«Linde» soll Hausärzte anziehen

Ob die Liegenschaft «Linde» in Speicher verkauft werden kann, entscheidet sich am 28. Februar an der Urne. Gemeindepräsident Peter Langenauer verteidigt das Projekt Ärztehaus gegen die Kritik des Referendumskomitees.

Jesko Calderara
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Die «Linde» an der Hauptstrasse in Speicher soll einem Neubau weichen. Im Erdgeschoss sind Räumlichkeiten für Hausärzte geplant. (Bild: Visualisierung: direco ag)

Die «Linde» an der Hauptstrasse in Speicher soll einem Neubau weichen. Im Erdgeschoss sind Räumlichkeiten für Hausärzte geplant. (Bild: Visualisierung: direco ag)

SPEICHER. Gegen den Verkauf der Liegenschaft «Linde» in Speicher hat Jürg Zürcher das Referendum ergriffen. (siehe Ausgabe von gestern). Damit entscheiden am 28. Februar die Stimmberechtigten über die Vorlage. Gemeindepräsident Peter Langenauer hebt die Vorteile der vorliegenden Lösung hervor: «Für den Gemeinderat steht bei der Veräusserung des Objekts die langfristige Sicherung der hausärztlichen Grundversorgung im Vordergrund.» Die beiden noch verbliebenen Hausärzte in der Gemeinde hätten das Pensionsalter erreicht. Zudem seien deren Einzelpraxen nicht mehr zukunftsgerichtet, sagt Langenauer. «Die Zukunft gehört dem Modell Gemeinschaftspraxis.» Der Gemeindepräsident hebt zudem den zentralen Standort des geplanten Ärztehauses hervor.

Neubau mit acht Wohnungen

Auf dem Areal des ehemaligen Restaurants Linde soll ein Neubau mit Arztpraxen im Erdgeschoss und acht Wohnungen entstehen. Potenzielle Hausärzte als künftige Mieter hätten bereits ihr Interesse signalisiert, sagt Peter Langenauer. Als Investorin wird die Avara Immobilien AG aus St. Gallen auftreten. Beim Referendumskomitee stösst insbesondere der tiefe Verkaufspreis auf Kritik. Dieser liegt bei 375 000 Franken und damit 100 000 Franken unter dem in der Jahresrechnung 2014 ausgewiesenen Verkehrswert. Langenauer bezeichnet den ausgehandelten Preis als «Kompromiss». Aufgrund der im Grundbuchamt eingetragenen Dienstbarkeit sei der Spielraum für einen Neubau auf der Rückseite des bestehenden Gebäudes eingeschränkt. Aus diesem Grund und weil man den Anstössern gegenüber keine Angriffsfläche bieten wollte, ist das Projekt entgegen den ersten Plänen um vier Wohnungen reduziert worden. Laut Langenauer war die Dienstbarkeit zwar bereits vor Beginn der Projektierung bekannt. «Die konkreten Auswirkungen einer solchen Einschränkung führen aber immer zu rechtlichen Unsicherheiten.»

Die Redimensionierung des ursprünglich vorgesehenen Baukörpers um ein Stockwerk hat Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens. Dadurch vermindere sich die Rendite wesentlich, sagt Peter Langenauer. «Deshalb haben wir den Verkaufswert der Liegenschaft neu berechnen lassen.» Sofern das Geschäft wie vorgesehen über die Bühne geht, muss Speicher 100 000 Franken abschreiben. Einen solchen Verlust könne die Gemeinde verkraften, ist Langenauer überzeugt. Vor allem erhalte sie mit der Gemeinschaftspraxis einen Gegenwert. «Dank des vorliegenden Projekts verschwindet ein baufälliges Objekt an zentraler Lage.» Dafür werde das Dorfzentrum mit einem gefälligen und ortsbildverträglichen Neubau aufgewertet, sagt der Gemeindepräsident. Die Bauherrin will das Gebäude nach Fertigstellung im Eigenbestand halten. «Einem Drittinvestor müssten wir eine marktkonforme Rendite anbieten können», sagt Thomas Schai, Geschäftsführer der Avara Immobilien AG. Mit dem verkleinerten Projekt und dem ausgehandelten Kaufpreis sei dies nicht zu erreichen. Das öffentliche Interesse stehe im Vordergrund, sagt Schai.

Gemeinde hat Rückkaufsrecht

Sollte die Avara Immobilien AG gegen die Auflagen verstossen, indem sie etwa den Bau nicht realisiert, hat die Gemeinde ein Rückkaufsrecht. Peter Langenauer rechnet allerdings nicht damit, dass dieser Fall je eintritt. Vielmehr betont er die Seriosität der Investorin. «Hinter der Firma stehen Leute, die bereits einmal in Speicher tätig waren.» Der Gemeinderat habe die «Linde» bewusst nicht irgendwelchen Spekulanten zu einem Höchstpreis verkaufen wollen, sagt Langenauer. Den Kontakt mit der Bauherrin Avara Immobilien AG hätten die beiden Hausärzte hergestellt. «Weil wir keine Zeit verlieren wollten, haben wir die Liegenschaft nicht zum Verkauf ausgeschrieben.»

Volksversammlung zu den Vorlagen vom 28. Februar in Speicher, 8. Februar, 20 Uhr, Buchensaal

Peter Langenauer Gemeindepräsident Speicher (Bild: apz)

Peter Langenauer Gemeindepräsident Speicher (Bild: apz)

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