Liebes Christkind

Wünsche

Patrik Kobler
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Weihnachtsbeleuchtung in Wald. (Bild: Toni Küng)

Weihnachtsbeleuchtung in Wald. (Bild: Toni Küng)

Zum heutigen Weihnachtsfest erlauben wir uns auch zwei, drei Wünsche. Nicht für uns, liebes Christkind, nein, fürs Appenzellerland. Zu allererst wünschen wir uns, dass wir weiterhin in einer so friedlichen und intakten Gegend wohnen dürfen. Dass das keine Selbstverständlichkeit ist, führen uns die Nachrichten jeden Tag vor Augen. Wenn bei uns nicht gerade einige Flüchtlinge Zuflucht suchen, sind für uns Krieg und Terror weit entfernt. In unserer wunderschönen Landschaft, in dieser Idylle, kann man es sich manchmal kaum vorstellen, dass andernorts Angst und Schrecken herrschen. Umso mehr ist unser Einfühlungsvermögen gefordert und unsere Unterstützung, wenn Menschen in Not unsere Hilfe brauchen. Wir wünschen uns, dass es alle so schön haben dürfen wie wir. Dass alle Menschen an einem friedlichen Ort wohnen dürfen, wo sie genügend zu essen und zu trinken haben, wo sie ein menschenwürdiges Leben führen können, wo die Kinder als Kinder und nicht als Soldaten aufwachsen dürfen.

Wie schön wir es doch bei uns haben. Natürlich gibt es auch hier Kummer und Leid. Im Grossen und Ganzen geht es uns aber gut. Wir dürfen ausserdem unter Menschen leben, die das Herz am rechten Fleck haben, die nicht nur für sich schauen, sondern sich für die Gemeinschaft engagieren. Es ist immer wieder eindrücklich, was Leute in der Freizeit auf die Beine stellen. Ohne ihre Initiative gäbe es in den Dörfern keine Feste, Parteien, Jugendvereine. Ohne sie wäre unsere Heimat weniger lebenswert. Liebes Christkind, wir wünschen uns, dass sich die Menschen weiterhin für die Gemeinschaft engagieren, und dass sie für einander da sind, auch wenn es manchmal den Anschein macht, als würden auf der Welt die Gier und die Egozentrik die Überhand gewinnen. Bei uns geht es gottlob noch bodenständig zu. Das ist gut so.

Und so wünschen wir uns, liebes Christkind, dass sich die Appenzeller ihrer Eigenarten weiterhin bewusst sind. Denn es grassiert die Gleichmacherei und der Zentralismus. Manchmal hocken die Appenzeller, sprich die Ausserrhoder, etwas gar satt und träge in ihrer Hügellandschaft und merken gar nicht, dass sie etwas Gegensteuer geben müssten, wenn sie ihre Eigenständigkeit bewahren wollen. Dem Vorhandenen Sorge zu tragen, kann sich lohnen. Denn in je grössere Gebilde man sich begeben muss, desto mehr Einfluss und Selbstbestimmung verliert man. Wer zahlt, befiehlt. Und so verliert man als kleine Appenzeller schnell an Bedeutung. Was kümmert beispielsweise den Bankboss am Paradeplatz eine Filiale in Herisau? Algorithmen sind ihm näher als die Appenzeller. Der Direktor der Innerrhoder Bank hingegen kennt die Bedürfnisse seiner Kunden. Gewiss: Wir wollen nicht alte Geschichte beklagen – Landsgemeinde und Kantonalbank gehören der Vergangenheit an. Aber auch 20 Jahre später ist man nicht davor gefeit, Errungenschaften zu verlieren. Es geht schnell, und schon ist wieder ein Stück Identität weg.

Liebes Christkind, wir wünschen den Menschen im Appenzellerland Weitsicht und Durchsetzungsvermögen. Es gilt schon jetzt zu überlegen, wer man in zehn oder zwanzig Jahren sein möchte. Ein Kanton unter vielen, Juniorpartner des Kantons St. Gallen oder eigenständig und selbstbewusst? Dass sich die Innerrhoder diese Gedanken machen, ist selbstverständlich, ob es bei den Ausserrhodern auch so ist . . . Nun gut, heute feiern wir Heiligabend. Es ist die Zeit für Besinnlichkeit.

Wir wünschen allen frohe Fest­tage!

Patrik Kobler