Lieber Herr vom Pikettdienst

Wir haben vor ein paar Tagen miteinander zu tun gehabt; in Zürich. Eishockeyspiele dauern grundsätzlich lange genug. Und nach getaner journalistischer Arbeit ist man froh, nach Hause zu kommen. Kürzlich gab es aber für mich eine Overtime in Ihrem Parkhaus nahe dem Hallenstadion.

Drucken

Wir haben vor ein paar Tagen miteinander zu tun gehabt; in Zürich. Eishockeyspiele dauern grundsätzlich lange genug. Und nach getaner journalistischer Arbeit ist man froh, nach Hause zu kommen. Kürzlich gab es aber für mich eine Overtime in Ihrem Parkhaus nahe dem Hallenstadion. Ich speise den Kassenautomaten an besagtem Dienstagabend brav mit 14 Franken. Das Display wünscht nicht gute Fahrt, sondern zeigt «Fehler 16». Was frei interpretiert heisst: «Ich schlucke das Ticket und das Geld, spucke das Ticket aber nicht mehr aus. Hi-hi!» Nach einigen Augenblicken des Wartens drücke ich die Info-Taste und komme in Kontakt mit Ihnen. Sie erkundigen sich geduldig nach dem Grund des Anrufs, nach meiner Wohnadresse, der Auto- und der Telefonnummer und versprechen mir eine Lösung des Problems. Ich freue mich: das Ticket wird tatsächlich freigegeben.

Rein ins Auto, los, einen Stock tiefer bei der Ausfahrt Kärtchen eingeschoben! Das Display verkündet «Fehler 12». Was ich so übersetze: «Ich nehme das Ticket an, ich öffne die Barriere allerdings nicht, ätsch-ätsch.» Ich bin froh, dass sich hinter mir keine Kolonne hupender Autos bildet, und betätige erneut die Info-Taste. Sie melden sich mit der gleichen ruhigen Stimme wie zwei Minuten zuvor. Ich teile Ihnen mit, dass wir uns schon flüchtig mündlich kennen. Ich sei jener aus dem Appenzellerland, dessen Heimfahrt sich offenbar nochmals verzögere. Sie sagen: «Einen Moment, und danke, gute Fahrt.» Die Schranke öffnet sich. Ich komme nicht mehr dazu, zu fragen, wofür Sie sich bedanken. Für mein Verständnis, dass Fehler passieren können? Dafür, dass ich Sie nicht beschimpft habe? Dass ich das Parkhaus nächstes Mal wieder benütze? Sie stehen für mich jedenfalls als leuchtendes Beispiel: Weil Sie Ihren Job als effektive Dienstleistung betrachten und es offensichtlich nicht als Störung empfinden, wenn jemand Sie beim Kreuzworträtsel-Lösen oder beim Fernsehen unterbricht. Freundliche Grüsse in die Grossstadt

Lukas Pfiffner

Aktuelle Nachrichten