fällig.

Peter Küpfer
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Die Zuhörer folgen den Ausführungen der beiden Referenten mit grossem Interesse. (Bild: Peter Küpfer)

Die Zuhörer folgen den Ausführungen der beiden Referenten mit grossem Interesse. (Bild: Peter Küpfer)

Peter Küpfer

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Das kleine Regionalspital im Hochland von Somaliland existiert schon geraume Zeit. Es ging ihm wie vielen Institutionen in den Entwicklungsgebieten der nachkolonialen Zeit: Schwierigkeiten noch und noch. Und trotzdem waren da immer Menschen, die dennoch taten, was sie konnten. Daraus erwuchs auch das erneuerte schweizerische Engagement von privater Seite, sich um das Regionalspital in der Provinzstadt Gabiley im nordwestlichen Hochland zu kümmern. Heute ist ein Trägerverein da, dessen Spenden unter anderem dem Spital zugute kommen. Fuschinis Bilder und Ausführungen bewiesen, was damit alles getan werden konnte und weiter getan wird.

Strom und Wasser

Dabei war die erste Reise vor einigen Jahren an Ort und Stelle nicht unbedingt ermutigend: Seit Jahren ungenügende Stromversorgung, kein funktionierendes Wassersystem, ungelöste Abfall- und Entsorgungsprobleme, unbrauchbar gewordenes medizinisches Gerät. Ein uralter Generator hatte seinen Geist aufgegeben. Die kleine Pionierexpedition bestand aus Initiator Enzo Fuschini selbst, seinem Sohn Carmelo Fuschini sowie Balz Wielatt, der sich für das Projekt nachhaltig begeistern liess.

Dass Fuschinis Sohn Elektriker ist und Wielatt ein handwerklich sehr begabter Alleskönner und Improvisationsgenie, erwies sich bald einmal als grosser Glücksfall. Ein uralter Generator stand in einer Ecke, seit Jahren nicht mehr funktionstüchtig. Katastrophe bei der schwankenden Stromversorgung in den Gebäuden. Eine Abwasserleitung mündete ins Nirgendwo. Es war klar, wo die Prioritäten lagen: Verlässliche Stromversorgung und Wassersanierung. Zwei Riesenfelder.

Tätige Erfolge

Schon nach dem ersten Aufenthalt stand ein funktionierender Generator da, mit sanierten Anschlüssen und Steckdosen. Auch die Wasserleitungen waren wieder funktionstüchtig und bald einmal die Beleuchtung verbessert, dann folgte die Warmwasserversorgung über Sonnenkollektoren. Das hob die Interventionen im Operationstrakt auf ein neues Niveau. Man stelle sich eine afrikanische Notfallstation vor, bei der die Maternité wie überall in vergleichbaren Verhältnissen eine Schlüsselrolle spielt, und es ist kein warmes Wasser da. Schritt für Schritt wurde geräumt, saniert, verbessert. Man erhielt eine Vorstellung von den sich zeigenden Problemen, wenn Wielatt das eine oder andere Müsterchen erzählte. So wurden beispielsweise die meterlangen Tablare für die Apotheke von Hand gesägt, mit dem Fuchsschwanz. Tablarsockel machten eine Reise in die Hauptstadt notwendig. Der rechte Winkel war nur als vage Vorstellung in den Köpfen, die Handhabung der Wasserwaage unbekannt. Was die Crew aber von Anfang an beeindruckte, war die engagierte und tüchtige Arbeitshaltung der somalischen Hilfskräfte: Bei grösster Hitze und mit nur minimalen Werkzeugen liessen sie nicht locker, bis dem trockenen und felsigen Boden eine verlässliche Sickergrube abgetrotzt war.

Nachhaltigkeit ist sichergestellt

Nach mehreren Werkreisen ist das Spital nunmehr eine Augenweide: saubere, helle Räume, eine sinnvolle Innenbeleuchtung, funktionierende Röntgenapparate, und wo nötig, gibt es Strom. Vor den Toren eine kühn anmutende Turmkonstruktion mit zwei riesigen Wassertanks. Wie die Somalier diese auf die Tragkonstruktion hievten, bei Abwesenheit jedes modernen hydraulischen Hilfsmittels, bleibt bis heute ihr Geheimnis, aber sie haben es geschafft. Mehr noch: In der Abwesenheit der Schweizer hat die einheimische Technikercrew aus eigenem Antrieb eine Wasseraufbereitungsanlage angeschlossen, so dass nun den Eintreffenden sauberes Trinkwasser zur Verfügung steht – ein absoluter Luxus für somalische Verhältnisse. «Es ist das, was uns von Anfang an beglückt hat», bringen beide Referenten wiederholt zum Ausdruck. «Ein solches Zusammenarbeiten macht glücklich.»

Am 1. April geht es wieder los, zur sechsten Werkreise. Diesmal ist auch eine junge Ganterschwilerin mit dabei, Tatjana Marcaione. Sie absolviert dort ihr Praktikum im Zusammenhang mit ihrer Ausbildung zur Rettungssanitäterin. «Das ist ein weiterer Glücksfall. Tatjana wird dort wertvolle Anregungen geben können im wichtigen Bereich Notfall und selbst viel profitieren», sagt Fuschini. Im Moment konzentrieren sich die Spenden auf die Anschaffung eines eigenen Ambulanzfahrzeug.

Spenden an: Hadia Medical Swiss, 8408 Winterthur, CH31 0900 0000 8761 4510 4, Postcheck-Konto 87-614510-4, Vermerk «Spital Gabiley»