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Luchs fühlt sich wohl im Toggenburg

Seit Beginn der Wiederansiedlung des Luchses in der Nordostschweiz, hat sich dessen Bestand gut entwickelt. Vor allem heimisch fühlt sich die Wildkatze im Toggenburg. Dies zeigt das neuste Monitoring des Projekts Luno. Wildhüter Urs Büchler ist aktiv an dessen Durchführung beteiligt.
Urs M. Hemm
Luchse sind dämmerungs- und nachtaktive Tiere. Sie sind keine Aasfresser und fressen nur Tiere, die sie auch erlegt haben. Die Zeichnung des Fells ist individuell und dient im Monitoring der Identifikation einzelner Tiere. (Bilder: Amt für Natur, Jagd und Fischerei St. Gallen/Kora)

Luchse sind dämmerungs- und nachtaktive Tiere. Sie sind keine Aasfresser und fressen nur Tiere, die sie auch erlegt haben. Die Zeichnung des Fells ist individuell und dient im Monitoring der Identifikation einzelner Tiere. (Bilder: Amt für Natur, Jagd und Fischerei St. Gallen/Kora)

TOGGENBURG. Lange galt der Luchs in der Schweiz als ausgestorben, bis Anfang der 70er-Jahre erste Wiederansiedlungsversuche gewissen Erfolg zeigten. Jetzt – dank des Wiederansiedlungsprojekts Luno (siehe Kasten) – erfährt die Luchspopulation auch wieder in der Nordostschweiz einen steten Zuwachs, insbesondere im Toggenburg. Denn die Resultate eines kürzlich durchgeführten Monitorings mit Fotofallen zeigt, dass von insgesamt 23 Tieren (15 ausgewachsene Tiere/8 Jungtiere) im ganzen Gebiet, deren 12 (7/5) alleine in der Region Toggenburg nachgewiesen wurden. «Dies ist eine beeindruckende Entwicklung, wenn man sich vor Augen führt, dass im Jahr 2001 im Toggenburg lediglich ein Pärchen im Girlen oberhalb Ebnat-Kappel ausgewildert wurde», sagt Urs Büchler. Er ist Wildhüter für den Kreis 6, der die Gemeinden Wildhaus-Alt St. Johann, Nesslau, Ebnat-Kappel, Wattwil, Lichtensteig, Hemberg und Neckertal umfasst. Das gesamte Gebiet Nordostschweiz umfasst Teile des Kantons St. Gallen (ohne Region Sargans), die beiden Appenzell sowie die Kantone Thurgau, Schaffhausen und Zürich.

Luchse meiden den Menschen

«Luchse leben eher zurückgezogen, meiden in der Regel Siedlungen und den Menschen im Besonderen. Meines Wissens sind bisher auch keine Angriffe auf Menschen vorgekommen», sagt Urs Büchler. Die Resultate des Monitorings erstaunten ihn daher nicht wirklich. Denn das dünnbesiedelte Toggenburg biete den Luchsen einen optimalen Lebensraum. Dieser Umstand alleine reiche aber für einen Luchs nicht aus, sich für ein bestimmtes Gebiet zu entscheiden. «Wichtiger noch ist ein genügend grosses Futterangebot», ergänzt Büchler. Luchse ernähren sich vor allem von Rehen und Gemsen, die beide im Toggenburg noch genügend grosse Bestände aufweisen, um eine Luchspopulation zu ernähren. Nutztiere wie beispielsweise Schafe stehen nur ganz selten auf ihrem Speiseplan. Luchse fressen zudem kein Aas. Untersuchungen haben gezeigt, dass ein Luchs in einem Gebiet von 50 Quadratkilometern pro Jahr etwa 50 Rehe oder Gemsen reisst.

«Damit steht der Luchs in direkter Konkurrenz zu den Jägern. Die Jäger stehen der Wiederansiedlung des Luchses ein wenig zwiespältig gegenüber», sagt Urs Büchler. Denn einerseits sei die Jagd auch der Erhaltung der Artenvielfalt verpflichtet. Andererseits würden die Jäger zwar nach wie vor die volle Pacht bezahlen, könnten aber nur noch einen Teil dessen schiessen, was sie vor der Wiederansiedlung hätten jagen können. Denn die Bestände von Reh und Gams sind zurückgegangen, auch aufgrund des Luchses. Dennoch: Mit einer Dichte von 2,17 Luchsen pro 100 Quadratkilometer geeigneten Lebensraumes bewege sich die Nordostschweiz im schweizerischen Durchschnitt, sagt Urs Büchler. Zudem bedeute ein geringerer Wildbestand auch weniger Wildverbiss, was wiederum die Förster freue. Denn das trage massgeblich zur Verjüngung des Waldbestandes bei. «Dieses Beispiel zeigt auf, dass die Wiederansiedlung des Luchses nicht von allen gleich geschätzt wird», sagt Urs Büchler.

Projekt ist ein Erfolg

Im Rahmen des Projekts Luno wurden in den Jahren 2001 bis 2008 insgesamt zwölf Luchse in die Nordostschweiz umgesiedelt. Von diesen «Urluchsen» hat nachweislich bis heute ein Tier überlebt. Von den elf anderen ist nur der Verbleib von dreien gesichert: Einer wurde von einem Auto überfahren, ein zweiter starb an der Staupe, der dritte erlag einem Herzfehler. «Da die Sender der Tiere nach einer gewissen Zeit ausfallen und wir so die Kontrolle über deren Verbleib verlieren, wissen wir von den anderen Exemplaren nichts», sagt Urs Büchler. Obwohl Luchse eine Lebenserwartung von über zwölf Jahren haben, müsse davon ausgegangen werden, dass die meisten nicht mehr am Leben sind. Dennoch sei mit dem aktuellen Monitoring erwiesen worden, dass die Wiederansiedlung ein Erfolg ist und mutmasslich die meisten «Urluchse» für Nachkommen gesorgt hätten.

Setzt sich der Trend fort und die Luchspopulation im Toggenburg wächst weiterhin an, dann werden sich die junge Tiere andere Lebensräume suchen und bis ins Bündnerland, ins Vorarlberg und über die deutsche Grenze bis nach Bayern vorstossen, glaubt Urs Büchler. «Unsere Hilfe brauchen die Luchse auf jeden Fall nicht mehr. Jetzt kommen sie alleine zurecht.»

Urs Büchler Wildhüter Kreis 6 (Bild: Katharina Rutz)

Urs Büchler Wildhüter Kreis 6 (Bild: Katharina Rutz)

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