Liebe Redaktion

Ich habe es kürzlich in Ihrer Zeitung gelesen, und es hat mich als Schulhausabwart natürlich interessiert: Es ging ums Rasenmähen und um die Mähroboter.

Ihr Röbi Rohner*
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Ich habe es kürzlich in Ihrer Zeitung gelesen, und es hat mich als Schulhausabwart natürlich interessiert: Es ging ums Rasenmähen und um die Mähroboter. Von Mährobotern träume ich schon lange: Nachts oder an Wochenenden, wenn die Schulwiese nicht benutzt wird, Roboter mähen lassen, auf Knopfdruck oder fest vorprogrammiert, unabhängig vom Wetter und völlig stressfrei.

Aber nichts da! Rasenmähroboter werden, wie es in diesem Artikel hiess, «aus lärmtechnischer Sicht gleich gehandelt wie herkömmliche Rasenmäher». Rasenmäher gehören zum Alltagslärm, wofür etwa im Umweltschutzgesetz oder in der Lärmschutzverordnung keine Grenzwerte bestehen. Aber es entspricht überall «dem Ortsgebrauch», dass man nachts und an Sonntagen nicht mäht und also auch Mähroboter «die Nacht-, Sonn- und Feiertagsruhezeiten» einzuhalten haben – auch wenn man sie kaum hört.

Als ich das gelesen hatte, sind mir zwei Dinge in den Sinn gekommen. Erstens habe ich mich an eine Bekannte erinnert, die wegen Reklamationen eines Nachbarn ihren Gartenbrunnen nur noch nachmittags laufen liess. Dem Nachbarn genügte dies nicht, und er klagte. Das zuständige Amt nahm eine «Hörprobe» vor und stellte fest, dass der Betrieb des Gartenbrunnens nicht verboten, aber auf die Nachmittage beschränkt und auf Ruhezeit am Sonntag bestanden werden müsse. Also kein Wasserplätschern vormittags, abends und am Sonntag.

Zweitens hat mir eine Nichte erzählt, dass es in Amerika gang und gäbe sei, zum Einschlafen «Noise Machines» einzusetzen. Das sind Geräte, die ein bestimmtes Geräusch erzeugen, das Kindern wie Erwachsenen das Einschlummern erleichtert. Es gäbe ein umfangreiches Geräusch-Programm: fester Regen, leichter Regen, Regen auf das Zelt, Katzenschnurren, entferntes Gewitter, brennendes Feuer, Meereswellen, Brandung, Wasserfall, Bachrauschen, Kaminfeuer, Wind, Strassenlärm, Stadtlärm, Dampflokomotive. Rasenmähen ist nicht dabei.

Lärm ist offensichtlich nicht gleich Lärm. Was die einen stört, als Lärm empfunden wird und unerwünscht ist, ist für die anderen Musik, erwünscht und ist ein Genuss. Wie sagte es doch Kurt Tucholsky: «Der eigene Hund macht keinen Lärm – er bellt nur.»

* Der fiktive Röbi Rohner wohnt in Appenzell Ausserrhoden. Er ist ein sehr aufmerksamer Zeitungsleser. Immer wenn er sich freut oder ärgert, schreibt er der Redaktion ein E-Mail. Wir publizieren diese Mails.