«Lisme» für ein Kinderlachen

Kinder beim Arzt oder in einer Ausnahmesituation brauchen Ablenkung. Eine gute Möglichkeit ist das Überreichen eines Kuscheltierchens. Die «Troschtbärli» zaubern auch in schwierigen Situationen ein Lächeln auf die Kindergesichter.

Adi Lippuner
Drucken
Teilen
Hildegard Kaiser mit einer grossen Auswahl von «Troschtbärli», die schon bald Kinder trösten werden. (Bilder: Adi Lippuner)

Hildegard Kaiser mit einer grossen Auswahl von «Troschtbärli», die schon bald Kinder trösten werden. (Bilder: Adi Lippuner)

Kinder beim Arzt oder in einer Ausnahmesituation brauchen Ablenkung. Eine gute Möglichkeit ist das Überreichen eines Kuscheltierchens. Die «Troschtbärli» zaubern auch in schwierigen Situationen ein Lächeln auf die Kindergesichter.

Erleidet ein Kind einen Unfall oder wird verletzt, sind sowohl die Eltern als auch das betroffene Kind in einer Ausnahmesituation. Ob Hilfe im Spital oder bei einem Arzt geholt wird, ist für die Überreichung eines «Tröschterlis» nicht wichtig. Entscheidend aber ist, dass dem Kind ein Kuscheltierchen, das sowohl Zuwendung als auch Ablenkung bedeutet, überreicht wird. Diese Möglichkeit nutzt beispielsweise die Ärztin Andrea Grob in Wildhaus.

«Wir erhielten erstmals vor einem halben Jahr eine Auswahl von <Troschtbärli>. Vor allem seit Beginn der Wintersaison werden diese regelmässig gebraucht», ist von der Ärztin, welche oft Kinder nach einem Skiunfall behandelt, zu erfahren.

Betroffene hat Verein gegründet

Selbst grössere Kindern seien für diesen Trost empfänglich, hat Andrea Grob vor wenigen Tagen erfahren. «Ein elfjähriger Junge musste sich eine grössere Wunde nähen lassen, und ich war unschlüssig, ob ich ihm ein <Tröschterli> anbieten soll. Doch seine Reaktion war so positiv und das Bärchen hat ihm auch geholfen, die Angst vor dem Nähen der Wunde wegzustecken. Auf die Idee, Kindern «Töschterli» in Form gestrickter oder gehäkelter Tierchen zu überreichen, kam die im Berner Seeland wohnhafte Jenny Weingart. Ihr viertes Kind kam drei Wochen zu früh auf die Welt und musste während längerer Zeit im Spital bleiben. So stellte die Mutter fest, dass für Kinder, welche von den Eltern getrennt sind, kaum Ablenkung vorhanden ist. Ein Gespräch mit der Pflegefachfrau in der Intensivstation zeigte der vierfachen Mutter ihren zukünftigen Weg auf. «Mir wurde klar, dass Hilfe nötig ist. Es kann doch nicht sein, dass wir an benachteiligte Kinder in fremden Ländern denken, aber unsere eigenen kranken Kinder vergessen.»

Gedacht, getan, Jenny Weingart überlegte sich ein Konzept und nahm die Aktion «Troschtbärli» in Angriff. «Über Facebook habe ich eine Gruppe gegründet und innerhalb kürzester Zeit Mitstreiterinnen gefunden.»

Dann sei klar geworden, dass ihre Idee auf solide Beine gestellt werden müsse. «Wir haben im Dezember 2012 einen Verein gegründet und sind inzwischen auf 400 regelmässige Strickerinnen und eine grosse Anzahl Frauen, die uns gelegentlich unterstützen, angewachsen.» Insgesamt rund 1000 Personen, darunter auch ein paar Männer, seien beim Verein «Troschtbärli» regelmässig oder gelegentlich aktiv.

Aktive Strickgruppe

«Troschtbärli»-Gotti in der Region ist Hildegard Kaiser aus Gams. Ihre Funktion: Sie strickt selbst, hat eine aktive Gruppe von sieben Frauen und einem Mann, die regelmässig Tierchen stricken oder häkeln und kümmert sich darum, dass die «Troschtbärli» in den Arztpraxen und Spitälern verteilt werden. «Auch bei verschiedenen Polizeiposten habe ich vorgesprochen und nach anfänglicher Skepsis wurde meine Idee gut aufgenommen», ist zu erfahren. Nebst zahlreichen Bärchen und anderen Kuscheltieren, die schon bald ein Kind trösten sollen, hat sie auch Dankesschreiben griffbereit. Eines stammt vom Verantwortlichen des Polizeipostens in Gams. «Die bunten Gesellen haben inzwischen einen festen Platz in unserem Einsatzfahrzeug.» Es sei sehr hilfreich, Kindern in Ausnahmesituationen ein Kuscheltier überreichen zu können.

Die gleichen Erfahrungen haben Verantwortliche der Feuerwehren in Buchs und Thal gemacht, auch dort gehören die «Troschtbärli» zur Ausstattung.

Hildegard Kaiser strickt fast täglich. «Mir macht das grosse Freude, und wenn ich dabei an die Kinder denke, die damit getröstet werden können, ist dies doppelt schön.» Sie erinnere sich an ihre eigene Jugendzeit und die langwierige und schmerzhafte Mittelohrentzündung. «Ich hatte grosse Angst vor dem Arzt, hätte ich damals einen bunten Tröster erhalten, wäre alles sicher einfacher zu ertragen gewesen.»

www.troschtbaerli.ch

Ärztin Andrea Grob (links) und die medizinische Praxisassistentin Olga Schläpfer mit «Troschtbärlis».

Ärztin Andrea Grob (links) und die medizinische Praxisassistentin Olga Schläpfer mit «Troschtbärlis».

Aktuelle Nachrichten