Liebe Redaktion

Jetzt sind sie also, wie ich in der Appenzeller Zeitung in verschiedenen Artikeln gelesen habe, auf der Suche nach der Frau.

Ihr Röbi Rohner
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Jetzt sind sie also, wie ich in der Appenzeller Zeitung in verschiedenen Artikeln gelesen habe, auf der Suche nach der Frau. Nach einer ganz besonderen Frau, der Frau zwischen 40 und 60, der es entweder nicht gut oder gut geht, die deshalb zur Erholung oder zur Vorbeugung, zur Entspannung, zur Selbstverwirklichung oder zur Stärkung des Selbstvertrauens für ein besonderes Angebot empfänglich ist und die dafür eine Auszeit nimmt oder auch nur einen Tag lang schnuppenderweise ins Appenzellerland kommt. Und sie sind jetzt auf der Suche nach diesen «touristisch attraktiven Angeboten», die es einzeln eigentlich schon gibt, aber nicht in den vorgesehenen neuen Bündelungen, und die die grosse Vergangenheit der Gesundheitsregion Appenzellerland wiederbeleben und in neue Form bringen sollen. Sie sind auf der Suche nach «attraktiven Paketen für Seele, Geist und Körper mit vielfältigen, individuell abgestimmten Dienstleistungen».

Und so arbeiten primär das Hotel Heiden, das Heilbad Unterrechstein, das Kantonsspital Heiden und die Gemeinde Heiden zusammen und suchen und entwickeln entsprechende Angebote, die es nicht an einem festen Ort, sondern eben verstreut im ganzen Appenzellerland gibt und die von jeder Frau persönlich gebündelt und konfektioniert werden können: Kombinationen von Gesundheit und Wohlbefinden, von Hotel, Gastronomie, Baden, Wellness, Fitness und Physiotherapie, aber auch von Yoga, Mal-, Musik- und Atemtherapie, von Ernährungs- und Gesundheitsberatung, von Kochkurs und Kräuterkunde, von Feng Shui und TCM. Nebst der Suche nach «individuellen und massentauglichen Angeboten» zum Thema «Frauengesundheit» sind sie auch auf der Suche nach einer App, die die Frauen gemäss ihren Bedürfnissen durch den Tag oder ihre Ferienwoche führt und sie zu den gewünschten Leistungserbringern in der Region leitet. Der Präsident des im Juni gegründeten Vereins «Gesundheitsregion Appenzellerland» soll kürzlich an einer Veranstaltung gesagt haben, die Förderung des Gesundheitstourismus sei wie ein Start-up, also ein junges Unternehmen, das mit einer innovativen Idee auf einen neuen Markt vorstossen, moderne Kommunikationsmittel einsetzen und schnell wachsen will. Er habe ferner von den «erklecklichen Fördergeldern» gesprochen, wie beispielsweise von den über 200 000 Franken, die Bund und Kanton hälftig an dieses Projekt bezahlen, aber auch von den Erfolgschancen, die bei «1 zu 10» lägen. Letzteres hat mich überrascht: Ich habe dafür eine genaue Bezeichnung gesucht und bin fündig geworden: Fördergeld bedeutet hier wohl Risikokapital zulasten des Steuerzahlers.

* Der fiktive Röbi Rohner wohnt in Appenzell Ausserrhoden. Er ist ein sehr aufmerksamer Zeitungsleser. Immer wenn er sich freut oder ärgert, schreibt er der Redaktion ein E-Mail. Wir publizieren diese Mails.

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