Liebe Redaktion

Wahrscheinlich haben Sie es auch schon gesehen. Seit Monaten verunstaltet es Kabinen der appenzellischen Luftseilbahnen sowie eine Lokomotive der Appenzeller Bahnen. Und seit kurzem prangt es auch an Plakatwänden – die sprachliche Neuschöpfung faiarn.

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Wahrscheinlich haben Sie es auch schon gesehen. Seit Monaten verunstaltet es Kabinen der appenzellischen Luftseilbahnen sowie eine Lokomotive der Appenzeller Bahnen. Und seit kurzem prangt es auch an Plakatwänden – die sprachliche Neuschöpfung faiarn.

Und sicher haben Sie sich beim Lesen gefragt, was dies soll. In diesem zusammengebastelten Wort stehen die Abkürzungen für Appenzell Innerrhoden AI sowie für Appenzell Ausserrhoden AR. Das Land Appenzell ist 1513, damals noch ungeteilt, als dreizehnter Ort der Alten Eidgenossenschaft beigetreten. Im nächsten Jahr, 2013, will man gemeinsam, quasi eng umschlungen und harmonisch (AIAR), das Jubiläum fünf Jahrhunderte in der Eidgenossenschaft begehen. Und man will dieses Jubiläum nicht einfach begehen, sondern feiern, äxgüsi: faiarn.

Der Herisauer Sprachwissenschafter Stefan Sonderegger hat einmal geschrieben: Wenn man von den Appenzellern spricht, so meint man auch ihre Sprache. «Denn gerade die Sprache der Appenzeller, unser Appenzeller Dialekt, bestimmt als besonderes Kennmerkmal uns selber gegen aussen.» Die Sprache ist also ein Element unserer Identität. Und das wahrscheinlich schon länger als 500 Jahre. Blöd ist nur, dass niemand in beiden Appenzeller Kantonen je von faiarn redet und es entsprechend ausspricht.

Als ich faiarn zum ersten Mal an der Kabine der Kronbergbahn sah, verstand ich nur Bahnhof. Es brauchte bei mir einiges, bis ich – wie ein Primarschüler in der zweiten Klasse – über lautes Lesen zu «feiern» kam. Und wie geht es Auswärtigen oder gar Anderssprachigen?

Das Konstrukt faiarn ist für mich ein holpriger, blöder, unverständlicher Marketingfurz. Es wird nie eine einprägsame Redewendung und ist eigentlich eine Verhunzung unserer Sprache. Sein Einsatz im Zusammenhang mit dem 500-Jahr-Jubiläum ist nicht sehr sensibel. Und originell schon gar nicht.

Das Komitee für das Jubiläum 500 Jahre in der Eidgenossenschaft hat in sainem Überaifar gewaltig danebengeschossen. Ich frage mich, weshalb man im Zusammenhang mit diesem historischen Araignis und mit so viel Steuergeldarn so blöd rumlaiarn kann. Die Ideen des Komitees waren auf jeden Fall kaine Aiar des Kolumbus.

Ihr

Röbi Rohner

* Der fiktive Röbi Rohner wohnt in Appenzell Ausserrhoden. Er ist ein sehr aufmerksamer Zeitungsleser. Immer, wenn er sich freut oder ärgert, schreibt er der Redaktion eine E-Mail. Wir publizieren diese Mails.

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