Lindenbäume werden Opfer der Thursanierung

WATTWIL. Der Kanton beginnt am 4. April mit der Sanierung der Thurböschung in Ulisbach. Für die Zufahrt der Bagger und Lastwagen müssen einige Linden am Thurweg gefällt werden. Die Anwohner sind überrumpelt und wehren sich mit einer Protestaktion.

Hansruedi Kugler
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Gefährdete Lindenbäume: Über der roten Markierung hängt das Protestplakat der Gruppe «Wurzelgeister». (Bild: Hansruedi Kugler)

Gefährdete Lindenbäume: Über der roten Markierung hängt das Protestplakat der Gruppe «Wurzelgeister». (Bild: Hansruedi Kugler)

Neun Bäume sollen fallen, damit die Bagger und Lastwagen an die Thur gelangen können. Denn unterhalb der Waisenhaus-Brücke will der Kanton das Thurbett sanieren. Dafür braucht es schwere Baumaschinen. An der Bausitzung vom Freitag sah Daniel Rhiner, der in der Gemeindeverwaltung verantwortlich ist für die Infrastruktur der Gemeinde, die Dimensionen der geplanten Sanierung. Für die Bagger und Lastwagen sei die einfachste Zufahrt zur Thurböschung von der Waisenhausstrasse her. Daniel Rhiner hat die Bäume am Wochenende angezeichnet. Der zehn Zentimeter lange rote Balken ist vorläufig das Todesurteil für die prächtigen Linden.

Thursanierung mit Felsblöcken

Seit dem 1. Januar 2010 ist die Thur in Wattwil ein kantonales Gewässer. Für den Zustand der Thurböschungen ist deshalb der Kanton verantwortlich, die Gemeinde hat die Unterhaltspflicht für den Thurweg und die Baumallee. Am 4. April will der Kanton mit den Arbeiten an der Thur beginnen. Nötig geworden ist die Sanierung, weil die Thur konstant den Flussgrund abträgt. Die bei der Thurkorrektion plazierten Felsblöcke am seitlichen Flussgrund seien deshalb weggeschwemmt worden, erklärt Heinz Meier, Leiter Wasserbau beim kantonalen Tiefbauamt. Als Folge davon wird die befestigte Böschung unstabil. Das Tiefbauamt des Kantons befürchtet, dass diese beim nächsten Hochwasser unterspült werden könnte und die Böschung dann nicht mehr hält. In der Folge wäre das Gelände und die Liegenschaften dahinter gefährdet. Darum sollen so schnell wie möglich neue Felsblöcke gesetzt werden, welche das Thurbord stabilisieren.

Auf rund vierhundert Metern von der Waisenhausbrücke thurabwärts wird von Anfang April bis voraussichtlich Ende Mai daran gearbeitet. «Diese Aktion ist eine vorgezogene Sofortmassnahme», sagt Heinz Meier. Denn das Tiefbauamt ist seit Jahren mit dem Projekt Thurbettsanierung beschäftigt. Dieses beinhalte unter anderem auch eine Verbreiterung des Thurbettes in Ulisbach. Die Gesamtsanierung werde aber noch Jahre dauern.

Protestaktion der Anwohner

Dass die Bäume gefällt werden müssen, kommt für die Anwohner überraschend. Die 50jährigen Lindenbäume sind willkommene Schattenspender. Ohne sie können sich viele Anwohner den Thurweg nicht vorstellen. So hat sich bereits eine anonyme Gruppe unter dem Namen «Wurzelgeister» mit einer Plakataktion an die Spaziergänger und Anwohner gewandt. Seit Montag früh hängen an den Lindenbäumen Plakate: «Helft uns Lindenbäumen hier an der Thur. Man will uns fällen, alle, die mit Farbe markiert sind. Wir Bäume sind alle gesund und halten das Thurbord mit unseren Wurzeln zusammen. Reklamiert bei der Gemeinde. Meldet euch bei der Wattwiler Gemeinde per E-Mail. Danke euch. Die Wurzelgeister.» Reklamieren solle man konkret bei Daniel Rhiner, dessen E-Mail-Adresse auch auf dem Plakat aufgeführt ist.

Doch weniger Bäume betroffen?

Einige Telefonanrufe und E-Mails habe er bereits erhalten, sagt Daniel Rhiner auf Anfrage. Er sagt aber auch, dass sich der Wattwiler Gemeinderat noch diese Woche zu dieser Sache bespreche und eine Lösung suche, damit der Schaden an den Bäumen möglichst gering ausfalle. Wie genau die Zufahrt der Bagger und Lastwagen zur Baustelle aussehen werde, entscheide sich an einer Aussprache mit der Gemeinde, dem Tiefbauamt und der beauftragten Baufirma im Verlauf dieser Woche, so Daniel Rhiner.